Ein Produkt der  
Die grösste Wochenzeitung im Fricktal
fricktal info
Verlag: 
Mobus AG, 4332 Stein
  Inserate: 
Texte:
inserat@fricktal.info
redaktion@fricktal.info
Fricktalwetter
Bedeckt
21.4 °C Luftfeuchtigkeit: 46%

Samstag
12.5 °C | 26.1 °C

Sonntag
11.9 °C | 25 °C

Die Chronistinnen und Chronisten besichtigten den Vogelpark Ambigua in Zeihen.
Featured

Vor dem Vergessen bewahren – Regio-Media-Treffen in Zeihen

Rund 30 Dorfchronistinnen und Dorfchronisten trafen sich in Zeihen zum 27. Regio-Media-Treffen – und diskutierten über die Zukunft ihrer Arbeit.

SONJA FASLER

Kuko-Präsident Marco Bürgi begrüsst die Gäste im Zeiher Dorfmuseum. Foto: Sonja FaslerWas heute im Dorf geschieht, ist morgen bereits Geschichte. Damit wichtige Ereignisse, Geschichten und Entwicklungen nicht irgendwann in Vergessenheit geraten, halten zahlreiche Frauen und Männer aus dem Fricktal das lokale Geschehen Jahr für Jahr in Dorfchroniken fest. Einmal jährlich treffen sich diese «Schreiberlinge» zum Regio-Media-Treffen, um Erfahrungen auszutauschen, sich zu vernetzen und über die Zukunft ihrer Arbeit zu diskutieren. Die 27. Ausgabe fand am Mittwochabend turnusgemäss in Zeihen statt.
Gastgeberin war die fünfköpfige Kulturkommission, die das «Zeiher Heimatblatt» herausgibt. Für Zeihen war der Anlass auch deshalb besonders passend, weil die Dorfchronik mit der Ausgabe 2025 zum 50. Mal erschienen ist. Ebenfalls seit einem halben Jahrhundert besteht das Dorfmuseum im Untergeschoss des Gemeindehauses, welches der Treffpunkt für die rund 30 Chronistinnen und Chronisten aus verschiedenen Gemeinden der Region war.
Vertreten waren unter anderem die Redaktionsteams des «Adlerauges» aus Wittnau, der «Rückblende» aus Wölflinswil-Oberhof, des «Kaister Rückspiegels», von «Usem Dorf» aus Gipf-Oberfrick, «Frick gestern-heute», des «Schäsli» aus Zeiningen, der «Nachlese» aus Schinznach sowie die Dorfchronik Gansingen und die «Rheinfelder Neujahrsblätter». Die Publikationen erscheinen in unterschiedlichen Formaten – als Hefte oder gebundene Bücher –, haben aber eines gemeinsam: Sie bewahren das lokale Gedächtnis.

Geschichte vor der Haustür
Begrüsst wurden die Gäste von Kulturkommissionspräsident und Gemeinderat Marco Bürgi. In seiner Einführung gab er einen kurzen Einblick in die Geschichte Zeihens, erläuterte die Entstehung des Dorfnamens und erinnerte an verschiedene historische Stationen. Dabei kamen auch die zahlreichen Gasthöfe zur Sprache, die es einst in Zeihen und Oberzeihen gab.
Besonders interessant war die Geschichte des Sonnenhofs auf der Buchmatt am Zeiher Hausberg Homberg. Das Gebäude, im Volksmund auch «Esel» genannt, brannte um 1900 nieder und wurde danach nicht wieder aufgebaut. Zwischenzeitlich war sogar geprüft worden, ob sich der Standort für eine Höhenklinik eignen würde. Letztlich fiel die Wahl jedoch auf die Barmelweid.
Bei einem kurzen Spaziergang durch das Dorfzentrum erhielten die Chronisten anschliessend einen Eindruck von der aktuellen Bautätigkeit. An der Dorfstrasse, wo sich derzeit eine grössere Baustelle befindet, wurden vor kurzem erneut Überreste einer Merowingersiedlung entdeckt. Zeihen hat bereits mehrfach archäologische Funde aus der Merowingerzeit hervorgebracht. Auch Spuren aus der Bronze- und Römerzeit wurden entdeckt. Die Geschichte des Dorfes reicht damit weit zurück.

