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Lukas Rüetschi eidg. dipl. Vermögensverwalter
Hauptstrasse 43, 5070 Frick
www.ruetschi-ag.ch

Ölaktien völlig aus der Mode
Die Börsenbewertungen der grossen Ölkonzerne wie Royal Dutch Shell, Exxon, BP oder Total sind völlig im Keller. Die Aktien sind sehr günstig zu haben, stossen aber auf wenig Interesse. Sind das Vorzeichen, dass Öl in Zukunft keine Rolle mehr spielt oder die Firmen in Zukunft keine Gewinne mehr schreiben? Unbestritten hat Corona zu einem nachlassenden Ölverbrauch geführt. Nicht nur die Luftfahrtindustrie braucht aktuell weniger Energie und oftmals reagieren einige Produzenten auf sinkende Preise mit einer gesteigerten Produktion, um Ausfälle teilweise zu kompensieren, was zusätzlich eine Negativ-spirale auslösen kann. Ich persönlich glaube, dass Öl noch länger eine sehr wichtige Rolle spielen wird. Natürlich werden die Sparbemühungen und die Umstellung auf Strom in einigen Bereichen die Nachfrage nach Öl schmälern. Aber woher soll der ganze Strom kommen, wenn in 10 – 20 Jahre fast alle Atomkraftwerke auf dieser Welt an ihre Altersgrenze kommen? Es wird noch sehr lange einen Energiemix brauchen und fossile Brennstoffe werden uns noch mehrere Generationen begleiten, ob wir das wollen oder nicht. Ein anderer Grund für den Preiszerfall der Aktien könnte sein, dass man aktuell vor allem auf Wachstumsaktien mit Phantasie (vor allem im Technologie- und Pharmabereich) setzt. Da ist ein Ölkonzern doch einfach langweilig und wird abgestossen. Dass aber gerade «langweilige» Firmen längerfristig interessant sind, wird dann oft vergessen. Persönlich bin ich überzeugt, dass Energie auch in Zukunft ein sehr wichtiges Thema bleibt und der Markt im Moment Einstiegs- oder Aufstockungschancen bietet. Dafür braucht es eine längere Durchhaltefähigkeit.

Value Aktien kommen nicht vom Fleck
Die Börsen boomen trotz Corona. Die unendliche Liquidität, welche die Zentralbanken geschaffen haben, führt zu einem Anlagenotstand. Sehr viele Aktien haben ihre Verluste vom März schon längstens wieder wettgemacht. Über Jahrzehnte war der Value-Ansatz (in Schwächephasen günstige unterbewertete Aktien zu kaufen und zu halten) allen anderen Anlageansätzen mit temporären Unterbrüchen immer wieder überlegen. Nun kommen viele dieser Aktien (auch wie oben beschriebenen Ölfirmen) nicht vom Fleck und sind verhältnismässig günstig bewertet. Ist dieses Mal alles ganz anders? Setzt sich eine Momentum- oder Wachstumsstrategie definitiv durch und verändert sich die Firmenlandschaft total? Ich persönlich zweifle sehr stark daran. Die überwunden geglaubte Schwerkraft ist immer wieder zurückgekommen und Bewertungsphantasien können sich sehr, sehr schnell wieder in Luft auflösen. Im Moment halte ich mich immer mehr an bodenständige, «langweilige» und vernünftig bewertete Aktien. Die unendliche Phantasie überlasse ich gerne anderen.

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Christoph Zehnder,  eidg. dipl. Vermögensverwalter
Hauptstrasse 43, 5070 Frick
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Flashback an DotCom-Bubble-Zeiten
Aktuell fühle ich mich an die wildesten Zeiten der DotCom-Bubble um die Jahrtausendwende erinnert. Nicht die Gewinne zählen, nicht die Umsätze, nicht plausible Aussichten und Geschäftspläne, sondern nur die Story. Zum xten Mal kommt eine Schlagzeile, dass eine Firma Fortschritte mit Corona-Impfstoffen gemacht hätte, und treffsicher steigt der Gesamtmarkt zu neuen Allzeithöchstständen und der Aktienkurs der betreffenden Firma explodiert.

