Die Johanniterkapelle in Rheinfelden wurde gut zwei Jahre saniert und am vergangenen Wochenende wiedereröffnet. Gleichzeitig wurde ein neuer Kunstführer vorgestellt.
PETER SCHÜTZ
«Wir schützen, was wir lieben, wir lieben, was wir kennen»: Unter diesem Motto eröffnete Rheinfeldens Stadtammann Franco Mazzi am Samstagmorgen die feierliche Einweihung der sanierten Johanniterkapelle. Der Anlass diente gleichzeitig der Vorstellung eines neuen Kunstführers über die Johanniterkapelle von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte (GSK). Es handelt sich um die Nummer 1126 in der Reihe der Schweizer Kunstführer. Initiiert und mitfinanziert wurde das handliche, umfassend informierende Werk von der Stiftung Roniger Rheinfelden. Die Wiedereröffnung der Johanniterkapelle zum Abschluss der rund zweijährigen Sanierung stiess auf grosses Interesse. Eine Kleinformation des Capriccio Barockorchesters umrahmte die Einweihung musikalisch. Franco Mazzi sagte, die Bedeutung der Johanniterkapelle sei der Bevölkerung von Rheinfelden bewusst. Denn: Der 1,9 Millionen hohe Kredit war von der Gemeindeversammlung diskussionslos genehmigt worden, berichtete er. «Wir haben ein neues Kapitel in der langen Geschichte der Johanniterkapelle geschrieben», sagte Franco Mazzi, «es ist alles wunderbar gelungen». Die Kapelle sei wieder das, als was sie beschrieben worden sei: «Ein Schmuckstück.»
Neue Stadtführung geplant
Stadtammann Mazzi informierte, dass Tourismus Rheinfelden eine neue Stadtführung «Von Heiligen und Teufeln» plane. «Die Johanniterkapelle wird einen wesentlichen Beitrag zum Erfolg dieser Stadtführung beitragen», war Mazzi mit Blick auf die grossflächige Wandmalerei des Jüngsten Gerichts überzeugt. Darin werden die Verdammten von struppigen Teufeln in den Höllenschlund gezerrt, während den Himmel Engel bevölkern. Am Eröffnungsakt würdigten mehrere am Projekt beteiligte Fachleute die Kapelle mit ihrer
lebhaften Geschichte und erläuterten die Sanierungsarbeiten. Das Restaurierungsteam bestand unter anderem aus dem Architekten und Projektleiter Christian Lang, Ambrosius Widmer (Restaurator im Holzbau) sowie Doris Warger, Gertrud Fehringer, Beat Waldispühl und Mirjam Jullien (Malereirestaurierung). Die denkmalpflegerische Begleitung übernahmen Isabel Haupt und Philipp Franz Schneider von der Kantonalen Denkmalpflege. An der Feier nahmen auch Markus Klemm von der Stiftung Roniger und Markus Andrea Schneider (GSK) teil. «Es sind von Anfang an viele Synergien dagewesen», berichtete Doris Warger, «die Zusammenarbeit war hervorragend». Ähnlich Edith Hunziker, die zusammen mit Isabel Haupt, Doris Warger und Christian Lang den Kunstführer verfasst hat: «Verschiedene Disziplinen sind zusammengekommen.»
Holz aus heimischen Wäldern
Die Gesamtrestaurierung der Johanniterkapelle von 2022/23 ging von den aktuellen denkmalpflegerischen Maximen aus, wonach der Erhalt der Bausubstanz im Vordergrund stand. Erstmals wurde das Gebäude an der Johannitergasse fotogrammetrisch aufgenommen, in Plänen dargestellt und mit ausgewiesenen Spezialisten untersucht. Für die Sanierung der Dachkonstruktion wurde Holz aus dem Rheinfelder Wald verwendet. Ausserdem wurden Schäden am Verputz saniert, Sandsteinelemente gereinigt und die Bleiglasfenster repariert. Die gegen Ende des 15. Jahrhunderts entstandene, 1881 von dem in Rheinfelden zur Kur weilenden Kunsthistoriker Johann Rudolf Rahn freigemachte Wandmalerei sei nun besser lesbar, erklärte Edith Hunziker, «man versteht die Details besser».
Baugeschichte ausführlich beschrieben
Apropos Details: Der 50-seitige Kunstführer «Die Johanniterkapelle in Rheinfelden» beschreibt die Baugeschichte der Kapelle sowie deren Sanierung ausführlich, geht auf den Johanniterorden ein und enthält Fotografien, teils in Ausschnitten, von der Wandmalerei.
Die Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte (GSK) dokumentiert seit 1880 historische und zeitgenössische Baukultur der Schweiz. Die Redaktion für die neue Ausgabe über die Johanniterkapelle hatte Markus Andrea Schneider. Die Johanniterkapelle gilt als eine der historisch wichtigsten Bauten Rheinfeldens und wird von der kantonalen Denkmalpflege als überregional herausragendes Objekt eingestuft. Seit 1946 steht sie unter eidgenössischem, seit 1963 unter kantonalem Denkmalschutz. Erbaut wurde die Kapelle zwischen 1456 und 1460. Anfangs des 19. Jahrhunderts wurde sie als Lagerraum genutzt, 1962 übernahm sie die Stadt Rheinfelden. Der Kunstführer kann im Stadtbüro Tourismus Rheinfelden erworben werden. Dort kann auch der Schlüssel der Johanniterkapelle abgeholt werden. Internet: www.tourismus-rheinfelden.ch. Gesellschaft für Schweizrische Kunstgeschichte:
www.gsk.ch