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(pd) Manchmal zeigt eine Studie, dass eine Abklärung oder Behandlung keinen Zusatznutzen für die Patientinnen und Patienten erbringt. Aufwändige und teure Verfahren können so vermieden werden. Eine kürzlich publizierte Forschungsarbeit unter Beteiligung der Intensivmedizin und der neurologischen Klinik des Unispitals Basel belegt, dass bestimmte Langzeit-Untersuchungen die Prognose von Patientinnen und Patienten im Koma nicht verbessern.

Der Funktionszustand des Gehirns von Patientinnen und Patienten, die im Koma liegen, kann mit einem Elektroenzephalogramm (EEG) eingeschätzt werden. Obwohl gute Studien fehlten, war man bisher davon ausgegangen, dass ein Langzeit-EEG von mindestens 30 Stunden die Prognose von Patientinnen und Patienten im Vergleich mit zwei Kurz-EEG von je 20 Minuten verbessert. Diese Annahme fand Eingang in die Abklärungs-Richtlinien sowohl der europäischen als auch der amerikanischen Fachgesellschaften. Eine solche Untersuchung erfordert einen hohen Aufwand an Apparaten und Personal, der – zumindest in Europa – in keiner Weise finanziell abgegolten wird.

Lohnt sich der immense Ressourcen-Einsatz? Nein, sagt eine soeben in der Zeitschrift «JAMA Neurology» veröffentlichte Arbeit: Nach einem Langzeit-EEG verbessern sich die Überlebenschancen von erwachsenen Komapatientinnen und -patienten ohne Epilepsie nicht. Die CERTA genannte Studie (Continuous EEG Randomized Trial in Adults) ist die erste ihrer Art. Sie wurde vom Schweizerischen Nationalfonds finanziert. Die Universitätsspitäler von Lausanne, Basel und Bern sowie das Spital Sitten nahmen daran teil. «Wir haben jetzt Gewissheit, dass Menschen mit zwei einfachen, kurzen Hirnstromkurven genauso sicher durch den belastenden Zustand des Komas geführt werden können wie mit einem aufwändigen Langzeit-EEG», sagt Prof. Stephan Rüegg, Leiter der Abteilung für klinische Neurophysiologie am Unispital Basel. «Dank den kürzeren Untersuchungen können Apparate und Fachpersonal dort eingesetzt werden, wo sie wirklich einen Nutzen bringen.» Ausgenommen sind Patientinnen und Patienten mit Epilepsie oder Epilepsie-Verdacht, für die ein spezielles Vorgehen nötig ist. Laut Rüegg können viele Spitäler in der Schweiz und Europa Kurz-EEGs durchführen, während nur einige grosse Häuser für Langzeit-EEGs auf Intensivstationen ausgerüstet sind.

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