Mit einem abwechslungsreichen Programm und viel Herzlichkeit begeisterte am Samstag der Basel Tattoo Chor im Bata Club Haus in Möhlin rund 150 Gäste.
LILIA STAIGER
Möhlin. Unter dem Titel «Songs All Around the World» gestaltete der Chor erstmals ein eigenes Konzert – unabhängig vom Basel Tattoo. Die Sängerinnen und Sänger überzeugten dabei mit einem facettenreichen Klang und sorgten für bewegende Momente.
Der Basel Tattoo Chor wurde 2009 gegründet und begleitet seither jedes Jahr die auftretenden internationalen Formationen beim Basel Tattoo – dem zweitgrössten Militärmusikfestival weltweit.
23 Sängerinnen und Sänger nahmen das Publikum im voll besetzten Festsaal des Bata Club Hauses mit auf eine musikalische Reise durch verschiedene Länder und Klangwelten. Das Programm umfasste 20 Stücke, darunter zwei Medleys, und reichte von bekannten Klassikern wie «The Sound of Silence» bis zu traditionellen Liedern aus Schottland und Norwegen. Einige Stücke sang der Chor a cappella, andere wurden von Tatiana Borova am Klavier und Nora Lützelschwab am Schlagzeug begleitet. Auch Soloeinlagen sorgten für Abwechslung. Bei zwei Titeln ergänzte Craig Goeff Howes den Chorklang eindrücklich mit dem Dudelsack.
Flexibilität und Einsatz
Mit «z’ Basel am mym Rhy» eröffnete der Basel Tattoo Chor seine Konzertpremiere. Nach dem a cappella gesungenen Auftakt begrüsste Chorleiterin Jeannine Burri das Publikum und stellte den Basel Tattoo Chor vor. Sie erklärte dabei, dass der Chor immer wieder grosse Flexibilität beweisen muss, denn sie erhalten die Noten für die Stücke, die sie am Basel Tattoo begleiten, oft erst kurz vor der Premiere. Viele der rund 40 Sängerinnen und Sänger singen auch in anderen Chören und meistern die intensive Probewoche vor dem Tattoo problemlos, fügte Burri an.
Stücke aus der ganzen Welt
Unter den vorgetragenen Stücken des Abends fanden sich sowohl kraftvolle und festliche Werke wie «Gilberte de Courgenay», welches der Basel Tattoo Chor 2014 mit der Schweizer Militärmusik vortrug, «Freude, schöner Götterfunken» oder das schottische Volkslied «Loch Lomond» sowie ruhige Titel wie das in Neuseeland populäre Liebeslied «Pokarekare Ana» oder «You don’t walk alone». Bei den Titeln «Highland Cathedral» und «The Celtic Crest» verlieh Craig Goeff Howes dem Chor mit dem Dudelsack eine besondere Note und erhielt dafür grossen Applaus. Die zweite vorgetragene Medley, die Evening Hymn Medley, gehört beim Finale des Basel Tattoo traditionell zum festen Bestandteil des Programms. Sie wird zum Gedenken an gefallene Soldaten gespielt, wie Jeannine Burri anmerkte.
Ein sicherer Hafen
Besonders bewegend war auch das Stück «Harbour», das Burri nach Ausbruch des Ukrainekriegs entdeckt hatte. Das Stück der britischen Komponistin Anna Tabbush handelt von Flucht und der Sehnsucht nach einem sicheren Ort, einem schützenden Hafen in stürmischen Zeiten. Andere Titel erinnerten an musikalische Begegnungen und gemeinsame Auftritte des Chors, unter anderem mit der königlichen Garde Norwegens, der Australian Army Band und der United States Air Force im Rahmen des Basel Tattoo.
Chorleiterin aus Leidenschaft
Mit Charme und Humor führte Burri durch den Abend und erzählte von besonderen Erlebnissen und kleinen Pannen hinter den Kulissen des Basel Tattoo. Bei einem Titel sang sie selbst mit, dem Publikum zugewandt, während sie gleichzeitig den Chor dirigierte. Während der Chor beim Basel Tattoo die vorgegebenen Stücke internationaler Musikformationen einstudiert, lagen diesmal die Auswahl der Lieder, die Programmgestaltung und die Organisation der Proben in der Hand der musikalischen Leitung: «Ich bin sehr stolz auf meinen Chor. Es ist grossartig, dass wir gemeinsam eine solche Leistung erbracht haben», äusserte Jeannine Burri nach dem Konzert, «dass einmal ein Stück nicht ganz wie geplant funktioniert, gehört dazu. Das zeigt schliesslich, dass wir live singen.»
Begeisterung beim Publikum
Auch das Publikum schätzte diese ungezwungene Art: «Die Fröhlichkeit und charmante Art der Chorleiterin steckt an; man spürt, dass der Chor mit Freude singt», hob Titus Fischler hervor, «die Begleitung durch die verschiedenen Instrumente, vor allem die Darbietung am Dudelsack, waren zudem eindrucksvoll.» «Die Begeisterung des Chors kommt sehr schön zum Ausdruck», ergänzte Elisabeth Fischler, «das vielfältige Repertoire, die Mehrstimmigkeit und die sanfte Begleitung am Piano haben mir besonders zugesagt». Heidi Scholer kannte den Chor bereits vom Basel Tattoo und hat selbst in einem gemischten Chor gesungen: «Der Gesang war richtig mitreissend, und es war eine tolle Leistung bei dieser Konzertpremiere.» Susanne Brotzer ergänzte: «Der Chor hat die Stücke sehr berührend interpretiert – ein tolles Erlebnis.»
Ein gelungenes Konzertdebüt
Judith Hossli ist selbst Chormitglied, konnte beim Konzert jedoch nicht mitsingen. Sie schwärmte: «Das Programm ist fantastisch – ‹All around the World› ist ein treffender Titel, denn das Basel Tattoo ist international und die gewählten Stücke repräsentieren dies gut.» Auch Daniel Zingg, Vizepräsident des Chors, zeigte sich zufrieden: «Es hat uns grossen Spass gemacht, und wir hatten ein tolles Publikum. Es war unser erstes eigenes Konzert, und ich bin sehr glücklich darüber, wie gut es gelungen ist.» Anders als beim Basel Tattoo, wo meist nur Ausschnitte dargeboten werden, habe der Chor für diesen Abend die Werke in ihrer ganzen Länge einstudiert.
Dank und Standing Ovations
Ermöglicht wurde der Konzertabend durch die Unterstützung der Basel Tattoo Charity und des Bata Club Hauses, in dem der Chor bereits für das Basel Tattoo proben durfte; Jeannine Burri bedankte sich bei beiden für die Unterstützung. Auch die Sängerinnen und Sänger richteten einen Dank an ihre Leiterin.
Bei der Zugabe schwangen die Sängerinnen und Sänger die Hände über dem Kopf im Takt zur Musik. Einige Gäste machten die fröhliche Bewegung spontan mit. Mit langanhaltenden Standing Ovations würdigten die Gäste einen Konzertabend, der nicht nur musikalisch überzeugte, sondern vor allem durch seine Nähe und Herzlichkeit in Erinnerung bleiben dürfte.