Ein Produkt der  
Die grösste Wochenzeitung im Fricktal
fricktal info
Verlag: 
Mobus AG, 4332 Stein
  Inserate: 
Texte:
inserat@fricktal.info
redaktion@fricktal.info
Fricktalwetter
Klarer Himmel
17.3 °C Luftfeuchtigkeit: 75%

Mittwoch
11.5 °C | 14 °C

Donnerstag
4.9 °C | 13.1 °C

Grabungstechniker Jakob Erhard zeigt, wo die archäologisch wertvollen Funde gemacht wurden. Foto: Sonja Fasler
Featured

Zeitreise durch Zeihens Vergangenheit – Im Dorfmuseum drehte sich alles um die archäologischen Funde am Burrihübel

Der Museumstag in Zeihen lockte trotz garstigen Wetters zahlreiche Interessierte an. Im Mittelpunkt standen die jüngsten archäologischen Entdeckungen am Burrihübel – darunter überraschende Spuren aus der Bronzezeit.

SONJA FASLER

Vor allem das Amulett aus Hirschgeweih, das als Schutz- und Glückssymbol gedient haben dürfte (im Vordergrund), zog die Blicke auf sich. Foto: Sonja FaslerWürde bei diesem stürmischen Wetter überhaupt jemand einen Fuss vor die Tür setzen? Das fragten sich die Mitglieder der Kulturkommission Zeihen, als sie am Sonntagnachmittag zu ihrem jährlichen Museumsanlass einluden. Doch ihre Bedenken waren unbegründet: Zahlreiche Besucherinnen und Besucher fanden den Weg ins Dorfmuseum. Der Museumstag «Museum attraktiv» stand dieses Jahr unter dem Motto «Zeitreise durch die Geschichte von Zeihen» und war zugleich Teil des Jubiläums «50 Jahre Dorfmuseum und Zeiher Heimatblatt».
Als Schwerpunkt boten sich die archäologischen Ausgrabungen bei der Überbauung Burrihübel geradezu an. Dort stiess die Kantonsarchäologie bereits bei der ersten Bauetappe für eine Wohnüberbauung im Jahr 2010/11 auf die Überreste einer Merowingersiedlung. Bei der aktuellen Überbauung, die im Jahr 2025 begann, förderten die neuerlichen Grabungen nicht nur weitere Spuren aus der Römerzeit und dem Frühmittelalter zutage, sondern man machte auch eine überraschende Entdeckung: Überreste aus der Spätbronzezeit, die über 3000 Jahre alt sind.

Auch in den alten Zeiher Heimatblättern wurde fleissig geblättert. Die Dorfchronik erschien mit der Ausgabe 2025 bereits zum 50. Mal. Foto: Sonja FaslerVon der Bronzezeit bis zur frühen Neuzeit
Jakob Erhard, Grabungstechniker bei der Kantonsarchäologie Aargau und selbst an den Ausgrabungen beteiligt, nahm das Publikum mit einer PowerPoint-Präsentation auf eine Reise durch mehrere Jahrtausende Zeiher Geschichte. Anschaulich erläuterte er die verschiedenen Fundschichten und erklärte, was sich aus den Überresten über das Leben der damaligen Bewohnerinnen und Bewohner ableiten lässt.
Besonders bemerkenswert sind die Scherben von drei Tontöpfen aus der frühen Spätbronzezeit um 1350 vor Christus. Zwei der Gefässe hatten einen Durchmesser von rund 30 Zentimetern. Vermutlich dienten sie zum Kochen. Auch ein sogenannter Klopfstein, mit dem die Mahlsteine für das Getreide aufgeraut wurden, kam zum Vorschein. Die Funde zeigen, dass das Gebiet am Burrihübel schon lange vor der Römerzeit besiedelt war.
Ausführlich ging Erhard auch auf die Funde aus dem Frühmittelalter ein. Aus der Zeit der Merowinger stammen Hinweise auf einen rund zehn mal zwanzig Meter grossen Holzbau, dessen zwölf Pfostenreihen ein grosses Walmdach trugen. Im Innern befand sich ein kuppelförmiger Ofen. Tierknochen, Getreidereste und Pfeilspitzen geben weitere Einblicke in den damaligen Alltag. Die Getreidekörner zählen dank des hiesigen schweren Lehmbodens schweizweit zu den besterhaltenen Botanikfunden aus dieser Zeit und werden weiter untersucht und dokumentiert, wie Jakob Erhard weiter erläuterte.

