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Laufenburg: "Vom Doppelstrom-Hippie zum Mundart-Folkie" - Der Musiker Gabriel Kramer steht seit 30 Jahren auf der Bühne

Laufenburg: "Vom Doppelstrom-Hippie zum Mundart-Folkie" - Der Musiker Gabriel Kramer steht seit 30 Jahren auf der Bühne

Aus der hiesigen Kulturszene ist er kaum mehr wegzudenken. Er tritt in mehreren Formationen auf und steht seit gut drei Jahrzehnten auf der Bühne. Grund genug für den Laufenburger Gabriel Kramer dieses 30-jährige Bühnenjubiläum im nächsten Jahr zu feiern. Zum Auftakt gibt es im Januar Auftritte in der Laufenburger Kultschüür.

ANDREA WORTHMANN

Seine erste Band habe er schon als 5-Jähriger gehabt, erzählt Gabriel Kramer und schmunzelt ein wenig. Das könne man natürlich nicht mitzählen. Heute ist der 47-jährige Laufenburger ein gut gebuchter Musiker, der gleich in mehreren Formationen erfolgreich ist – im kommenden Jahr steht er 30 Jahre lang auf der Bühne. Dabei war er, so sagt er selber, in der Schule beim Singen nicht besonders gut. In der Oberstufe sogar eher schlecht, auch weil es die Zeit des Stimmbruchs war. Kramers Berufswunsch damals: «Irgendwas mit Zeichnen». Deshalb war sein Abschlussfach der Bezirksschule auch Zeichnen; zu der Zeit eine grössere Stärke als Musik und Gesang. Trotzdem: Seine erste Band gründete er mit 14 Jahren und schrieb auch erste Lieder. Damals spielte er die Mundharmonika zur Gitarre, die «Schnorregyge» wie er sagt. Nach der Schule machte Kramer eine Lehre als Maschinenzeichner. Sein Wunsch, Die Schule für Gestaltung zu besuchen, wurde nach hinten verschoben. Seine Eltern waren der Meinung, er solle erstmal etwas Vernünftiges machen. «Der Gedanke, mit einer Band auf der Bühne zu stehen, war eigentlich immer present», sagt Kramer. Er hatte als Kind Flötenunterricht, später dann – das war sein Wunsch – lernte er auch Gitarre, sogar klassische. Das Notenlesen und das Spielen nach Noten machte ihm allerdings Mühe. Sein Gitarrenlehrer erkannte das und zeigt ihm, wie man nach Gehör spielt und wie man improvisiert. «Ab dem Moment sind bei mir alle Knöpfe aufgegangen und ich habe täglich mehrere Stunden freiwillig geübt und gespielt.» Kramer ist sich sicher, dass nicht viele Lehrer das gemacht hätten.
Talent zum Spielen von mehreren Instrumenten gleichzeitig
Zur Gitarre gesellten sich noch andere Instrumente wie Banjo, Mandoline, Bass und Fuss-Percussion und so zeigte sich auch sein Talent zum Spielen von mehreren Instrumenten gleichzeitig. Als Kramer dann 18 Jahre alt war, sollte sich sein Bühnentraum erfüllen. Mit seiner Band «Einstein» stand er in einem Kirchsaal des Pfarreizentrums in Reinach BL auf der Bühne.
Damals als Gitarrist und Backgrounsänger. Ausserdem schrieb er die Songs. Die Band bestand zu der Zeit aus sechs Mitgliedern. Mit der Zeit seien diese aber zu einem Trio geschrumpft, erzählt der Musiker. Es gab mehrere Wechsel in der Zusammensetzung und das war auch die Zeit, in der man merkte, wer es ernst meinte und wer nicht. Für Kramer stand fest: «Ich mache das jetzt als Beruf». Lange Zeit hatte er noch die Idee, halb von der Musik und halb vom Zeichnen zu leben, schliesslich hatte er den Vorkurs an der Schule für Gestaltung dann doch noch gemacht. Er blieb bei der Musik. Mit 24 Jahren hatte Kramer dann zum letzten Mal eine Anstellung, einen «Brötlijob», bei dem er jemandem unterstellt war, einen Chef hatte.
Viele Musikprojekte und endlich schwarze Zahlen