Nochmals Tesla…
Es muss aber nicht unbedingt Corona sein, es gibt auch andere Storys, die die Story-Tellers explodieren lassen. Ich habe im letzten Ratgeber die Firma Tesla erwähnt, die erstmals die Kapitalisierung von 300 Milliarden USD übertraf. Fünf Wochen später und die Kapitalisierung steht bereits bei über 400 Milliarden. Was sind die News? Zu den Geschäftsaussichten gibt es keine nennenswerten Neuigkeiten. Was allerdings bekannt wurde, ist, dass die Aktie einen 5:1-Split vornimmt und der psychologisch teure Preis von aktuell rund 2100 USD pro Aktie wieder runterfällt auf 420 USD. Dass solche finanztechnischen Neuigkeiten, welche auf den Firmenwert null Einfluss haben, den Aktien­preis so stark steigen lassen, erinnert mich stark zurück an die Jahrtausendwende mit den damaligen Übertreibungen der NewMarkets und DotCom-Titeln. Die damalige Party hat vielen Anlegern im Nachgang massive Kopfschmerzen gemacht.

… oder Apple
Wir können auch Apple anschauen. Vor zwei Jahren war Apple die erste kotierte Firma, die eine Marktkapitalisierung von USD 1000 Milliarden übersteigen konnte. Letzte Woche nun wurde bereits die Marke von 2000 Milliarden geknackt und aktuell stehen wir nochmals lumpige 164 Milliarden innert weniger Tage höher (was betragsmässig etwa drei Viertel von Novartis entspricht!). Haben sich die Umsätze und Gewinne in dieser Zeit ebenfalls verdoppelt? Von Verdoppelung keine Spur, nicht mal ein richtiger Anstieg. Von 2018 auf 2019 sanken gar Umsatz und Gewinn, die Erwartungen für dieses Jahr sind immerhin wieder etwas höher. Im Vergleich zum Rekordjahr 2018 wird bis 2020 ein Wachstum im einstelligen Pro­zentbereich erwartet. Rechtfertigt das eine Verdoppelung des Aktienpreises ab bereits damals notierten Höchstständen? Übrigens auch Apple nimmt einen Aktiensplit vor...

Tages- oder Jahresveränderungen?
Letzten Mittwoch hat Facebook um +8% zugelegt, es gab keine Firmennews. Ebenfalls letzten Mittwoch hat Netflix um +11% zugelegt, Neuigkeiten zur Firma ebenfalls Fehlanzeige. Waren das Gegenbewegungen zu übertriebenen Kurseinbrüchen davor? Im Gegenteil, bereits davor standen diese Aktien auf oder in der Nähe von ihren Höchstständen.

The trend is your friend until it bends
Dass in jedem Umfeld einzelne Titel massiv zulegen können, ist nichts Neues. Dass aber trotz des durch die Lockdown-Massnahmen ausgelösten Rückgangs der Realwirtschaft auch der Gesamtmarkt sich so stark zeigt (in den USA hat nicht nur der Technologie-Index Nasdaq, sondern auch der marktbreitere SP500 neue Allzeithöchststände erreicht), ist schon sehr erstaunlich. Der Trend ist dein Freund, bis er bricht. Dieses Börsen-Sprichwort hat, gerade wenn der Trend so stark und langanhaltend ist wie derzeit, Hochkonjunktur. Niemand weiss, wie lange der Trend noch weitergeht. In der Vergangenheit hat dies immer mit einem grösseren Kater für unvorsichtige Anleger geendet. Es bleibt die uralte Frage: Wird es diesmal anders sein?

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Christoph Zehnder,  eidg. dipl. Vermögensverwalter
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Teslas beeindruckende Produkte
Im Rahmen eines Geschäftsausflugs zum Tesla Store in Möhlin konnte ich vor ein paar Jahren das damals neue Tesla Modell Probe fahren. Das war ein beeindruckendes Erlebnis, zum einen die unglaubliche Power, zum anderen v.a. auch die enormen technischen Möglichkeiten, insbesondere, was die Fahrerassistenzsysteme angeht. Damals war der Preis für den breiten Markt allerdings um einiges zu hoch, tiefere Preise wurden in Aussicht gestellt.

Teuerster Autohersteller der Welt…
Schnellvorlauf zu heute: Ich habe gestern einen interessanten Kurzabriss zu Tesla von Vitaliy Katsenelson, einem bekannten Value-Investor, in mein Mail bekommen, aus dem ich hier teilweise zitiere. Teslas Marktkapitalisierung hat gerade USD 300 Milliarden übertroffen. Tesla ist damit der (finanziell) grösste Autobauer der Welt, sogar deutlich grösser als Toyota mit ca. USD 200 Milliarden. Tesla produziert allerdings nur etwa 400 000 Autos pro Jahr (Tendenz stark steigend), während Toyota in 2019 fast 19 Mio. Autos produzierte.

