Ein Produkt der mobus 200px

Münchwilen

Willy SchuerchZuerst Stimmenzähler, dann je eine Amtsperiode als Gemeinderat und Vizeammann und danach drei als Gemeindeammann, das ist die politische Karriere von Willy Schürch. Auf Ende Jahr hängt der 62-jährige Gemeindepolitiker, dem an der letzten Gemeindeversammlung die Ehrenbürgerschaft verliehen wurde, sein Amt an den Nagel.

SONJA FASLER HÜBNER

Von Amtsmüdigkeit ist bei Willy Schürch nichts zu spüren, im Gegenteil, er scheint vor Tatendrang zu sprühen. Dennoch ist für ihn jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen, das Amt als Gemeindeammann abzugeben. «Es war kein Bauch- sondern ganz klar ein Kopfentscheid», gibt Willy Schürch, der von Anfang an das Bau-Ressort betreute, zu.
Aufzuhören sei für ihn mit Freude und Leid verbunden, sagt er. An seinem Amt habe er «immer de Plausch» gehabt. Doch 20 Jahre seien genug. «Und mit Bruno Tüscher ist jemand da, der das Amt als Gemeindeammann gut weiterführen wird», ist er überzeugt.
Und: Hätte Willy Schürch nochmnals eine Amtsperiode angehängt, wäre er nicht mehr im Berufsleben. «Dann hätte ich Angst, dass ich noch mehr in der Gemeindekanzlei sitzen würde», meint er lachend. Als Gemeindeammann war er immer mittwochs in der Gemeindekanzlei, als Ansprechpartner für das Kanzleipersonal ebenso wie für die Bevölkerung. Nebst dem Ammann-Amt 100 Prozent zu arbeiten, lasse sich kaum vereinbaren, ist Schürch überzeugt. «Man kann nicht alles am Abend oder am Wochenende erledigen.» Gerade mit dem Ressort Bau wäre das schwierig. So habe er Termine mit Architekten oder Kantonsverantwortlichen immer auf den Mittwoch legen können. Die Reduktion seines Ar-beitspensums auf 80 Prozent war ihm das wert. Telefonisch war Willy Schürch ohnehin rund um die Uhr erreichbar. Das Engagement des Gemeindeammanns ist eindrücklich. Als es einige Zeit lang
Probleme mit Vandalismus auf dem Schulareal gab, übernachtete er - trotz Sicherheitsdienst und Polizeipatrouillen - sogar höchstpersönlich in der Turnhalle, um die Täterschaft auf frischer Tat zu ertappen. Mit Erfolg.
Nun steht ihm ein schrittweiser Ausstieg aus Beruf und Politik bevor. Zuerst gibt er das politische Amt ab, drei Jahre später wird Schürch, der in einem 80-Prozent-Pensum als Mechaniker in einer Rheinfelder Firma arbeitet, pensioniert.
Schulhaussanierung und Grossüberbauung
Ein grosses Bauprojekt, das während seiner Ammannzeit realisiert wurde, war die Grossüberbauung an der Hauptstrasse. Auch die Sanierung und Erweiterung des Schulhauses vor rund drei Jahren fiel in Schürchs Amtszeit. Ebenso wie die Wasserversorgung mit neuem Reservoir vor zwei Jahren. Aber auch seinem Nachfolger werde die Arbeit nicht ausgehen, weiss Schürch. Bereits steht wieder eine Grossüberbauung im Gebiet Dell an der Hauptstrasse an. Erschliessungsprojekte wie diejenige der Gebiete Gemeinderain, Hübel und Lienecht sind vorgesehen. Und auch die Entwicklung des Sisslerfelds werde weiterhin ein Thema sein.
Nach solchen Investitionen sei der Schuldenstand der Gemeinde sicher relativ hoch, trotzdem habe man deswegen den Steuerfuss nicht erhöhen müssen und konnte den Steuerfussausgleich des Kantons dem Bürger weitergeben.
Stets gutes Einvernehmen
Als Gemeindeammann lag Willy Schürch immer das gute Verhältnis innerhalb des Gemeinderats und des Gemeindepersonals am Herzen. «Als Ammann ist man gleichzeitig auch Personalchef. Nach einer Zeit mit vielen Personalwechseln war es mir wichtig, wieder eine gewisse Konstanz herbeizuführen», betont Schürch. Und das sei ihm in den letzten Jahren bestens gelungen, freut er sich. Verbissen sei er nie gewesen in seinem Amt. «Ich sehe es als Hobby, und davon lasse ich mich nicht verrückt machen», so seine Devise. Diese Gelassenheit und das Geschick, erst gar keine Anfeindungen aufkommen zu lassen, scheinen seine Stärke zu sein. «Das hat man selber in der Hand», ist er überzeugt.