Danach folgte eine Zeit, in der Sparen angesagt war. Er lebte in einer Wohngemeinschaft in Kaisten und steckte seine ganze Energie in den Beruf als Musiker. Er probierte viel aus , war bei rund zehn verschiedenen Musikprojekten gleichzeitig dabei, spielte Theater und machte mittelalterliche Musik. Es ging langsam, aber stetig aufwärts mit den Engagements und Bühnenauftritten. Kramer sang in Bild 3Mundart, aber auch oft in Hochdeutsch, manchmal sogar in Englisch oder Französisch. «Ab dem dritten Jahr habe ich schwarze Zahlen geschrieben», sagt Kramer «Man hat von Anfang an schon gesehen, dass es etwas werden könnte, und ab dem Zeitpunkt war dann klar, dass es funktioniert.» Heute hat er sich ganz und gar als Musiker etabliert und ein anderes Leben könnte er sich kaum noch vorstellen. «Es ist schon mein Ding, etwas zu erfinden und aus dem Nichts etwas zu machen», gibt Kramer zu. Damit meint er vor allem Lieder zu schreiben, Bandkonzepte zu erstellen oder auch Ideen zu generieren- «Das ist schon etwas, was mich sehr reizt». Seine Texte handeln vor allem von Alltagsthemen. Sie sind humorvoll und geprägt vom Schalk im Nacken des Erfinders. Seine Lebenspartnerin Sonja Wunderlin lernte Kramer 2004 kennen. Gemeinsam arbeiteten sie an verschiedenen Musikprojekten. Es entstanden daraus zwei neue Duos und auch ein Trio, welches gute zehn Jahre Bestand hatte. Schliesslich wurden die beiden ein Paar. Damals lebten sie in Lenzburg, zogen dann aber ins Fricktal und kamen nach Laufenburg. Heute sind sie musikalisch bekannt als das Duo «Wunderkram». Aufgewachsen ist Gabriel Kramer in Wil AG. Dort hielt ihn in jungen Jahren jedoch nichts. «Da wäre ich der ewig bunte Hund gewesen», sagt er lachend, «Mittlerweile ist es dort aufgeschlossener, aber damals war es eine relativ kulturfreie Szene.»
Die grösste berufliche Krise ist noch nicht lange her
Nach ein paar Jahren kauften sich Wunderlin und Kramer ein Haus, so dass sie selber bestimmen, konnten, wie sie leben und was sie wie gestalten möchten. Die Freiheit, über das Leben selbst zu bestimmen, ist Gabriel Kramer sehr wichtig. Das zeigte sich vor allem bei Bild 4einer seiner grössten beruflichen Krisen, der Corona-Krise. Und dabei ging es nicht um finanzielle Probleme; Verdienstausfälle wurden vom Bund gut ausgeglichen. Es ging vor allem um das Berufsverbot, um Existenzängste, um Regeln, die ihn in seinem Tun so einschränkten, dass er sich die Frage stellte, ob er gar msatteln müsse, sich etwas anderes überlegen müsse, und wenn ja, was? Für Kulturschaffende, vor allem Musiker, wurden Livestreams zur neuen Normalität und die Digitalisierung wurde vorangetrieben. «Das machte mir echt Angst und ich stellte mir die Frage, ob ich meine Job dann noch cool finde. Und ich hätte Nein gesagt». Ein Tag ist ihm ganz besonders im Gedächtnis geblieben. An einem Freitag den 13. März 2020, bekam er 20 Absagen von Auftritten an einem Abend. «Das war eine ganz schöne Wucht», erinnert sich Kramer. In dieser Zeit bemalte er – als Selbstherapie, wie er sagt, das Pumpenhäuschen und das Silo beim Sennhof in Laufenburg. «Vielleicht wollte ich damit ein bisschen laut winseln», sagt er
und wirkt nachdenklich. Zu Winseln braucht der Musiker und Künstler Gabriel Kramer jetzt nicht mehr. Im nächsten Jahr kann er auf 30 Bühnenjahre zurückblicken. Gefeiert wird das von Januar bis März in der Kultschüür Laufenburg mit Auftritten der Hinterwäldler, der Dampfbühler, Trionettli, WunderKram und speziellen Themenanlässen. Selbstverständlich von und mit Gabriel Kramer.

Bild 1: Mit der Formation "Hinterwäldler" hat Gabriel Kramer (rechts) ein neues Programm
Bild 2: Ein Bild aus alten Zeiten: Gabriel Kramer spielt in seiner früheren Band "Einstein"
Bild 3: Mit seiner Partnerin Sonja Wunderlin (links) spielt er im Duo Wunderkram.
Bild 4: Gabriel Kramer bastelte seinen "Pappkameraden", den "Doppelstrom-Hippie" und früheres Ich von vor 30 Jahren
Fotos: zVg