… ist als Junk gerated
Während die Marktbewertung von Tesla in Richtung Mond schiesst, bleibt das Schuldenrating bei Junk (Toyota steht bei A+, GM ist BBB). Der grösste Autohersteller der Welt ist Junk-gerated! Alleine das zeigt auf, dass die Bandbreite der möglichen Zukunftsszenarien sehr gross ist und der Aktienmarkt sich für das super-super-positive Szenario entschieden hat.

Potenzial für höhere Margen
Natürlich ist es so, dass Tesla viel mehr Kosten in-house hat und eher ein Tech-Konzern ist als ein Autohersteller. Bullen würden wohl sogar argumentieren, dass alleine das Potenzial zum Selbstfahren Teslas Margen in die Höhe treiben wird.

Hoher Kapitalbedarf…
Als Hersteller von 400 000 Autos pro Jahr hin zu vielen Millionen Fahrzeugen zu gelangen, ist andererseits weder eine leichte noch eine billige Reise. Auch Tesla kann der Realität nicht entkommen, dass es auch viel «Metall biegen» muss, um seine Elektroautos zu produzieren.
Tesla wird enorme Mengen an Kapital brauchen, um seine Produktion vervielfachen zu können. Bereits um weniger als eine halbe Million Autos zu produzieren, wie es heute der Fall ist, brauchte Tesla USD 25 Milliarden Investitionen in seine Sachanlagen.

… und Zeitbedarf
Und dann ist alles auch eine Frage der Zeit. Tesla ist bei etwa 90 000 Autos in den letzten acht Quartalen stecken geblieben. Corona war höchstens die letzten zwei Quartale der Schuldige. Der Weg hin zu selbst nur ein paar Millionen Fahrzeugen pro Jahr wird Zeit brauchen – viel Zeit.

Bewertung nimmt sehr viel positive Zukunft vorweg
Tesla ist heute knapp bei BreakEven, macht also keine grossen Gewinne und wird nicht dutzende, sondern hunderte von Milliarden Dollar brauchen, um seine Produktion genug steigern zu können, um in seine heutige Bewertung reinwachsen zu können. Da ist der heute bekanntgegebene Gewinn von etwas über 100 Mio. fürs zweite Quartal immerhin positiv, bleibt aber ein Klacks im Vergleich zum Kapitalbedarf und auch der Bewertung der Tesla-Aktien.

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Christoph Zehnder,  eidg. dipl. Vermögensverwalter
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Die Bullen kämpfen mit den Bären

Am Montag, 15. Juni, standen die US-Aktienmärkte vorbörslich bei -3%. Bis zum Closing drehten sie ins Plus von +0.8%. Am Dienstagmorgen standen sie vorbörslich weitere +3.0% im Plus. Mit anderen Worten haben sie in 24 Stunden um über +6.5% zugelegt. In den Tagen zuvor waren sie allerdings auch unter Druck gekommen.

So starke Bewegungen gibt es nicht oft, v.a. wenn kaum Neuigkeiten vorliegen (die meist wenigstens im Nachhinein als Begründung herhalten dürfen). Nicht nur einzelne Investoren scheinen offenbar Mühe zu haben, den aktuell plausiblen Kurs einzuschätzen, selbst der Markt en bloc weiss offenbar nicht mehr, was denn der «richtige» Kurs sein soll.

Gewinne und Aktienkurs

Dass Tagesschwankungen nicht vorhergesehen werden können, ist nichts Neues. Etwas besser ist die Trefferquote, wenn man versucht, die längerfristigen Bewegungen an den Aktienmärkten mit der Entwicklung der Realwirtschaft zu erklären. Das ist auch nicht erstaunlich, denn Aktienbesitz bedeutet, dass man einen Teil einer Firma besitzt und eine Firma ist deshalb etwas wert, weil sie Gewinne erzielt, welche wiederum dem Eigentümer gehören. Wenn also langfristig die Gewinne steigen, steigt auch der Wert der Firma. Vergleiche über Jahrzehnte zeigen denn auch, dass die Gewinne langfristig ähnlich stark steigen wie der Kurs des Gesamtmarkts.

