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Mit Gerhard Wunderlin Im Rebberg. Foto: Markus Gisler
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SfS-Rheinfelden: Von Dachsen, guten Weinen und eckigen Fässern

(mg) Bei spätsommerlicher Hitze unternahm der Verein SeniorInnen für SeniorInnen Rheinfelden (SfS Rheinfelden) am 19. August einen Ausflug nach Zeiningen. Auf dem Programm stand eine spannende Exkursion zum regionalen Weinbau Wunderlin an der Römerstrasse.

Da der Weg von der nächstgelegenen Bushaltestelle bei brütender Hitze und gut dreissig Höhenmetern für die Mitglieder beschwerlich gewesen wäre, entschied man sich kurzerhand für die Anreise mit dem Car – ganz nach dem Motto: Wer fährt, trinkt nicht.
Vor Ort wurden die Teilnehmenden herzlich vom Winzerehepaar Wunderlin begrüsst. Gerhard Wunderlin ist gelernter Winzermeister, seine Frau Andrea Önologin. Was im Jahr 1985 mit bescheidenen 15 Aren Reben und einer Jahresproduktion von gerade einmal 1000 Flaschen begann, hat sich zu einem beachtlichen Betrieb entwickelt. Heute bewirtschaften die Wunderlins rund vier
Hektaren Rebfläche und füllen jährlich 20’000 bis 30’000 Flaschen Wein ab. Unterstützt von einem Teilzeitmitarbeiter pflegen sie Reben an vier verschiedenen Standorten: Zeiningen, Magden, Obermumpf und Elfingen.

Im Fasskeller. Foto: Markus GislerEin Blick in den Rebberg: Vom Möhlin-Jet und hungrigen Dächsen
Mit dem Car ging es weiter direkt in den Zeininger Rebberg. Historisch gesehen gab es im 19. Jahrhundert in Zeiningen stolze 120 Hektar Reben, bis die Reblauskatastrophe in den 1880er-Jahren den Bestand dezimierte. Heute halten gerade noch zwei Winzer die Stellung und bewirtschaften insgesamt 6,5 Hektar.
Wie sehr der Weinbau vom Wetter abhängt, zeigten die Erklärungen vor Ort. Die Klimaerwärmung ist spürbar: Während die Weinlese in den 1980er-Jahren erst im Oktober begann, startet sie in diesem Jahr bereits Mitte August. Erste rote Trauben konnten schon mit beachtlichen 100 °Oechsle geerntet werden; die diesjährigen Tropfen versprechen viel Alkohol, aber wenig Säure. Dass im unteren Fricktal und in Zeiningen überhaupt so exzellente Bedingungen herrschen, fast vergleichbar mit dem sonnenverwöhnten Wallis, verdankt die Region dem «Möhlin-Jet». Dieser starke Wind bläst vom Mittelland über den Aargauer Tafeljura Richtung Basel und vertreibt zuverlässig den Nebel.
Während das Gras zwischen den Rebzeilen unter der Dürre gelb verbrannt ist, stehen die Rebstöcke dank ihrer bis zu 20 Meter tiefen Wurzeln noch satt im Grün. Zum Schutz vor Hagelschlag sind die Reben komplett eingepackt. Diese Netze halten zwar Vögel fern, nicht aber den Dachs: Er weiss sie zu öffnen. Und noch eine Anekdote entlockte den Anwesenden ein Schmunzeln: Dachse bevorzugen zwar weisse Trauben – hat es keine, stehlen sie aber notfalls auch rote! Praktisch ist die Konstruktion der Netze allemal: Für Pflegearbeiten lassen sie sich mithilfe eines Akkuschraubers im Handumdrehen auf- und abwickeln.

Bei der Degustation. Foto: Markus GislerInnovation im Keller: Vom Holzfass zum «rebarriQue»
Zurück im Keller an der Römerstrasse erhielten die Senioren Einblicke in die moderne und traditionelle Weinverarbeitung. Neben klassischen Stahltanks, grossen Holzfässern und Eichenholz-Barriques – die irgendwann als «ausgedient» zu Brennholz werden – fiel ein ganz besonderes Exponat auf: das «rebarriQue». Dabei handelt es sich um einen zerlegbaren Mehrweg-Holzkasten mit Armaturen in einem Edelstahlrahmen. Dieses innovative Fass lässt sich leicht reinigen und beliebig oft auseinander- und wiederzusammenbauen, was ein mehrmaliges Erneuern und Neueinbrennen ermöglicht.

Genussvoller Ausklang
Den Abschluss des gelungenen Nachmittags bildete ein kaltes Buffet und eine Degustation von insgesamt sieben verschiedenen Weinen: zwei Weissweine, ein Blanc de Noir (Federweisser), ein Rosé, zwei Rotweine sowie ein Schaumwein. Besonderes Augenmerk lag dabei auf den Piwi-Weinen, die etwa ein Drittel des Sortiments ausmachen. Diese pilzwiderstandsfähigen Rebzüchtungen sind unempfindlich gegenüber Krankheiten wie Graufäule sowie echtem und falschem Mehltau, wodurch sie deutlich weniger Pflanzenschutzmittel benötigen. Die SfS Rheinfelden bedankten sich beit Gerhard und Andrea Wunderlin für diesen äusserst informativen, gastfreundlichen und genussreichen Einblick in das lokale Winzerhandwerk.

Bilder: 
Bild 1: Mit Gerhard Wunderlin Im Rebberg. Foto: Markus Gisler
Bild 2: Im Fasskeller. Foto: Markus Gisler
Bild 3: Bei der Degustation. Foto: Markus Gisler