Nach Zwölf Jahren übergab Thomas Vetter, Mettauertal, das Präsidium des Juraparks Aargau an Gunthard Niederbäumer, Frick. Den scheidenden Präsidenten ernannten die an der 34. Vereinsversammlung des Trägervereins «Jurapark Aargau» in der Jurapark-Gemeinde Herznach-Ueken Anwesenden zum Ehrenmitglied.
Jörg Wägli
Bereits im vergangenen Jahr hatte Präsident Thomas Vetter aus persönlichen, privaten Gründen sein Amt nicht wie gewohnt ausüben können. Und so führte auch Vizepräsident Rudolf Lüscher, Laufenburg, durch die Geschäfte der 34. Vereinsversammlung, welche letzten Mittwoch in Herznach stattfand. Eine Versammlung, an welcher Thomas Vetter das Zepter nach zwölf Jahren im Präsidium nun weiterreichte.
Grosse Verdienste
Seine grossen Verdienste um den Jurapark Aargau würdigte für den Kanton Aargau in einer schriftlichen Grussbotschaft Norbert Kräuchi, Leiter Abteilung Landschaft und Gewässer im Departement Bau, Verkehr und Umwelt. In den vergangenen zwölf Jahren habe Vetter den Jurapark massgeblich mitgestaltet. Eine Zeit, in welcher die Geschäftsstelle beispielsweise von 2 auf 15 Personen gewachsen sei und acht neue Gemeinden zum Parkperimeter dazugestossen seien (aktuell 31 Parkgemeinden). Die Parkidee habe Vetter als Präsident stets mit Leidenschaft, Engagement und Überzeugungskraft weiterverfolgt und weitergetragen. Heute sei der Jurapark Aargau etabliert und ein Schwergewicht unter den Schweizer Pärken, so Kräuchi. Im Namen des Kantons dankte er Thomas Vetter für dessen wertvolle Arbeit ganz herzlich.
Jurapark Aargau dankt mit Ehrenmitgliedschaft
Für den Jurapark Aargauer würdigte Vizepräsident Rudolf Lüscher die Verdienste von Thomas Vetter, welcher 2011 in den Vorstand und 2012 zum Präsidenten gewählt worden war. Als Umweltfachmann habe er beste berufliche Voraussetzungen für das Amt mitgebracht, so Lüscher. Er habe sich mit seiner unkomplizierten, offenen und direkten Art für den Park engagiert und viel Zeit und Kraft aufgewendet. Als Zeichen des Dankes beantragte Vizepräsident Rudolf Lüscher die Ehrenmitgliedschaft für Thomas Vetter, ein Vorschlag dem die Anwesenden gerne und mit grossem Applaus folgten.
«Etwas gar viel des Lobes», meinte Thomas Vetter in seinen Abschieds- und Dankesworten, denn schliesslich sei der Jurapark nicht personenabhängig, sondern lebe von der Teamarbeit. In den vergangenen zwölf Jahren habe er viele Highlights erleben dürfen, meinte Vetter, so etwa die Labelverleihung zur zweiten Betriebsphase. Vetter dankte insbesondere auch Christine Neff, die ihn die ganzen zwölf Jahre als Geschäftsleiterin begleitet hat. Sein Dank galt aber auch der heutigen Co-Geschäftsleiterin Anna Hoyer, seinen Vorstandskollegen, den Mitarbeitenden sowie allen weiteren Personen, die ebenfalls zum Gelingen der Parkidee beigetragen haben und es auch heute noch tun. – «Wie etwa auch mit ihrer heutigen Teilnahme» sagte Vetter an die Anwesenden gerichtet und rief dazu auf, sich weiterhin mit Freude und Enthusiasmus zu engagieren: «Es lohnt sich!»
Der neue Präsident
«Es lohnt sich!» Davon ist auch Gunthard Niederbäumer überzeugt. Der Klimawissenschaftler war unter anderem Polarforscher in Grönland, Mitglied der Schweizer Delegation an der globalen Klimakonferenz und zuständig für Nachhaltigkeit in der Versicherungsbranche. Heute engagiert er sich in verschiedenen NGOs. Er befindet sich im vorzeitigen Ruhestand und ist Vizeammann von Frick sowie Vorstandsmitglied der Regionalplanung Fricktal Regio – sowie seit einem Jahr im Vorstand des Juraparks. Dank seinen Kontakten in die Region, zum Kanton und zu Bundesstellen ein «ausgezeichneter Vorschlag» für das Amt des Jurapark-Präsidenten, wie Rudolf Lüscher sagte. Eine Ansicht, die auch die Anwesenden teilten und Gunthard Niederbäumer einstimmig zum neuen Präsidenten wählten.