Finanzmärkte lösen sich von Realwirtschaft

Diese Relation ist aber in den letzten Jahren aus dem Gleichgewicht geraten. Das Wachstum der Gewinne vermag seit ein paar Jahren nicht mehr mit den starken Kursanstiegen der Aktien mitzuhalten. Viele Marktbeobachter nehmen kein Blatt vor den Mund und sagen, dass die exzessive Geldmengenausweitung der Zentralbanker die Finanzmärkte gefährlich von der Entwicklung der Realwirtschaft losgelöst hat. Fast alle Bewertungsmassstäbe, welche früher als gute Langfristindikatoren getaugt haben, zeigen für den amerikanischen Aktienmarkt ein Ausmass von Überbewertung an, das nur in den extremsten Zeiten vor der Weltwirtschaftskrise oder der Dotcom-Bubble erreicht wurde.

Nehmen wir nur die letzten ein,  zwei Jahre. 2019 haben die meisten Aktienindices 25-30% zugelegt, während die Gewinne praktisch unverändert waren. 2020 dürfte angesichts des temporären Corona-Lockdowns ein klarer Rückgang der Gewinne zur Folge haben. Der amerikanische Aktienindex SP500 hat aber alle Verluste seit Anfang Jahr wieder wettgemacht und steht praktisch unverändert da. Die technologielastige Nasdaq steht sogar auf Allzeithöchst.

Die Marktstrategen erwarten, dass selbst ohne zweite Coronawelle (welche nicht ausgeschlossen ist) das Wirtschaftswachstum im 2021 die Delle im 2020 kaum vollumfänglich wird ausbügeln können. Mit anderen Worten dürfte die Wirtschaft insgesamt Ende 2021 noch nicht einmal ganz dort stehen, wo sie zwei Jahre davor Ende 2019 stand. Wo werden dann die Aktienmärkte stehen? Nochmals 30% höher? Oder kommt eine zweite Verkaufswelle? Wir bleiben vorsichtig.

 

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Lukas Rüetschi eidg. dipl. Vermögensverwalter
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Alles halb so schlimm? Finanzmärkte sind (zu?) optimistisch
Wenn man die Aktienmärkte anschaut, kommt man zum Schluss, dass die Coronakrise und auch die Unruhen in den USA kaum einen Einfluss auf die Firmengewinne und somit auf die Aktienpreise haben. Die amerikanischen Märkte sind nur noch wenige Prozente unter ihrem Allzeithöchststand. Auch andere Märkte sind bereits wieder euphorisch. Zeigt das die zukünftige Situation, sprich eine sehr rasche Erholung oder kann der starke Anstieg durch die nochmals stark ausgeweitete Liquiditätsflut erklärt werden? Sicherlich war der Einbruch in den Aktienpreisen schnell und sehr stark. Eine grös-
sere Gegenkorrektur kann mit einer Normalisierung der Lage erklärt werden. Darüber hinaus gibt es aber riesige Fragezeichen. Es scheint, dass sich die Finanzmärkte immer mehr von der Realwirtschaft verabschiedet haben. Wenn nur noch Liquidität den Wert bestimmt, dann kommen spezielle Zeiten auf uns zu.

Eigener Verstand und Selbstverantwortung ist ein immer weniger gefragtes Gut
Seit langer Zeit habe ich das Gefühl, dass die Steuerungs- und Planbarkeitsgläubigkeit massiv überhand gewinnt. Bei jeder Krise ertönt überall sofort der Ruf nach Massnahmen und dem Staat. Die Politik versucht dann umgehend zu reagieren und suggeriert dem Volk, alles sei plan-, finanzier- und steuerbar. Genau diesem Glauben ist man im Kommunismus verfallen und dieser hat aus diversen Gründen und trotz interessanten Grundgedanken totalen Schiffbruch erlitten. Das Eingreifen in alle Details mag in einer extremen Krise kurzfristig nötig sein. Dann sollte aber der Staat wieder dazu übergehen, vernünftige Rahmenbedingungen zu schaffen und nur so wenig wie nötig einzugreifen. Unser Fortschritt der vergangen Jahrzehnte verdanken wir nicht der Planwirtschaft, sondern cleveren Ideen und der Motivation vieler Leute, welche ein Problem lösen möchten und sich weiterentwickeln wollen. Dass ein übertriebener Kapitalismus auch seine «Macken» hat, ist längstens bekannt. Der Umkehrschluss aber, ist wahrscheinlich noch viel weniger richtig. Für mich ist erschreckend, wie man aktuell immer mehr das grosse Bild vergessen hat und jedes Detail zu bestimmen versucht. Das sind für mich längerfristig keine guten Tendenzen.