Noemi Appert führte die Gäste in die Welt der exotischen Vögel ein. Foto: Sonja FaslerVon der Zucht- zur Auffangstation
Anschliessend führte der Weg zum Vogelpark Ambigua am Dorfrand. Betriebsleiterin Noemi Appert führte die Gruppe durch die Anlage, in der mehr als 400 exotische Vögel leben. Für die Chronisten wurde die «Nachtruhe» der Tiere an diesem Abend etwas nach hinten verschoben.
Dabei erfuhren die Besucherinnen und Besucher auch von einer Entwicklung, die den Vogelpark in den vergangenen Jahren stark verändert hat. Aus der ursprünglichen Zuchtstation ist zunehmend eine Auffangstation geworden. Mehr als die Hälfte der Vögel sind inzwischen Abgabetiere aus privater Haltung, viele davon stammen aus Beschlagnahmungen.

Kakadu Chicco wurde übel mitgespielt, aber jetzt ist er der heimliche Star des Vogelparks. Foto: Sonja FaslerDass die Anschaffung exotischer Vögel gut überlegt sein will, zeigte Noemi Appert anhand des Kakadus Chicco. Der rund 40 Jahre alte Vogel wurde beschlagnahmt und hat schwere Verletzungen davongetragen. Er besitzt nur noch einen Fuss, zahlreiche kahle Stellen und kann nicht mehr fliegen. Im Vogelpark hat er sich inzwischen gut eingelebt, wieder Vertrauen zu Artgenossen gefasst und sogar eine Partnerin gefunden.
Eine der Arten, die in Ambigua weiterhin gezüchtet wird, ist der Sonnensittich. In seiner ursprünglichen Heimat ist dieser farbenprächtige Vogel stark vom Aussterben bedroht.


Wie bleibt Wissen erhalten?
Nach dem Rundgang trafen sich die Chronisten im gemütlichen Vogelpark-Beizli zum Nachtessen. Danach stand das eigentliche Herzstück des Abends auf dem Programm: der Erfahrungsaustausch.
Dabei ging es um eine zentrale Frage: Wie lässt sich das Wissen über ein Dorf langfristig sichern? Und wie kann das über Jahrzehnte angesammelte Wissen weitergegeben werden, wenn verdiente Chronisten ihre Mitarbeit beenden? Gleichzeitig ist es vielerorts schwierig, jüngere Menschen für die zeitaufwendige ehrenamtliche Arbeit zu gewinnen.
Auch Datenschutz und der Umgang mit Künstlicher Intelligenz beschäftigten die Teilnehmenden. Welche Informationen dürfen veröffentlicht werden? Wie verändert KI die Recherche und Aufbereitung von Inhalten?
Das Regio-Media-Treffen ist deshalb längst mehr als ein gemütliches Zusammensein. Es ist ein wichtiges Netzwerk für jene Menschen, die in ihrer Freizeit lokale Geschichte dokumentieren. Seit der ersten Durchführung sind allerdings auch einige Dorfchroniken verschwunden. Für die Teilnehmenden ist klar: Das soll sich möglichst nicht wiederholen.
Das nächste Regio-Media-Treffen findet turnusgemäss in Wölflinswil-Oberhof statt. Die «Schreiberlinge» werden dann erneut zusammenkommen – mit demselben Ziel wie seit 27 Treffen: das Gestern zu bewahren, das Heute festzuhalten und damit ein Stück Zukunft zu schaffen.

Bilder: 
Bild 1: Die Chronistinnen und Chronisten besichtigten den Vogelpark Ambigua in Zeihen.
Bild 2: Kuko-Präsident Marco Bürgi begrüsst die Gäste im Zeiher Dorfmuseum.
Bild 3: Noemi Appert führte die Gäste in die Welt der exotischen Vögel ein.
Bild 4: Kakadu Chicco wurde übel mitgespielt, aber jetzt ist er der heimliche Star des Vogelparks.
Fotos: Sonja Fasler