Wie zähmt man einen Drachen? Diese Frage stellt sich im Theaterstück «Do chasch Gift druf näh», zu dem Theatergruppe und Gemischter Turnverein an den kommenden beiden Samstagen einladen. Der Generationenwechsel im Ensemble ist gelungen. Im aktuellen Stück haben vor allem die Frauen die Hosen an und werden dafür sorgen, dass das Publikum kaum mehr aus dem Lachen herauskommt.
SONJA FASLER HÜBNER
Dieses Jahr findet das Münchwiler Theater wieder in gewohnter Manier Anfang Jahr statt. Im Ensemble kam es aber zu einigen
Veränderungen, nachdem sich altgediente Spieler, allen voran Hanspeter Wirz, der über 30 Mal, meist in einer Hauptrolle, mitwirkte, in den Ruhestand verabschiedet haben.
Neuzugang in der Theatergruppe
«Wir haben sofort einen Aufruf nach neuen Spielern gestartet», erzählt Urs Schumacher, der erstmals Regie führt und vorher selbst einige Jahre auf der Bühne stand, bei einer der letzten Proben vor der Aufführung. Die Suche war von Erfolg gekrönt: Georg und Silvi Reschke sowie Corinne Böller bekleiden kleinere Rollen und haben somit einen «sanften» Einstieg. Sie hätten sich perfekt ins Team der bestehenden Spieler einfügt, freut sich der Regisseur. Eine Truppe, die harmoniert. Das zeigt sich bereits bei den Proben.
Im Stück geht es um die wohlhabende, geizige und verbitterte Frau von Drachenberg (Beatrix Biedermann). Ihr Name ist Programm, denn alle leiden unter den Launen des Drachens, vor allem die Hausangestellte Sara (Brigitte Schneider), die schusselige Praktikantin
Michelle (Claudia Adler) und der Koch Jürg (Georg Reschke). Auch Handwerker Küde (Sven Kungler) würde das Haus des Drachens lieber nicht mehr betreten. Aber ungeschickt, wie Sara ist, schafft sie es, praktisch jedes Haushaltsgerät ausser Gefecht zu setzen. Als es die von Drachenberg mit ihren Bosheiten auf die Spitze treibt, ihren Koch feuert und Frau von Burgstein, ihrer einzigen Freundin, die Freundschaft kündet, brodelt es in ihrem Umfeld. Wie schön wäre es doch, einmal ein paar Wochen Ruhe vor dem arroganten Drachen zu haben. Doch eine spontane Aktion, bei der ein blaues Giftwässerchen eine tragende Rolle spielt, läuft gehörig aus dem Ruder.
Starke Frauenrollen
Der Schwank in drei Akten von Janine Berger hat es in sich, vor allem für die Hauptdarstellerinnen. Brigitte Schneider als Hausangestellte und Claudia Adler als Praktikantin, die auf der Bühne übrigens ein Traumpaar abgeben, haben 272 bzw. 249 Einsätze und sind praktisch dauerpräsent auf der Bühne. «Es ist diesmal ein sehr langes Stück, aber man nimmt es kaum wahr, weil es von Anfang bis zum Ende stets turbulent zugeht», beschreibt es der Regisseur. Auch Beatrix Biedermann als hochnäsige Frau von Drachenberg ist einmal mehr eine Wucht. «Das Stück besticht durch seine starken Frauenrollen», freut sich Urs Schumacher.
Als Laie fragt man sich, wie man so viel Text auswendig lernen und ihn dann auch noch rechtzeitig abrufen kann. «Ich nehme den Text auf und höre ihn mir immer und immer wieder an, sogar beim Autofahren», verrät Brigitte Schneider schmunzelnd. Vieles ergebe sich
dann auch beim Interagieren auf der Bühne. Es brauche beim Lernen eine Menge Disziplin, da helfe Routine allein nicht, obwohl sie auf 30 Jahre Theatererfahrung bauen kann. Brigitte Schneider begann schon mit 16 Jahren mit dem Theaterspielen, damals noch in Frick, wo sie aufgewachsen ist. In Münchwilen steht sie inzwischen zum sechsten Mal auf der Bühne. Auch Claudia Adler, mit der sie im Stück oft im Duo spielt, ist seit über 23 Jahren mit dabei.
Rund 25 Proben habe man seit den Herbstferien absolviert. Jetzt ist das Theaterensemble im Endspurt. «Es chunnt guet», sagt Regisseur Urs Schumacher und ist stolz auf «seine» Spielerinnen und Spieler.
gtv-muenchwilen.ch/theater
Aufführungen
Samstag, 13. und 20. Januar
Nachtessen ab 18.30 Uhr
Beginn Theater um 20 Uhr,
Turnhalle Münchwilen
Reservation: MO & MI 18 bis 19 Uhr
DO 19 bis 21 Uhr unter 062 873 23 89
Bild 1: Die Münchwiler Theatercrew mit Regisseur und Souffleuse.
Bild 2: Der gefeuerte Koch Jürg sinnt auf Rache, was Frau von Drachenberg ziemlich unbeeindruckt lässt.
Bild 3: Die Frau von Drachenberg ist völlig von der Rolle und muss schnellstmöglich verschwinden.
Bild 4: Was haben wir da nur angerichtet? Die beiden Hausangestellten sind ratlos.
Fotos: Sonja Fasler