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Lukas Rüetschi eidg. dipl. Vermögensverwalter
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In wenigen Wochen eine komplett andere Finanzwelt
Manchmal geht es sehr schnell. Obwohl im Verlauf des Februars das Corona-Virus schon bekannt war, eilten die Aktienmärkte von Höchststand zu Höchststand. Natürlich konnte niemand abschätzen und wissen, dass das Virus so schnell und heftig auf den Rest der Welt übersprüngen würden. Trotzdem ein gewisser Einfluss war absehbar. Nun gut 4 Wochen später sprechen gewisse Politiker von der grössten Krise seit dem zweiten Weltkrieg. Der Ölpreis ist implodiert und so tief wie seit über 20 Jahre nicht mehr. Die Aktienmärkte haben über 30 % verloren und auch die Obligationenmärkte werden durchgeschüttelt. Die Zentralbanken intervenieren, als ob man vor dem totalen Kollaps stehen würde. Jetzt kommen auch wieder die Weltuntergangspropheten, welche nur noch schwarz sehen. Auch wenn dieses Virus wahrscheinlich mindestens kurz- und mittelfristig einen grösseren Einfluss hat: Die Welt wird kaum untergehen und konnte schon viele andere Rückschläge bewältigen. Wir werden uns aber noch auf ein paar Wochen Sturm einstellen müssen und ob die Aktienmärkte die alten Höchststände rasch wieder sehen, wage ich zu bezweifeln. Wer gut diversifiziert ist und genügend Liquidität hat, kann und muss eine weitere Krise aussitzen. Eng wird es, wenn man komplett investiert ist oder gar auf Kredit Anlagen getätigt hat.
Einfluss auf den Immobilienmarkt
Die Finanzmärkte werden durchgeschüttelt. Hat das auch einen Einfluss auf die Immobilienmärkte? Im Moment kann das noch niemand genau sagen. In erster Linie wurden liquide Anlagen verkauft, welche rasch zu flüssigen Mitteln gemacht werden konnten. Wenn die Krise noch mehrere Monate anhalten würde, dann wird das sicher auch Spuren am Immobilienmarkt hinterlassen. Im Moment wird der Markt wahrscheinlich sehr ruhig, da die meisten Interessenten andere Probleme haben und mal vorerst abwarten. Das ist im Moment aber alles reine Spekulation, da niemand der Verlauf der Krise wirklich kennt. In 2, 3 Monaten kann man die Situation wahrscheinlich besser beurteilen.
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Lukas Rüetschi eidg. dipl. Vermögensverwalter
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Gibt es noch günstige Aktien?
Mit kleineren Unterbrüchen geht es seit der Finanzkrise im 2008 an den Aktienmärkten aufwärts und aufwärts. Gibt es in einem solchen Umfeld noch «Schnäppchen»? Jein! Neben ein paar dritt- und viertklassigen Aktien, welche mehr Spekulationscharakter haben und kaum empfohlen werden können, gibt es kaum mehr wirklich günstig bewertete Aktien. Günstig allein ist auch kein Qualitätsmerkmal und in solchen Börsenphasen muss man solche Titel sehr kritisch hinterfragen. Aktuell scheinen Schweizer Banken recht vernünftig bewertet zu sein. Leider hat der Bonusexzess immer noch kein Ende gefunden und auch die Bussenflut konnte (noch) nicht nachhaltig gestoppt werden. Ich kann mir gut vorstellen, dass bei klaren und ehrlichen Signalen der Banken ein Umdenken bei den Anlegern möglich ist. Der Vertrauensverlust wiegt aber immer noch schwer. Aus meiner Sicht relativ vernünftig bewertet sind Goldminen- und Oelaktien. Die höheren Goldpreise sollten sich in den Gewinnen der Goldförderer mittelfristig bemerkbar machen. Auch viele Ölaktien sind wegen des Preiseinbruches von Rohöl unter Druck. Auch wenn vieles in der Energiepolitik in eine andere Richtung läuft: die Welt wird in den nächsten 30 bis 40 Jahre weiterhin stark von Erdöl abhängig bleiben und die Ölpreise langfristig kaum massiv fallen.

