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Dr. Monika Mayer Apothekerin
Vinzenz Apotheke, Rössliweg 13, 5074 Eiken
www.vinzenz-apotheke.ch

Ratgeberreihe Kinder: Impfungen 1
Wir haben in diese Reihe viel über Kinder und die klassischen Kinderkrankheiten geschrieben und auch jeweils darauf hingewiesen, dass es Impfungen gibt. In diesem Ratgeber möchten wir allgemein über Impfungen informieren.
Es gibt erstaunlicherweise kaum moderate Meinungen dazu, entweder sind Impfungen nur segensreich oder nur ganz schlecht. Diese Art das Ganze zu verherrlichen oder zu verteufeln scheint mir im Kontext: «was mache Ich mit meinem Kind» nicht hilfreich. Darum hier der Versuch das Thema auch aus Sicht von mehreren Müttern zu beleuchten. Weitere Informationen finden sich zuhauf im Internet:
• der schweizerische Impfplan mit den jährlich überarbeiteten neuen Empfehlungen und Antworten auf häufig gestellte Fragen zu Impfungen
• BAG: Argumentarium Kinder Impfen? Ja? Wieso?
• Wikipedia: Impfungen
• Impfgegner: Es ist schwierig seriöse Artikel zu finden, Naturheilmagazin oder Erlebnisberichte von Einzelnen wie orange.handelsblatt.com/artikel/58047

Was ist eine Impfung (lateinisch Vakzination oder Vakzinierung) und wie funktioniert sie?
Ursprünglich wurde mit den Kuhpockenmaterial Menschen vor der Erkrankung der Pocken geschützt. (Der Name kommt daher lateinisch Vacca = Kuh). Man unterscheidet eine Aktiv- und Passiv-Impfung. Bei letzterer werden bereits fertige Antikörper gegeben, die sofort gegen die Erreger aktiv werden. Bei der ersten wird das Immunsystem befähigt, sich auf eine allfällige Erkrankung vorzubereiten und bildet die ganze Palette an Antworten auf die Infektion, u.a. Antikörper. Damit resultiert keine oder eine abgeschwächte Infektionskrankheit. Bei der Aktiv-Impfung werden noch Lebendimpfstoffe von Totimpfstoffen unterschieden. Zu den letzteren zählen auch die Toxoid-Impfstoffe.
Lebendimpfstoffe enthalten abgeschwächte, noch vermehrungsfähige Erreger, die die Krankheit bei einem Gesunden nicht auslösen. Totimpfstoffe enthalten abgetötete Erreger oder Bruchstücke davon. Der Körper bildet gegen die Eindringlinge (es handelt sich dabei um Proteine und/oder Zucker-Moleküle) eine Reihe von Massnahmen, die sehr komplex sind. Für den zukünftigen Schutz bildet er langlebige «Gedächtniszellen», die ebenfalls komplexe Reaktionen auslösen. Es werden spezifische Antikörper produziert und diverse Zellen, die Erreger abtöten.
Die passive Impfung ist im eigentlichen Sinne keine Impfung, sondern ein schnell einsetzender Schutz. Er hält nur wenige Wochen an. Danach sind die Antikörper abgebaut. Eine natürliche Art davon ist die Mutter-Kind-Immunisierung. Auch sie erlischt spätestens nach dem Aufhören des Stillens.

Anwendungsart:
Normalerweise werden die Impfungen gespritzt. In der Regel in den Oberarm oder Oberschenkel. Es gibt auch andere Möglichkeiten: Bekannt ist die Schluckimpfung.
Noch im Versuchsstadium befinden sich die Varianten: über die Haut als Pflaster oder über die Nasenschleimhaut als Spray.

Wirksamkeit:
Keine Impfung kann 100% vor der jeweiligen Erkrankung schützen. Sie senken aber nachweislich die Erkrankungswahrscheinlichkeit. Dafür gibt es umfangreiche Studien, die von den jeweiligen staatlichen Stellen bestätigt werden. Auch nach der erfolgreichen Grundimmunisierung müssen für die langfristige Erhaltung der Immunität regelmässige Auffrisch-Impfungen erfolgen. Diese erfolgen je nach Anwendungsbeobachtungen einzelner Impfstoffe und der Beobachtung der Antikörpertiter nach Impfung bzw. nach einer durchgemachten Erkrankung. So konnte bei gegen Pocken geimpften Personen noch nach bis zu 88 Jahren nach der Impfung die Immunität nachgewiesen werden. Sie war vergleichbar mit einer überstandenen Erkrankung. Manche Impfungen mildern nur den Krankheitsverlauf, andere müssen jährlich verabreicht werden (Grippe-Impfungen). Erschwerend (für die Immunisierung) kommt dabei noch der Variantenreichtum der Erreger dazu. Ihr Hausarzt oder Ihre Apotheke kann nach Durchsicht Ihrer Impfunterlagen kompetente Angaben zu Ihrem Impfstatus machen!

Abschwächung der Wirksamkeit durch Wechselwirkung mit Schmerzmitteln:
Man vermutet, dass gleichzeitig eingesetzte Schmerzmittel die Wirksamkeit der Impfung vermindern können. Der Grund dafür liegt in der fiebersenkenden und entzündungshemmenden Wirkung. Man weiss, dass der Körper diese Mechanismen als Waffe gegen die Erreger braucht! Es sollte also, wenn möglich, auf die gleichzeitige Anwendung verzichtet werden.
Weitere Informationen erfolgen im nächsten Ratgeber.