Ein Zufallsfund bei den Ausgrabungen war ein römisches Brandgrab mit diversen Grabbeigaben. Foto: Sonja FaslerAmulette und ein römisches Brandgrab
Einige der Fundstücke waren im Dorfmuseum in einer Vitrine ausgestellt und konnten aus nächster Nähe betrachtet werden. Dazu gehörte eine Rosette aus Hirschgeweih aus der Merowingerzeit. Das mit einem Zirkelschlagmuster verzierte Stück dürfte als Amulett und Schmuck getragen worden sein und möglicherweise als Schutz- und Glückssymbol gedient haben. Solche Objekte sind typische, wenn auch nicht alltägliche Funde aus dieser Epoche.
Für eine Überraschung sorgte zudem ein römisches Brandgrab, das bei den Grabungen eher zufällig entdeckt wurde. Zu sehen waren Scherben und die Überreste einer durch Hitze geschmolzenen Glasflasche. Der Fund ergänzt das bereits vielfältige Bild der Besiedlungsgeschichte Zeihens.

Siedlung dank Wasservorkommen
Das grosse Interesse freute Jakob Erhard, der den Besucherinnen und Besuchern nach seinem Vortrag für Fragen zur Verfügung stand. Die Ausgrabungen verdeutlichen, wie viel Geschichte unter scheinbar unscheinbaren Grundstücken verborgen liegen kann.
Dass Zeihen schon vor Jahrtausenden ein attraktiver Wohnort war, dürfte nicht zuletzt mit der guten Wasserversorgung durch die Hasenlochquelle und den nahe gelegenen Zeiherbach zusammenhängen, wie der Grabungstechniker ausführte.

Die Spurensuche geht weiter
Abgeschlossen sind die archäologischen Untersuchungen am Burrihübel noch nicht, wie Jakob Erhard verriet. Auf dem heutigen Installationsplatz der Baustelle stand bis zu seinem Abbruch Ende 2025 ein altes Haus, dessen Bauholz inzwischen auf die Jahre 1590/91 datiert werden konnte. Damit dürfte es sich um eines der ältesten Häuser handeln, die bis vor Kurzem noch in Zeihen standen. Voraussichtlich ab November soll nun auch der Boden unter dem ehemaligen Gebäude genauer untersucht werden. Ob dabei weitere historische Spuren zum Vorschein kommen, wird sich zeigen.
Die Voraussetzungen dürften allerdings etwas anders sein als im hinteren Teil des Areals: Dort haben über lange Zeit immer wieder Erdschichten vom Burrihübel den Boden überdeckt. Im Bereich des abgebrochenen Hauses dürfte die Schicht über dem gewachsenen geologischen Untergrund weniger mächtig sein. Dennoch darf man gespannt sein, welche Geschichten der Boden an dieser Stelle noch preisgibt.
Bei Kaffee, Kuchen und Getränken bot das Museumsbeizli anschliessend Gelegenheit, das Gehörte zu vertiefen und sich über die spannenden Entdeckungen auszutauschen.

Bilder: 
1. Bild: Grabungstechniker Jakob Erhard zeigt, wo die archäologisch wertvollen Funde gemacht wurden. Foto: Sonja Fasler
2. Bild: Vor allem das Amulett aus Hirschgeweih, das als Schutz- und Glückssymbol gedient haben dürfte (im Vordergrund), zog die Blicke auf sich. Foto: Sonja Fasler
3. Bild: Auch in den alten Zeiher Heimatblättern wurde fleissig geblättert. Die Dorfchronik erschien mit der Ausgabe 2025 bereits zum 50. Mal. Foto: Sonja Fasler
4. Bild: Ein Zufallsfund bei den Ausgrabungen war ein römisches Brandgrab mit diversen Grabbeigaben. Foto: Sonja Fasler