Überseefrachtpreise implodieren
Seit ein paar Wochen sinken die Überseefrachtpreise stark. Hier spielt der Corona-Virus kurzfristig eine grössere Rolle. Wird nicht produziert, wird auch viel weniger geliefert respektive es braucht weniger Transporte. Da die Transportkapazitäten in den letzten 15 Jahren aber massiv ausgebaut wurden, schlägt das dramatisch auf den Preis. Der viel beachtete Baltic Dry Index, welcher Frachtpreise misst, hat im noch jungen Jahr 2020 schon rund 60 % verloren. Ich möchte das nicht überbewerten. Trotzdem bin ich überzeugt, dass dieser eingeschränkte Handel Spuren in mancher Firmenerfolgsrechnung hinterlassen wird. Diese Spuren werden kaum positiv sein. Die Aktienmärkte schauen hier schon wieder darüber hinweg und machen weiter, als ob alles keine Rolle spielt. Solche Reaktionen zeigen einen starken Bullenmarkt. Zu grosse Euphorie ist der Anfang vom Ende. Aber Übertreibungen führen lange zu noch grösseren Übertreibungen…

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Christoph Zehnder eidg. dipl. Vermögensverwalter
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Coronavirus – Pandemie?
Zur Zeit des Schreibens ist noch nicht ganz klar, ob es sich beim aktuellen Ausbruch des Coronavirus um eine gefährliche Pandemie oder ein eher lokal beschränktes Phänomen in China handeln wird. Die sehr schnellen Kommentare von Experten - wenige Tage nachdem das Virus erst identifiziert worden war - dass das Virus im Vergleich zum SARS Ausbruch vor 17 Jahren viel weniger gefährlich sei, können zwar immer noch zutreffen, waren aber sicher vorschnell. Die Ausbreitung einzudämmen, scheint trotz rigoroser Massnahmen (verschiedene chinesische Städte, darunter auch Millionen-Städte, wurden unter Quarantäne gestellt), nicht so einfach zu gelingen. Die Fallzahlen bei Todesopfern (per 29.1. 170) und Infizierten (etwas weniger als 8000, ausserhalb China gut 100) steigen täglich. Das neue Coronavirus scheint zwar etwas weniger tödlich zu sein als der damalige SARS Erreger, dafür scheint es bei der Ausbreitung weniger gut gebremst werden zu können. Die offizielle Anzahl der Infizierten hat die Gesamtzahl der damaligen SARS Erkrankten bereits erreicht.
Natürlich stellt sich auch die Frage, wie stark sich das Coronavirus nebst all dem menschlichen Leid auf die Wirtschaft und die Aktienmärkte auswirken könnte. Angesichts der rigorosen Massnahmen, die die Chinesen als notwendig erachten, ist es erstaunlich, dass die Börsen nicht stärker reagiert haben. Schulen, Büros und Fabriken wurden geschlossen, Grossanlässe abgesagt, Millionenstädte abgeriegelt. Für eine Abschätzung der wirtschaftlichen Folgen ist es zu früh: Bleiben solche Massnahmen auf China bzw. chinesische Gruppen eingeschränkt oder werden solche Massnahmen auch andernorts eingeführt? Bleiben sie ein paar Wochen oder Monate in Kraft? Die Aktienbörsen haben sich zwar zwei, drei Prozent von den Höchstständen gelöst, was aber bei der aktuell sehr hohen Bewertung eigentlich ein Klacks ist. Die vergangene Woche, Dienstag und Mittwoch, war bereits eine Gegenbewegung mit Kursgewinnen von über 1% im Gang. Etwas stärker unter Druck kam der Erdölpreis oder auch Aktien mit Exposure zum Tourismus- und Transportbereich. Wir bleiben für den Gesamtmarkt die kommenden Monate vorsichtig – nicht primär wegen dem Coronavirus, aber positiv ist er auch für die Wirtschaft und Börse nicht.
Leonteq
Im Ratgeber Ende November habe ich risikofreudigen Anlegern Leonteq empfohlen. Wer zum damaligen Kurs von rund 30 Franken eingestiegen ist, hat bereits einen schönen Buchgewinn eingefahren. Der Kurs ist kurzfristig über 36 Franken gestiegen und hat jetzt infolge der Corona-Verkäufe auf etwa 35 Franken nachgegeben. Leonteq hat als Anbieter von strukturierten Produkten keine einfache Zeit. Die extrem günstige Bewertung nimmt aber einen recht starken Gewinnrückgang vorweg. Wir würden weiterhin dabeibleiben.

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