Engagiert in der Ortsbürgerstiftung
Auch Dorfbild und Dorfleben liegen Willy Schürch am Herzen. So wurde eine Orts-bürgerstiftung gegründet - vor allem für den Erhalt des Dorfbildes - in der er als gemeinderätliches Bindeglied Einsitz nahm. Eine Massnahme als Stiftung war es, das einzige Dorfrestaurant zu erwerben, damit dieses erhalten bleibt. Dieses wird heute von einem Pächter erfolgreich betrieben und Willy Schürch ist stolz darauf, der Gemeinde Münchwilen damit das einzige Restaurant bewahrt zu haben.
Die Ortsbürger geben der Ortsbürgerstiftung total 1 Million Franken, pro Jahr macht das ca.100 000 Franken. Auch das Volg-Gebäude konnte seinerzeit von der Ortsbürgergemeinde gekauft werden. An dessen Stelle steht heute ein Mehrfamilienhaus.
Willy Schürch kam erst im Alter von 13 Jahren nach Münchwilen, doch das Dorf liegt ihm besonders am Herzen. Deshalb hat er sich auch vor drei Jahren einbürgern lassen. Er schätzt die schöne Lage des Dorfes und die «saubere Trennung von Wohnzone zu Verkehr und Industrie.»
Münchwilen hat sich während der vergangenen 20 Jahre rasant entwickelt. «Als ich im Gemeinderat anfing, hatten wir knapp 600 Einwohner, heute sind es 920.» Als er 20 Jahre alt gewesen sei, habe es die jungen Münchwiler vom Dorf weggezozen, da es kaum Mietwohnungen gab. Das habe sich zum Glück geändert.
Ohne weitere politische Ambitionen
Seine politische Tätigkeit beschränkte Willy Schürch immer auf Münchwilen. Ambitionen auf einen Grossratsitz oder ähnliches hatte er nie. Als wichtig erachtete er jedoch immer die Kontakte mit Gemeinderäten anderer Gemeinden. Da Münchwilen zwar zum Bezirk Laufenburg gehört und beispielsweise die Steuerverwaltung zusammen mit Eiken betreibt, besteht aber auch mit der zum Bezirk Rheinfelden gehörenden Gemeinde Stein eine enge Zusammenarbeit in diversen Bereichen. Dem Gemeindeammann war es daher immer wichtig, die Funktion als Bindeglied zwischen den beiden Bezirken zu pflegen. «Für Münchwilen war es schon immer das Normalste der Welt, mit anderen Gemeinden zusammenzuarbeiten.»
Willy Schürch wird nach dem Rücktritt aus dem Gemeinderat nicht in ein Loch fallen. «Ich scheide mit Genugtuung aus dem Amt und werde die Geschicke der Gemeinde weiter aufmerksam verfolgen.» Schon vor seiner politischen Karriere im Dorf war er während 20 Jahren Präsident des Schützenvereins. Nachdem er jahrelang zurückgesteckt habe, werde er sich jetzt wieder vermehrt im Verein engagieren können, regelmässig trainieren und sich an der Jahresmeisterschaft beteiligen.
Auch für die Familie bleibt dem Vater von vier erwachsenen Kindern und Grossvater von fünf Enkeln wieder mehr Zeit. «Darauf freue ich mich», sagt er. Und der Gartenpflege, die er in den letzte Jahren vernachlässigt habe, wolle er sich wieder vermehrt widmen.
Der gesellige Typ
Auf sein Lieblingsort in Münchwilen angesprochen, kommen Willy Schürch zwei Orte in den Sinn: Das Dorfrestaurant und der Weinkeller, den er zusammen mit seiner Lebenspartnerin im Haus eingerichtet hat. «Ich bin nun mal der gesellige Typ», meint er lachend. «Wenn man Kontakt hat zu den Leuten, spürt man schnell einmal, wo der Schuh drückt», ist er überzeugt. In seiner Tätigkeit als Stiftungsratsmitglied habe er schon öfters zum Apéro in seinen gemütlichen Weinkeller geladen. Dem Stiftungsrat wird er auch nach seiner Zeit als Gemeindeammann treu bleiben.
Auch sonst wird Willy Schürch nicht die Hände in den Schoss legen und sich weiter fürs Dorf engagieren. «Die Gemeinde ist zurzeit an der Überarbeitung der Bau- und Nutzungsordnung. Falls es von Seiten der Bevölkerung eine Begleitgruppe braucht, werde ich gerne mitwirken. Das macht schliesslich auch Sinn, wenn man 20 Jahre das Bauressort inne hatte», so Schürch.

Unser Bild: «Mein Lieblingsplatz» - Im originell eingerichteten Weinkeller seines Hauses hat Willy Schürch schon so manchen gemütlichen Hock veranstaltet. (Foto: Sonja Fasler Hübner)