Lassen Sie sich von uns beraten: vinzenz apotheke – eine quelle der gesundheit

Dr. Monika Mayer Apothekerin
Vinzenz Apotheke, Rössliweg 13, 5074 Eiken
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Ratgeberreihe Kinder: Kinderkrankheiten 9 – Mumps
Mumps wird lateinisch als Parotitis epidemica bezeichnet = eine anfallsweise häufig auftretende Ohrspeicheldrüsen-Entzündung. Umgangssprachlich heisst sie Ziegenpeter, wahrscheinlich, weil der Gesichtsausdruck mit den geschwollenen Drüsen etwas «dümmlich» wirkt und scheinbar können Ziegen eine ähnlich «aussehende» Erkrankung haben. Durch die lebenslange Immunität nach der überstandenen Erkrankung zählt sie zu den klassischen Kinderkrankheiten. In der Schweiz ist sie im Gegensatz zu Deutschland nicht meldepflichtig. Die Erkrankung ist in der Regel unproblematisch. Einige Komplikationen sind so unerfreulich, dass eine Vorbeugung sinnvoll ist. Und je älter die Erkrankten sind, desto schwerer kann der Verlauf werden.

Ursache:
Der Auslöser ist ein nur den Menschen befallendes Virus der Gattung Rubula, das zu den Paramyxoviriden gehört. Unterschiedliche Genotypen kommen geographisch gehäuft vor. Der Genotyp G nimmt weltweit zu.

Symptome:
Nach einer Inkubationszeit von ca. 12 bis 25 Tagen treten klassischerweise Fieber und eine ein- oder doppelseitige entzündliche Schwellung der Ohrspeicheldrüse auf.
Der Patient zeigt die typischen «Hamsterbacken» mit abstehendem Ohrläppchen. Die Ohren schmerzen und Kauen wird zur Qual (weiche und säurearme Nahrung bevorzugen). Auch andere Drüsen können mit einer Entzündung reagieren wie z.B. die Bauchspeicheldrüse mit Oberbauchbeschwerden bis zu Erbrechen und fetthaltigen Stühlen. Durch die grosse Variabilität der Beschwerden (auch nur grippeartige oder respiratorische Symptome) verläuft die Erkrankung meist unbemerkt.

Komplikationen:
– Hirnhautentzündung ist bei Kindern die häufigste Komplikation. Sie ist u.a. erkennbar an der schmerzhaften Nackensteifigkeit, Lichtscheue, Kopf- und Nackenschmerzen. Sie tritt bereits eine Woche vor oder bis zu drei Wochen nach Beginn der Erkrankung auf.
– Ertaubung: Bei 1:10 000 Infektionen kann eine meist vorübergehende Innenohrschwerhörigkeit auftreten, entweder ein- oder auch beidseitig.
– Hodenentzündung: bei 30 % der Fälle bei Jungen und Männern sind auch die Hoden betroffen. Die Entzündung beginnt am Ende der ersten Krankheitswoche mit erneutem Fieberanstieg und einer schmerzhaften Schwellung. Im schlimmsten Fall bleibt eine Unfruchtbarkeit als Spätschaden. Andere Drüsen, wie oben erwähnt (Bauchspeicheldrüse, Eierstöcke, Schilddrüse), können ebenfalls betroffen werden.

Therapie:
Es gibt keine spezifische antivirale Behandlung. Während des üblichen Verlaufs werden die Symptome gelindert: (kühlende) Wickel, nötigenfalls Fiebersenkung und Schmerzbehandlung. Der Arzt kann allenfalls eine Therapie mit Cortison durchführen.

Dauer der Ansteckfähigkeit, Isolierung:
Die Erkrankten können bereits drei bis fünf, max. sieben Tage vor Ausbruch andere anstecken. Dies hält bis in die frühe Rekonvaleszenz an. Längstens neun Tage nach dem Ausbruch können die Erkrankten wieder in die Schule/den Kindergarten etc. Bei recht vielen Patienten verläuft die Erkrankung unbemerkt (30 bis 40%). Sie sind aber ebenfalls in der Lage, über Tröpfchen-Infektion andere anzustecken. Daher ist eine Vorbeugung = Impfung wirklich ein Schutz. Nicht zuletzt auch für jene, die selbst eine Impfung aufgrund ihrer Immunsituation nicht vertragen. Ist die Impfquote in ihrem Umfeld nämlich hoch, sinkt das Risiko, dass sie sich anstecken können.

Vorbeugung:
Es gibt nur eine Kombinations-Impfung, die gleichzeitig auch vor Masern und Röteln schützt (und eine weitere, die zusätzlich noch vor Windpocken schützt). Geimpft werden neu seit 2019 alle Säuglinge: das erste Mal mit neun Monaten und zwingend für einen guten Schutz das zweite Mal mit zwölf Monaten. Der Mindestabstand muss ein Monat sein.
Es gab zwei grössere Mumps-Epidemien in der Schweiz: 1994/1995 sowie 1999/2000 durch die damalige Verwendung des zu schwachen Impfstoffes.

Korrektur zum letzten Ratgeber:
Im letzten Ratgeber habe ich geschrieben, dass zur Behandlung der Symptome der Windpocken auch Präparate mit dem Wirkstoff Ibuprofen eingesetzt werden können. Das wird nach heutigem Wissensstand nicht mehr empfohlen! Die auslösenden Viren können ausnahmsweise Verursacher schwerwiegender Komplikationen von Haut- und Weichteilinfektionen sein. Eine Mitwirkung von z.B. Ibuprofen an der Verschlechterung dieser Infektionen kann nicht ausgeschlossen werden. Während einer Windpockeninfektion sollte daher die Anwendung von Ibuprofen-haltigen Präparaten wie zum Beispiel Algifor Dolo Junior Suspension, Beutel Tabletten etc. vermieden werden.

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