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Zum Abschluss der Ausstellung «indigo» wurde sinnigerweise Blues gespielt.
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Abschiedsblues am Ende von «indigo»

(af) Am Sonntag, 14. Juni, ist die Ausstellung «indigo» von Viktor Hottinger zu Ende gegangen. Das Trio «BRANDNEW STRINGS» spielte zur «blauen Stunde» Jazzstandards, draussen vor dem Kirchgemeindehaus wurden bei sommerlichen Temperaturen Apero-Häppchen serviert. Er sei froh, nun wieder mehr Freizeit zu haben, sagte der Rheinfelder Kunstmaler zum Schluss, doch er fühle im Herzen auch «indigo», also «Blues».

Während zwei Monaten schufen Mondbilder in dunkelblauen Farbtönen eine friedvoll-geborgene, zuweilen melancholische Stimmung im Kirchenraum. Pianisten – Assel Abilseitova, Lukas Sehr, Rani Orenstein – spielten zu verschiedenen Anlässen Mond- und Abendmusik: Beethovens Mondscheinsonate, «Clair de Lune» von Debussy, «An den Mond» von Schubert, Nocturnes von Chopin und Clara Schumann etc. Einmal fand eine Soirée mit Viktor Hottingers kultigen «N‘AWLINS SIX» statt. Die Sängerinnen und Sänger des Ad-hoc-Chors, der manchmal in Gottesdiensten singt, konnten gegen Ende der Ausstellung das «Abendlied» mehrstimmig auswendig.

«Kehre bei dir selber ein»

In zwei Gottesdiensten predigte Pfarrer Andreas Fischer über das berühmte «Abendlied» («Der Mond ist aufgegangen…») und seinen Autoren Matthias Claudius. Einer der schönsten Verse des «Wandsbecker Boten» lautet: «Willst du recht zu Hause sein / kehre bei dir selber ein». Das passe, sagte Fischer, zum Hinweis, den Viktor Hottinger am Anfang der Ausstellung gegeben hatte: «indigo» klingt auf Schweizerdeutsch wie «in dich gehen».

Diese Innerlichkeit gehört zum Wesen von Matthias Claudius; anders als etwa Dichterfürst Goethe, der Claudius als «Narr und Einfaltspinsel» bezeichnete, oder der Humanist Wilhelm von Humboldt, der in ihm eine «völlige Null» sah, war Claudius jegliche Eitelkeit fremd. «Meine Philosophie ist einfältigen, ärmlichen Ansehens», sagte er, «aber ich habe noch keine andere gefunden, die unter allen Umständen stichhält.» Fischer vermutete in einer seiner Kanzelreden, es plage Goethe noch im Grab, dass das «Abendlied» von Claudius, wie statistische Auswertungen von Gedichtsammlungen zeigen, das berühmteste Poem deutscher Sprache ist, berühmter noch als «Wandrers Nachtlied» oder der «Erlkönig». Es passe, dass der Autor des «Abendlieds», dieser leiseste aller Poeten, im Gegensatz zu seinem Gedicht ziemlich unbekannt ist.

Bild: Zum Abschluss der Ausstellung «indigo» wurde sinnigerweise Blues gespielt.
Foto: zVg