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Der Präsident und das scheidende und das neue Vorstandmitglied von Kaiseraugst (von links): Sibylle Lüthi, Christian Fricker und Françoise Moser. Foto: Jörg Wägli(jw) Die Gemeinde Leibstadt nähert sich dem Fricktal. Der Fricktal Regio Planungsverband hat gestern Abend an seiner Abgeordnetenversammlung in Oberhof ein entsprechendes Beitrittsgesuch gutgeheissen. Beschlossen wurde ausserdem der Beitritt zum Trägerverein Energiestadt. Und die neue Kaiseraugster Gemeindepräsidentin, Françoise Moser, wurde anstelle ihrer Vorgängerin, Sibylle Lüthi, in den Vorstand gewählt.

31 der insgesamt 35 Gemeinden des Planungsverbandes Fricktal Regio konnte Präsident Christian Fricker gestern Abend in der Turnhalle in Oberhof zur 16. ordentlichen Abgeordnetenversammlung begrüssen. Zügig «marschierten» die Delegierten durch die 14 Punkte umfassende Traktandenliste. Unter anderem nahmen sie nach dem Motto «Fricktal plus» als 36. Mitglied die Gemeinde Leibstadt per 1. Januar 2019 in ihren Reihen auf – vorbehältlich der Genehmigung des Beitritts durch die Leibstadter Stimmberechtigten am 16. November. «Leibstadt liegt am Rand des Fricktals, doch die Bezirksgrenze trennt», erklärte der Leibstadter Gemeindeammann Hans­peter Erne vor den Delegierten. Eine «Annäherung» soll der Beitritt zum Planungsverband bringen. Und verbindende Gründe gibt es mehrere. Etwa die Pendler, die zwischen Leibstadt (rund 1350 Einwohner und über 1000 Arbeitsplätze) und dem Fricktal zirkulieren, und damit verbunden auch der öffentliche Verkehr. «Wenn ich Richtung Basel fahren will, löse ich ein Billett nach Schwaderloch – und profitiere anschliessend vom TNW-Angebot. Das kommt billiger als ein direktes Billett an den Zielort», verdeutlichte Erne eine der «Grenzen» zwischen dem Fricktal und seiner im Zurzibiet gelegenen Gemeinde: «Der Tarifverbund sollte besser funktionieren.» Aber auch die sich verändernde Schullandschaft bringt Ansatzpunkte für eine mögliche Zusammenarbeit. «Noch ist offen, wo unsere Oberstufenschüler künftig die Schule besuchen werden – möglich ist auch ein Weg Richtung Laufenburg», so der Leibstadter Gemeindeammann. Seine Gemeinde, die gleichzeitig auch Mitglied im Gemeindeverband ZurzibietRegio bleiben wird, wurde im Fricktaler Planungsverband mit Applaus willkommen geheissen.

Energieregion Fricktal
Ein zweites Beitrittsgesuch – mit umgekehrten Vorzeichen – betraf die Energieregion Fricktal. Der «Fricktal Regio»-Vorstand beantragte den Beitritt zum Trägerverein Energiestadt, vorerst befristet auf zwei Jahre. «Ein Flickenteppich geht nicht, um beim Bund Geld abzuholen», erklärte Verbandspräsident Christian Fricker. Und als «Flickenteppich» präsentiert sich die «energieregionFRICKTAL», die regionale Wissensplattform für Gemeinden in Bezug auf Fragen rund um das Thema «Ressourcen sparen und erneuerbare Energien». 13 Gemeinden (Kaiseraugst, Magden, Rheinfelden, Stein, Wölflinswil, Frick, Gipf-Oberfrick, Herznach, Laufenburg, Ueken, Wittnau, Zeihen und Zeiningen) tauschen sich auf dieser Plattform regelmässig aus. «energieregion FRICKTAL» strebt nun die Anerkennung des Bundes als Energieregion an und möchte ein Projekt im Rahmen des Programms «Energie-Region» eingeben. Die Bedingungen zur Teilnahme an diesem Bundesprojekt sind erfüllt – mit Ausnahme der geografischen Geschlossenheit. Diese Lücke soll nun der Planungsverband mit einem Beitritt zum Trägerverein Energiestadt schliessen. Die Abgeordneten stimmten dem vorerst auf zwei Jahre befristeten Vorhaben einstimmig zu.

Vor der ehrenvollen Wahl stellt sich die neue Kaiseraugster Gemeindepräsidentin, Françoise Moser, den Abgeordneten vor. Foto: Jörg WägliErsatzwahl
Mit dem Rücktritt als Gemeindepräsidentin von Kaiseraugst hat Sibylle Lüthi auch den Rückzug aus dem Vorstand des Planungsverbandes bekanntgegeben. Mit Françoise Moser tritt nun die neue Kaiseraugster Gemeindepräsidentin auch in ihre «Fricktal Regio»-Fussstapfen. Ihre Wahl erfolgte einstimmig und mit Applaus. Damit verbleibt dieser Vorstandssitz im unteren Fricktal, worüber sich Präsident Christian Fricktal sehr glücklich zeigte. Eiken, das ebenfalls seine Ambitionen angemeldet hatte, hatte seine Bewerbung nach dem Bekanntwerden der Kaiseraugster Kandidatur bereits vor der Versammlung zurückgezogen.

