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Von Michael Derrer, Verein Mehr Farbe für Rheinfelden

Die Frage, ob vor zwei Jahren in Rheinfelden die Alternative tatsächlich nur zwischen einer überteuerten Brücke und gar keiner bestand, veranlasste mich, anfangs Jahr zu recherchieren und eine bestehende, vor kurzem erbaute Brücke zu suchen, deren Länge mit dem damaligen Rheinfelder Projekt in etwa vergleichbar ist. Da ich gut Polnisch spreche und in jenem Land ein Netzwerk besitze, wurde ich in Schlesien fündig: Die 2018 fertiggestellte Fussgängerbrücke «Kladka nad Jeziorem Bystryckim» kostete gerade einmal 1,4 Millionen Euro (vgl. 12,6 Millionen Euro für das gescheiterte Rheinfelder Projekt). Ich machte in der Folge den Erbauer der Brücke ausfindig und fragte diesen ehemaligen Chefingenieur der Firma Strabag nach dem Grund für die fast 10-mal tieferen Kosten. Nach Konsultation der Unterlagen fand er einen Hauptunterschied in der Tatsache, dass in Rheinfelden im Gegensatz zur polnischen Brücke keine zusätzlichen Tragsäulen vorgesehen waren, welche die Spannweite der Brücke in mehrere Teilstücke unterteilt. In einem offenen Brief bat ich den Stadtrat im Mai um Auskunft, ob die Option mit Tragsäulen im Rhein in Betracht gezogen wurde und ob der Stadtrat seit der verlorenen Abstimmung eine in Umfang und Ambition reduzierte Version des Rheinstegs mit tieferen Kosten geprüft hat.
Der Stadtrat hat meine Anfrage nun schriftlich beantwortet. In seinem Brief vom 23. August räumt er ein, dass eine zusätzliche Abstützung im Flussbett möglich wäre. Diese Abstützung würde gemäss alten Aussagen des Elektrizitätswerks aber zu einer Minderung der Stromproduktion führen und dessen Zustimmung sei daher unsicher. Zudem wären die Subventionen von Drittstellen nun bereits verfallen, und man wisse nicht, ob Badisch-Rheinfelden bereit wäre, das Vorhaben erneut anzugehen. Aufgrund der Ablehnung an der Urne gäbe es aktuell keine politische Legitimation für ein neues Projekt.
Wir danken dem Stadtrat für die Antwort. Anders als dieser sind wir jedoch der Ansicht, dass die Möglichkeit einer günstigeren Brücke tiefgehend geprüft werden sollte. Denn es war nicht der Rheinsteg als solcher, welchem vor zwei Jahren die Legitimation fehlte – der Grund für die Ablehnung an der Urne waren die aus dem Ruder gelaufenen Kosten. Aufgrund des nach wie vor grossen Interesses vieler Einwohnerinnen und Einwohner und in Anbetracht der bisherigen Planungsausgaben von rund 1 Million Franken wünschen wir uns daher rasche fundierte Abklärungen über den Einfluss einer zusätzlichen Abstützung im Rhein auf die Gesamtkosten des Projektes. Dazu soll auch der Kontakt mit dem Elektrizitätswerk wieder aufgenommen werden. Als erster kleiner Schritt könnte der genannte schlesische Ingenieur zu einem Augenschein in die Schweiz eingeladen werden oder eine Rheinfelder Delegation könnte die attraktive schlesische Brücke besichtigen. Wir sind bereit, uns – zum Beispiel zusammen mit der IG Pro Steg – diesbezüglich zu engagieren.

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