(bb) Wie können die Schweiz, Deutschland und Frankreich den gemeinsamen Arbeitsmarkt besser vernetzen? Wie lässt sich die Gesundheitsversorgung über die Landesgrenzen hinweg vereinfachen? Und welche Antworten braucht die Oberrheinregion auf die zunehmenden Folgen des Klimawandels? Mit diesen zentralen Zukunftsfragen beschäftigte sich die Kommission Wirtschaft, Arbeitsmarkt und Gesundheit des Oberrheinrats an ihrer Sitzung vom 12. Oktober in Rheinfelden unter dem Vorsitz der Aargauer Grossrätin Béa Bieber.
Ein Arbeitsmarkt, der nicht an der Grenze endet
Der Oberrhein ist ein eng verflochtener Wirtschafts- und Lebensraum. Täglich überschreiten zahlreiche Menschen die Landesgrenzen, um zu arbeiten. Dennoch erschweren unterschiedliche nationale Regelungen, Informationslücken und administrative Hürden die grenzüberschreitende Stellenvermittlung.
Fachpersonen aus allen drei Ländern zeigten auf, wie die Zusammenarbeit verbessert werden kann. Dr. Katrin Distler vom Deutschen Gewerkschaftsbund stellte die Arbeit von EURES-T Oberrhein vor, einem grenzüberschreitenden Netzwerk zur Beratung und Unterstützung von Arbeitnehmenden und Unternehmen.
Vertreterinnen des Euro-Instituts und der Maison de l'Emploi Strasbourg präsentierten praktische Ansätze, um Stellensuchende und Unternehmen besser zusammenzubringen. Dazu gehören gemeinsame Informationsangebote, interkulturelle Schulungen und die Förderung beruflicher Mobilität.
Nicole Hostettler, Leiterin des Amts für Wirtschaft und Arbeit Basel-Stadt, beleuchtete die Herausforderungen aus Schweizer Perspektive. Dabei wurde deutlich, dass eine erfolgreiche Vermittlung nicht allein von offenen Stellen abhängt, sondern ebenso von Qualifikationen, Mobilität, Arbeitsbedingungen und den Bedürfnissen der Unternehmen.
«Wir sprechen am Oberrhein oft von einem gemeinsamen Wirtschaftsraum. Im Alltag stossen Arbeitnehmende und Unternehmen aber noch immer auf nationale Grenzen. Unser Ziel muss sein, vorhandene Potenziale besser zu nutzen, Fachkräfte zusammenzubringen und die Zusammenarbeit so zu gestalten, dass alle drei Länder davon profitieren», betont Kommissionspräsidentin Béa Bieber. Eine entsprechende Resolution dazu ist in Arbeit und soll der Plenarsitzung im Dezember vorgelegt werden.
Gesundheitsversorgung grenzüberschreitend denken
Ein weiterer Schwerpunkt war die ambulante Gesundheitsversorgung. Sabine Bader vom Gesundheitsamt Südliche Weinstrasse und Aurélie Boitel vom Eurodistrikt PAMINA stellten die Arbeiten zur Machbarkeit eines grenzüberschreitenden Gesundheitszentrums im deutsch-französischen Grenzgebiet vor.
Die Erfahrungen zeigen, dass eine engere Zusammenarbeit medizinischer Einrichtungen neue Möglichkeiten eröffnet. Unterschiedliche Gesundheitssysteme, Zuständigkeiten und Abrechnungsmodelle stellen jedoch weiterhin Herausforderungen dar.
Für die Kommission ist klar: Gerade in Grenzregionen sollte der Zugang zu medizinischen Leistungen möglichst einfach und bedarfsgerecht gestaltet werden. Die vorgestellten Ansätze liefern wichtige Denkanstösse für die weitere Zusammenarbeit am Oberrhein.
Klimawandel: Die Region steht vor gemeinsamen Aufgaben
Wie stark der Klimawandel die Oberrheinregion bereits verändert, verdeutlichte Prof. Dr. Rüdiger Glaser von der Universität Freiburg. Er zeigte auf, welche Folgen zunehmende Hitze, Trockenperioden, Niedrigwasser und Extremwetterereignisse für Gesundheit, Wirtschaft und Infrastruktur haben können.
Der Sommer 2026 führte die grenzüberschreitende Dimension dieser Herausforderungen besonders deutlich vor Augen. Extreme Temperaturen und niedrige Wasserstände betreffen nicht nur die Bevölkerung, sondern auch Unternehmen, Landwirtschaft, Verkehr und Energieversorgung. Auch hier wird (basierend auf der Vereinbarung (Klima und Energiestrategie), die 2024 von ORR, ORK und TMO) 2024 gemeinsam unterzeichnet wurden) an einer entsprechenden Resolution gearbeitet.
«Die Klimaveränderung ist am Oberrhein spürbar angekommen. Sie ist längst eine wirtschaftliche, arbeitsmarktpolitische und gesundheitspolitische Realität. Wir sind also alle gefordert, die im Dreiland in politischer Verantwortung stehen…für Lösungsansätze und Massnahmen, über die Grenzen hinweg», hielt Béa Bieber fest.
Rheinfelden als Ort des trinationalen Dialogs
Die Sitzung in Rheinfelden bot Gelegenheit, unterschiedliche nationale Perspektiven zusammenzuführen und konkrete Ansätze für die weitere grenzüberschreitende Zusammenarbeit zu diskutieren.
Zum Abschluss dankte Kommissionspräsidentin Béa Bieber der Stadt Rheinfelden für die Gastfreundschaft: «Rheinfelden steht wie kaum ein anderer Ort für das Verbindende unserer Grenzregion. Hier wird täglich sichtbar, dass Zusammenarbeit über Grenzen hinweg nicht nur ein politisches Ziel ist, sondern gelebter Alltag. Mein herzlicher Dank gilt der Stadt Rheinfelden für die Gastfreundschaft und die Möglichkeit, unsere Kommissionsarbeit hier durchzuführen.»
Der Oberrheinrat ist das trinational zusammengesetzte politische Gremium der Oberrheinregion. Er fördert den grenzüberschreitenden Austausch und setzt sich für gemeinsame Anliegen der Schweiz, Deutschlands und Frankreichs ein. Die Kommission Wirtschaft, Arbeitsmarkt und Gesundheit befasst sich insbesondere mit wirtschaftlichen Entwicklungen, der Zusammenarbeit auf dem Arbeitsmarkt und gesundheitspolitischen Herausforderungen.