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Wölflinswil

Raiffeisenbank WölflinswilRund 50 Personen besuchten am Montagabend die Informationsveranstaltung der Raiffeisenbank Regio Frick im Saal des Gasthofs Ochsen in Wölflinswil. Es ging um die Schliessung der Geschäftsstelle im Dorf per Ende April 2018 und die damit verbundenen Änderungen im Dienstleistungsangebot der Bank. Die Bevölkerung ist teilweise skeptisch, bringt aber auch ein gewisses Verständnis für die Beweggründe der Bankleitung auf.
SONJA FASLER HÜBNER

Sinkende Schalterfrequenzen, erhöhte Sicherheitsvorschriften und Überlegungen zur Rentabilität führen dazu, dass der Raiffeisenbank-Standort Wölflinswil am 27. April 2018 für immer seine Türen schliesst, wie Verwaltungsratspräsident Erwin Schwarb und Marc Jäger, Vorsitzender der Bankleitung, darlegten. Bestehen bleibt lediglich der Bancomat.
85 Prozent der Kunden seien 2016 weniger als sechsmal am Bankschalter gewesen. Auf der anderen Seite nehme das E-Banking immer stärker zu, wie Marc Jäger erklärte. Alleine von Januar bis September dieses Jahres habe man 500 neue E-Banking-Verträge bei der Raiffeisenbank Regio Frick abschliessen können. 6600 Schaltertransaktionen seien 2016 in Wöflinswil noch getätigt worden. Zu wenig, im Anbetracht von 112 000 Franken Betriebskosten. «Eine Transaktion käme so auf 17 Franken zu stehen», so Jäger. «Kein Kunde wäre bereit, das zu zahlen.» Das seien Kosten, die auf die Allgemeinheit abgewälzt würden. «Schlussendlich entscheiden immer die Kunden, ob ein Standort bestehen bleibt oder nicht.»

Ein weiterer Grund für die Schliessung sind aber auch Sicherheitsbedenken. «Kleine Banken werden häufiger überfallen als grosse», so Jäger. Das obere Fricktal sei zum Glück in letzter Zeit verschont geblieben. Aber schweizweit kam es im letzten Jahr zu neun Banküberfällen auf kleinere Raiffeisen-Filialen.
Man setze auch in Zukunft auf die Nähe zum Kunden, betonten die Bankverantwortlichen mehrfach. Die Schliessung der Filiale Wölflinswil könne denn auch nicht als Leistungsabbau bezeichnet werden. Im Gegenteil investiere man sogar in die verbleibenden Filialen. Zurzeit gibt es im Einzugsgebiet von Raiffeisenbank Regio Frick fünf Beratungsstandorte (Eiken, Frick, Gipf-Oberfrick, Herznach und Zeihen) und zwölf Bancomaten.
Keine Entlassungen
Zu Entlassungen kommt es in Wölflinswil trotz Schliessung nicht. Die bisherigen Mitarbeiter Katharina Roth und Markus Schmidt werden das Team in Gipf-Oberfrick verstärken. Markus Acklin geht frühzeitig in Pension. In die Filiale Gipf-Oberfrick wird kräftig investiert. Per Ende des ersten Quartals 2018 werden dort Bargeldbezüge und Noteneinzahlungen ausschliesslich über Bancomaten abgewickelt. Mit der Umstellung geht eine Erweiterung der 24-Stunden-Zone um einen Automaten mit Noteneinzahlfunktion einher, womit die Bank zugleich ihre Verfügbarkeit für die Kunden erhöht. «Die Berater vor Ort begleiten ihre Kunden persönlich zu den Bancomaten und unterstützen bei der Nutzung der Geräte», betonte Jäger. Gleichzeitig erhalten die Mitarbeitenden mehr Zeit für persönliche Beratungsgespräche. Für Kunden, die gerne auf E-Banking umstellen möchten, würden entsprechende Kurse angeboten.
Wer Bargeld brauche, könne sich dieses auch nach Hause liefern lassen. Ein Bezug sei auch im Volg Wölflinswil möglich, aber nur soweit es der Bargeldbestand zulasse. Ab Mai 2018 kann nur noch in den Bankfilialen Frick und Herznach am Schalter Bargeld bezogen werden.

Marc Jäger und Erwin Schwarb wurden nicht müde zu betonen, dass der genossenschaftliche Gedanke nicht auf der Strecke bleibt, wie das einige besorgte Versammlungsteilnehmer, teilweise seit über 50 Jahren Raiffeisenmitglied, befürchten. Bei der Schliessung gehe es um eine «Strukturbereinigung» und nicht um «Salamitaktik». Auch Sponsoring-Projekte werde die Bank in Wölflinswil und Oberhof im gleichen Rahmen wie bisher verfolgen.
Gemeindekanzlei bald im Parterre?
Für die leer werdenden Bankräumlichkeiten in Wölflinswil zeichnet sich eventuell eine Lösung mit der Gemeinde ab, wie Gemeindeammann Köbi Brem anlässlich der Informationsveranstaltung verlauten liess. Die Kanzlei im Gemeindehaus befindet sich im ersten Stock und ist nicht rollstuhlgängig. Für beide Stockwerke habe die Gemeinde keine Verwendung, aber Schalterräumlichkeiten im Parterre wären ideal gelegen. Bank und Gemeinde hoffen, bis im Frühjahr eine gemeinsame Lösung gefunden zu haben. Das letzte Wort hätte natürlich die Gemeindeversammlung.

Unser Bild: Marc Jäger, Vorsitzender der Bankleitung der RB Regio Frick, legt die Gründe zur Schliessung der Filiale Wölflinswil dar. (Foto: Sonja Fasler Hübner)