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«Wir alle leben geistig von dem, was uns Menschen in bedeutungsvollen Stunden unseres Lebens
gegeben haben.» Albert Schweitzer – Eine gemeinsame Botschaft des Regierungsrats und der Gemeindeammänner-Vereinigung des Kantons Aargau zum Tag der Freiwilligenarbeit:

«Heute ist der internationale Tag der Freiwilligenarbeit. Er fällt in das "Jahr der Milizarbeit", das der Schweizer Gemeindeverband ausgerufen hat. Freiwilliges Engagement und Milizsystem – das sind untrennbare Begriffe. Das Milizsystem ist ein Erfolgsfaktor unserer Gesellschaft, es gehört zur DNA der Schweiz. Es zwingt uns, miteinander nach gemeinsamen Lösungen zu suchen, die breit abgestützt im Sinne des Gemeinwohls umgesetzt werden können.
Das nebenamtliche Engagement vieler für das Gemeinwesen ist Ausdruck der Mitverantwortung der Bürgerinnen und Bürger für den Staat und letztlich eine Absage an eine Delegation der Verantwortung an eine oft anonyme Verwaltung. Das tief in unserem Nationalbewusstsein verankerte Milizwesen fördert den sozialen Zusammenhalt durch alle Gesellschaftsschichten.
Unser Milizsystem und die Instrumente der direkten Demokratie beteiligen Bürgerinnen und Bürger an der Staatsleitung und geben ihnen auch die politischen Zügel in die Hand: Als Parlamentarierin, als nebenamtlicher Gemeinderat, als Stimmbürgerin oder als Wähler. Daneben engagiert sich jede zweite erwachsene Person in der Schweiz freiwillig in einem Verein oder ausserhalb von Organisationen, in der Nachbarschaft oder innerhalb der Familie. Auch in diesem System wird eine grosse Mitverantwortung getragen. Diejenige für den sozialen Frieden.
Wozu dieses System fähig ist – aber auch wo seine Grenzen liegen – zeigte sich sehr stark in den Jahren 2015 und 2016, als Europa zum Ziel hunderttausender Migrantinnen und Migranten wurde. Die Bilder von überfüllten Booten auf dem Mittelmeer, von Zäunen, Zelten und Menschenzügen, die mit ihren Habseligkeiten auf staubigen Feldwegen einer ungewissen Zukunft entgegengehen, von der Solidarität und vom Hass, der ihnen gleichermassen entgegenschlug – diese Bilder sind heute zwar verblasst, aber unauslöschlich in unserem Gedächtnis eingebrannt.
Zahlreiche Freiwillige haben sich damals – und tun es bis heute – für diese Menschen engagiert: Als Mentorin oder Mentor, als Deutschlehrerinnen, als Aufgabenhilfen oder einfach als Mensch, um den Geflüchteten einen sozialen Anknüpfungspunkt in unserer Gesellschaft zu bieten. Dieses Engagement ist nicht einfach eine Ergänzung der Integrationsangebote des Staates – es ist die Grundvoraussetzung dafür, dass diese Angebote ihre Wirkung entfalten und in den Gemeinden im friedlichen Zusammenleben Früchte tragen können.
Das Engagement der Freiwilligen hat einen unschätzbar wertvollen Anteil daran, dass in der erwähnten Zeit das Zusammenleben im Aargau, in den Regionen und Gemeinden trotz grosser Herausforderungen weiter funktioniert hat und bis heute funktioniert. Und es hat einen gewichtigen Anteil an der Qualität der Massnahmen, die Politik und Verwaltung seither aufgrund der gemachten Erfahrungen erarbeitet haben. Freiwillig Engagierte zeigen Politik und Verwaltung, wo der Schuh drückt. Freiwillige können sehr rasch auf Ereignisse reagieren, wo der politische Betreib naturgemäss hinterherhinkt. Dass die Erfahrungen der Freiwilligen aus dem Quartier, aus der Nachbarschaft auch auf allen staatlichen Ebenen ankommen, ist jedoch nicht selbstverständlich. Dazu braucht es einen institutionalisierten Austausch über alle Ebenen.
Kanton und Gemeinden haben aus der Situation von damals gelernt. Ihre Zusammenarbeit im Bereich der Migration und Integration ist heute enger denn je. Kanton und Gemeinden hören hin, wenn es um den Bedarf der freiwillig Engagierten geht und beziehen ihre Erfahrungen in die Entscheidungen ein. Freiwilliges Engagement ist in diesem Zusammenhang nicht einfach komplementär, nicht nur ergänzend zum Staat, wo dessen Angebot Lücken aufweist, es ist Seismograf für Politik und Verwaltung, es ist der Klebstoff des gesellschaftlichen Miteinanders und der Ausdruck jener Stärke des Volkes, "das sich misst am Wohle der Schwachen“, wie es in der Bundesverfassung steht.
Vor allem die Herausforderungen der Globalisierung und Individualisierung der Lebenswelten nagen am Fundament des Milizwesens und des freiwilligen Engagements. Ignorieren kann man diesen Wandel nicht, er findet statt. Nebst der Frage, wie wir als Individuen diesen tiefgreifenden Veränderungen begegnen, stellt sich die Frage, wie Kanton, Gemeinden und die Freiwilligen gemeinsam mit den Auswirkungen grosser Entwicklungen umgehen und wie sie ihr Verhältnis, ihre Rollen und ihr Zusammenspiel leben und weiterentwickeln.
Letzteres, sind wir überzeugt, wird sich in den kommenden Jahren vertiefen und verbessern. Was der Staat, der Kanton und die Gemeinden und deren Verwaltungen gemeinsam tun können, sind vor allem zwei Dinge: Sie können hinhören und die Rahmenbedingungen für freiwilliges Engagement stärken. Und sie können das zivilgesellschaftliche Engagement damit wertschätzen. So bleibt uns an diesem "Tag der Freiwilligenarbeit" im "Jahr der Milizarbeit" im Namen des Regierungsrates und der Aargauer Gemeinden nur eines zu sagen: Ganz herzlichen Dank für Ihr Engagement!»

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