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Rheinfelden

Friedhofskapelle auf dem Waldfriedhof Rheinfelden(sfa) Lang ist die Traktandenliste der kommenden Gemeindeversammlung vom 5. Dezember in Rheinfelden nicht. Nebst dem Budget 2019, das auf einer gesunden Finanzlage basiert, steht als Sachgeschäft das neue Friedhof- und Bestattungsreglement im Mittelpunkt, das einige Änderungen und Anpassungen auf dem Waldfriedhof vorsieht.

«Der Waldfriedhof Rheinfelden ist eine atmosphärisch einzigartige Anlage mit einer rund 100-jährigen Geschichte», heisst es in der Broschüre zur kommenden Gemeindeversammlung. An seinem würdevollen Charakter und der Grösse wolle man auch nichts verändern, betonte Stadtrat Hans Gloor an einer Medieninformation. Dennoch brauche es gezielte Auslichtungs- und Neuanpflanzungsmassnahmen. Das Blätterdach ist inzwischen derart dicht, dass sich kaum ein Sonnenstrahl auf den Friedhof verirrt. Die Grabfelder sollen künftig in Lichtungen liegen. Ein erster Schritt wurde bereits getan, indem man die markante Friedhofskapelle am Eingang, die kaum mehr zu sehen war, wieder freigelegt habe. Der Waldgürtel soll erhalten bleiben. Gloor vermutet, dass der Waldfriedhof, der in dieser Form heute gar nicht mehr angelegt werden dürfte, mit diesen Massnahmen, die über Jahre passieren werden, dem Ursprungszustand wieder sehr nahe komme.  

Grabesruhe 20 statt 25 Jahre

Das aktuell gültige Friedhof- und Bestattungsreglement stammt aus dem Jahr 1993 und wurde 2004 leicht angepasst. Seither habe sich im Bestattungswesen allerdings einiges verändert, so Gloor. Nun gelte es, den gesellschaftlichen Veränderungen und der künftigen Bevölkerungsentwicklung Rechnung zu tragen. Die markanteste Veränderung in den letzten 20 Jahren war die Verlagerung von der Erd- zur Urnenbestattung. 

Neu wird die Grabesruhe für Erdeihen- und Urnenreihengräber 20 und nicht mehr wie bisher 25 Jahre betragen. Für Familiengräber soll sie 40 Jahre betragen und kann künftig nicht mehr verlängert werden. Bisher waren Verlängerungen um jeweils 10 bis maximal 80 Jahre möglich. Man habe aber festgestellt, dass oft kein Bezug mehr zu den Verstorbenen bestehe, die Gräber nicht mehr gepflegt würden und teilweise eine Last darstellten, so Gloor. 

Neue Grabarten

Neu soll ein Haingrab angelegt werden. Es handelt sich dabei um ein gemeinschaftliches Grabfeld auf dem zwar der Ort ausgesucht werden kann, die Urne aber anonym und ohne Blumenschmuck oder Erinnerungsstücke bestattet wird. Ebenfalls neu angelegt wird ein Frühgeborenengrab. Es entspreche einem Bedürfnis, dass früh- bzw. totgeborene Kinder bestattet werden könnten, so Gloor. Aufgehoben werde hingegen das Kindergrabfeld, da Kindergräber künftig in die gängigen Grabfelder integriert würden. In der Verordnung wird auch klar geregelt, dass Auswärtige im Gemeinschaftsgrab (mit oder ohne Namensgebung) bestattet werden können.

Um die Kosten zu decken, werden die Bestattungsgebühren für Erd- und Familiengräber sowie für Auswärtige nach oben angepasst. Neu wird eine Gebühr für die vorzeitige Grabräumung und den Unterhalt nach vorzeitiger Grabräumung erhoben. Neuerungen gibt es auch bei den Grabgestaltungsmöglichkeiten. Erlaubt werden beispielsweise ein Bild des Verstorbenen oder ein Grablicht, was bisher nur «toleriert» wurde. «Exotische Grabbeilagen» sollen aber vermieden werden. Persönliche Gegenstände müssen nach einem Jahr entfernt werden. Die bisherigen Holzgrabeinfassungen fallen künftig weg.

Alles in allem wolle man mit dem neuen Reglement «etwas Bürgerfreundliches» schaffen, so Gloor. Deshalb habe man auch für jede Grabart neu einen übersichtlichen Flyer geschaffen, der «ein klares Bild auf einen Blick» biete, damit sich die Angehörigen nicht mit dem Durchlesen des gesamten Reglements quälen müssten. 

Steuerfuss weiterhin 95 Prozent

«Wir sind in der glücklichen Lage, den Steuerfuss von 95 Prozent auch im kommenden Jahr beibehalten zu können», erläuterte Vizeammann Walter Jucker. Der Steuerfuss war per 2018 bereits von 100 Prozent um 5 Prozent vermindert worden. Die Selbstfinanzierung liegt 2019 bei rund 8 Millionen Franken und ist damit tiefer als in der Vergangenheit. Für 2019 sieht das Budget einen Steuerertrag von 45 Millionen Franken vor – ein Rückgang gegenüber 2018. Dabei handelt es sich laut Jucker um einen kurzfristigen Einbruch aufgrund des Nullwachstums der Bevölkerung, was «kein Grund zum jammern» sei.

Der grösste Brocken bei den Investitionen (20 Millionen Franken) ist für die Erweiterung und Sanierung der Schulanlage Engerfeld vorgesehen. Von den insgesamt 21,5 Millionen Franken ist 2019 eine Tranche von 12 Millionen Franken eingeplant. Die Kosten werden bis ins Jahr 2021 abgetragen sein. Obwohl 2019 wohl kein Spatenstich stattfinde, wurde bei den Investitionsschwerpunkten 2019 der neue Rheinsteg mit 2,5 Millionen Franken berücksichtigt. Auch für einen eventuellen Kauf des Bahnhofssaal wäre eine halbe Million vorgesehen. Man sei diesbezüglich im Gespräch mit der neuen Besitzerin, so Jucker. 

Das Gesamtergebnis der Erfolgsrechnung beträgt 3,6 Millionen Franken. Das Budget 2019 sieht einen Finanzierungsfehlbetrag um 12,3 Millionen Franken vor. Das Nettovermögen sinkt per Ende 2019 auf 45 Millionen Franken.

Die fünf Kreditabrechnungen - Sanierung der ARA Rheinfelden-Magden, Neugestaltung Stadtpark Ost, Sanierung und Umgestaltung Roberstenstrasse und Ersatz der Wasserleitungen Lerchenweg-Mattenweg sowie Juraweg-Froneggweg – liegen zur Genehmigung vor. Die Kredite wurden allesamt unterschritten.  

Die Einwohnergemeindeversammlung in Rheinfelden findet am Mittwoch, 5. Dezember, um 19.30 Uhr im Saalbau des Restaurant Bahnhof statt.

Unser Bild: Die markante Friedhofskapelle am Eingang des Waldfriedhofs ist wieder sichtbar. Foto: Sonja Fasler Hübner

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