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Zurück auf Anfang im Sisslerfeld. Das Areal rund um die Gemeinden Stein, Sisseln, Münchwilen und Eiken soll ganz neu gedacht werden. Das war der Tenor des ersten Forum Sisslerfeld, das im Saalbau Stein stattfand und zu dem sich rund 100 Interessierte einfanden.
HANS CHRISTOF WAGNER

Ziel des Abends war, ein Stimmungsbild derer einzuholen, die im Umfeld des Sisslerfelds wohnen, leben und arbeiten. Vertreter der vier Fricktaler Anrainergemeinden Stein, Sisseln, Münchwilen und Eiken waren anwesend, aber auch Gemeinderäte und Verwaltungsmitarbeiter von Bad Säckingen. Kantonsplaner Daniel Kolb unterstrich am Abend nochmals die Dimensionen: «200 Hektare sind für Schweizer Verhältnisse ein grosses Areal, von kantonaler, ja bundesweiter Bedeutung.»

Im Dialog
Man wolle mit der Bebauung einen Mehrwert für die Region erreichen: Arbeitsplätze schaffen, innovative Betriebe und Branchen ansiedeln und die gesamte Wirtschaftsregion Fricktal stärken. Kolb weiter: «Wir wollen das im Dialog mit Ihnen tun. Das ist nicht nur ein Spruch, sondern ernst gemeint.» Es gelte, das Sisslerfeld «mit Augenmass» zu entwickeln, nicht von heute auf morgen, sondern im langen Zeithorizont bis 2040. «Wir wollen eine wirtschaftlich, gesellschaftlich und ökologisch nachhaltige Lösung.» Projektleiter Richard Zickermann sprach von einem «wirklich grossen Vorhaben». Rund 60 Grundeigentümer mit ihren mitunter gegensätzlichen Interessen gelte es unter einen Hut zu bekommen.

Externe Planer
Aber dafür hat der Kanton ja jetzt wieder das Heft in die Hand genommen, nachdem eine koordinierende Stelle beim Standortmarketing im Herbst 2017 aus Kostengründen gestrichen worden war. Die Kantonsverwaltung ist nach wie vor involviert, der Hauptteil der Arbeit liegt jetzt aber bei den beiden extern beauftragten Fachbüros aus Zürich, TBF und Kontextplan.

19 26 Sisslerfeld2Gelbe und blaue Punkte
Wie diese den Abend im Steiner Saalbau aufzogen, mutete professionell an. Unter Moderation von Eva Gerber von der Kontextplan-Geschäftsleitung waren die Teilnehmer in Bestandsaufnahme, Diskussion und Zukunftsplanung eingebunden. Konnten zeitlich streng getaktet äussern, was das Sisslerfeld aktuell für sie bedeutet, wo es ihrer Meinung nach hin sollte und wo Befürchtungen und Hoffnungen liegen. Die Ideen, Wünsche und Anregungen wurden dabei visualisiert und so optisch präsent gemacht. Deutlich wurde: Über die Themenfelder, die im Zuge der Erschliessung zu diskutieren sind, herrschte weitgehend Einigkeit: Industrie und Arbeitsplätze, Verkehrsfragen, Ökologie, Natur und Landschaft, Infrastruktur, Wohnen. Mit Punkten, blauen für Hoffnung und gelben für Befürchtung, konnten die Workshop-Teilnehmer die Themenfelder beurteilen. Klar, dass beim Verkehr, vor allem beim Auto- und LKW-Verkehr, die gelben Punkte dominierten, während es bei der Frage nach dem grenzüberschreitenden Aspekt sehr blau wurde. Sorgen um den Verlust von Frei- und Naturräumen wurden ebenso laut wie Befürchtungen, man könne sich von weiteren Pharmakonzernen zu sehr abhängig machen. Obwohl: Von den Lifesciences-Firmen, von denen in Bezug auf das Areal zuvor immer die Rede war, hörte man von Seiten der Veranstalter am Abend nichts.

Kühne Ideen
Dafür war von mitunter kühnen Ideen und Wünschen die Rede, welche die Teilnehmer äusserten. Eine neue Rheinbrücke, eine beide Seiten des Rheins verbindende Seilbahn, autonom verkehrende Zubringerbusse und ein eigene Station Sisslerfeld, per Schiene mit dem Bahnhof Bad Säckingen verbunden, gehörten dazu. Ein Landwirt sagte schon vor Beginn der Workshops: «Lasst das Sisslerfeld mit seinen wertvollen Äckern doch als Landwirtschaftszone bestehen.» Sicher eine Einzelmeinung. Konsens darüber herrschte, dass es dort Industrie, Gewerbe und neue Jobs geben solle – aber möglichst nicht nur in Grosskonzernen, auch in KMU, deren Steuersitz vor Ort sei.

Leitbild bis Ende 2019
«Wir haben sehr viele Inputs bekommen, die wir alle ernstnehmen und berücksichtigen», bilanzierte Kolb nach rund zwei Stunden Workshop. «Was Sie uns heute Abend auf den Weg gegeben haben, ist sehr wertvoll.» Einfliessen sollen die Anregungen jetzt in ein bis Ende Jahr formuliertes Leitbild und in die für 2020 angesetzte Testphase zur Entwicklung des Sisslerfelds, in der mögliche Szenarien durchgespielt werden. Kolb kündigte für Herbst/Winter 2020 ein neuerliches Forum an. Zuvor, am 3. Juli 2019, werde es einen Infoanlass speziell für die Grundeigentümer geben.

Bilder: Die Teilnehmer des ersten Forum Sisslerfeld im Saalbau Stein hatten die Möglichkeit, am Verfahren mitzuwirken.
Fotos: Hans Christof Wagner
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