Kapazitätsgrenzen erreicht
«Die Fülle und Vielfalt unserer Arbeit hat zugenommen», erklärte Christian Fricker zum Jahresbericht 2017. Es bestehe ein Bedürfnis, die verschiedensten Themen (etwa Forstwirtschaft) anzugehen, und auch vom Kanton werde der Planungsverband mit Aufgaben «eingedeckt» (z.B. Rheinuferschutzdekret, Standort Asylunterkünfte usw.). «Insgesamt sind unsere Kapazitätsgrenzen erreicht», sagte der Planungsverbandspräsident. Man werde sich das «Wie weiter?» überlegen müssen.
Der Jahresbericht wurde ebenso wie die Legislaturziele 2018–2021 und die Jahresziele 2019 gutgeheissen bzw. genehmigt. Bei den Legislaturzielen sind etwa die Überarbeitung der Fricktal-Vision und des Leitbildes aufgeführt, um der Entwicklung der einzelnen Gemeinden und der Region gerecht zu werden. Weiteres Thema ist der Umgang mit Aus- und Einzonungen von Bauzonen. Ein Konzept soll erarbeitet werden, damit das Fricktal über Entscheidungsgrundlagen für mögliche Einzonungen, die für die regionale Entwicklung von hoher Bedeutung sind, verfügt. Ein spezielles Augenmerk wird weiterhin der Standortförderung gewidmet, damit neue Firmen, wenn möglich wertschöpfungsintensive Firmen, und ihre Mitarbeitenden im Fricktal ein neues Zuhause und bestehende Firmen eine Perspektive für die Zukunft finden. Weiteres Thema ist die Mobilitätsstrategie, welche mithelfen soll, eine funktionierende Mobilität soweit als möglich sicherzustellen.

Mit einem «Fricktaler Chörbli» verdanke Präsident Christian Fricker die Vorstandsarbeit von Sibylle Lüthi. Foto: Jörg WägliUm all ihre Aufgaben zu erfüllen, braucht die Planungsgruppe natürlich Geld. Entsprechend hatten sich die Delegierten einerseits mit der Jahresrechnung 2017, andererseits aber auch mit dem Budget 2019 zu befassen. Beides Themen, die trotz Aufwandüberschüssen (Rechnung 2017 rund 9500 Franken; Budget 2019 knapp 25 000 Franken) keine hohen Wellen warf. Dies mag daran liegen, dass das Fricktal in Sachen Gemeindebeiträgen «einsame Spitze» ist – «im unteren Bereich», wie Präsident Fricker betonte. Mit der Genehmigung des Budget 2019 stimmten die Abgeordneten einem unverändert tiefen Gemeindebeitrag von 2.80 Franken pro Einwohner zu.
Unter «Verschiedenes» verdankte der Planungsverbandspräsident die rund zweijährige, engagierte Mitarbeit von Sibylle Lüthi im Vorstand mit einem «Fricktaler Chörbli» und gab einem Überblick über die nächsten «Fricktal Regio»-Termine, das komplett ausgebuchte Wirtschaftsforum von nächster Woche, das Gemeindeseminar und die Fricktal Konferenz vom 23. bis 25. Januar 2019 sowie die 17. ord. Abgeordnetenversammlung vom 11. September 2019, welche in Stein stattfinden wird.
Im Anschluss an die ordentlichen Geschäfte waren die Anwesenden zu einem Referat von Grossratspräsident Bernhard Scholl eingeladen. Dieser referierte zum Thema «Das Fricktal und der Aargau» Dabei gab er einem Einblick in die aktuelle Arbeit der Kantonsparlaments, das unter anderem vor einer «heissen» Budgetdebatte steht. «Der Kanton befindet sich finanziell zwar in einem Zwischenhoch», so der Grossratspräsident, «es ist aber noch nicht das Ende des Tunnels.»

Unsere Bilder
Erstes Bild: Der Präsident und das scheidende und das neue Vorstandmitglied von Kaiseraugst (von links): Sibylle Lüthi, Christian Fricker und Françoise Moser. Foto: Jörg Wägli
Zweites Bild: Vor der ehrenvollen Wahl stellt sich die neue Kaiseraugster Gemeindepräsidentin, Françoise Moser, den Abgeordneten vor. Foto: Jörg Wägli
Drittes Bild: Mit einem «Fricktaler Chörbli» verdanke Präsident Christian Fricker die Vorstandsarbeit von Sibylle Lüthi. Foto: Jörg Wägli

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