Die weiteren Geschäfte
Die weiteren ordentlichen Traktanden, wie Protokoll, Jahresbericht und Jahresrechnung 2023 (mit einem Einnahmenüberschuss von knapp 18 000 Franken) sowie die Festsetzung der (unveränderten Mitgliederbeiträge) konnten durch die 22 anwesenden Gemeinden und die 46 Einzelmitglieder in Kürze behandelt und genehmigt werden.
Einblick die vielfältigen Projekte
Etwas mehr Zeit nahmen anschliessend die interessanten Einblicke in die vielfältige Arbeit des Juraparks mit seinen 31 Gemeinden und den rund 55 800 Einwohnenden, präsentiert durch die Co-Geschäftsleiterinnen Christine Neff und Anna Hoyer, in Anspruch.
Bundesbeitrag für weitere vier Jahre gesichert
Die letzten eineinhalb Jahre waren Geschäftsstelle und Vorstand stark gefordert durch die Erarbeitung der Programmvereinbarung 2025 bis 2028 an den Bund. «Über 1000 Stunden wurden investiert», stellt Christine Neff fest. Entsprechend gross ist die Freude, dass das Bundesamt für Umwelt BAFU dem Antrag entsprochen und dem Jurapark Aargau für die nächsten vier Jahre 4 Millionen Franken zugesprochen hat- – «25 Prozent mehr als für die letzte Periode», betonte Neff.
Bei den aktuellen Veranstaltungen wiesen die beiden beispielsweise auf die Ausstellung «Vom Schimmelrych bis Chrottehalde» in Kooperation mit dem Rehmann-Museum in Laufenburg, den enormen Andrang, welchen wiederum der Chriesiwäg in Gipf-Oberfrick verzeichnet hatte, oder die Sommertipps «Unterwegs im Park» (Perimukweg Biberstein, Detektiv-Trail Auenstein, Buurelandweg Wölflinswil) sowie das 777-Jahre-Jubiläum der Gemeinde Villigen mit Infotafeln zu speziellen Häusern und Brunnen sowie einem in Zusammenarbeit mit dem Jurapark gestalteten Flyer hin. Schliesslich machten die Co-Geschäftsleiterinnen auf den neuen, individuell begehbaren Bierpfad (Wölflinswil–Herznach) sowie die Aargauer Bierwanderung (Herznach–Densbüren) und die Weinwanderung im Schenkenbergertal aufmerksam.
Neu: Jurapark-zertifizierte Pflanzen bei der Zulauf AG
Erfreuliches gab es bei den Regionalprodukten zu berichten. So sind neu 3033 Jurapark-zertifizierte Pflanzen, inklusive Tipps für eine naturnahe Gartengestaltung, beim Gartencenter Zulauf in Schinznach erhältlich. Die Zulauf AG war denn auch einer der drei neuen Produzenten von zertifizierten Produkten, die an der Vereinsversammlung in Herznach geehrt werden durften. Die anderen beiden Betriebe waren das Fischergut in Rheinsulz sowie das Weingut FiBL in Frick. Im Übrigen durfte darauf aufmerksam gemacht werden, dass der Online-Shop unter der Internetadresse shop.jurapark-aargau.ch überarbeitet wurde und sich nun im neuen, attraktiven Kleid präsentiert.
Projekte für mehr Lebensraum
Bei den Projekten durfte die Co-Geschäftsleitung beispielsweise auf den neuen nischenreichen Lebensraum für den bedrohten Steinkauz am Siedlungsrand von Oeschgen hinweisen. Mit dem Projekt «Hochstammobstgarten Amle» setze die Gemeinde Oeschgen ein Zeichen für mehr Natur und intakte Kulturlandschaft. Das nun fertig gebaute Kleinod ist das Resultat einer engen Zusammenarbeit zwischen der Gemeinde Oeschgen, dem Pächter Pascal Ehrsam, BirdLife Schweiz, dem lokalen Naturschutzverein, Freiwilligen der Seniorengruppe «Grauschnäpper» und dem Jurapark. Letzten Freitag konnte es offiziell eröffnet werden. «Ein Besuch lohnt sich», betonte die Co-Geschäftsleitung.
Ein weiteres Projekt ist in Mandach angelaufen. Im Rahmen des Grossprojekts «Biodiversität Landschaft Mandach» zusammen mit apiaster GmbH hätten als erste Massnahmen etwa 80 m2 Trockenmauer, 1111 m Hecken sowie 27 Weiher realisiert werden können. Eine besondere Freude sei, so Christine Neff, das grosse Interesse der Bevölkerung und wie viele Landwirte sich am Projekt beteiligten. «Dieses Projekt lebt mit der Bevölkerung», betonte sie.
Jurapark-Charta
Foodlabor (wie gelangen Regionalprodukte besser in die Gemeinschaftsgastronomie?), Natureinsätze von Firmen, Aufwertung Lebensraum Wiesel, Schulmodule («Draussen unterrichten»), Rallabor (Forschungsprojekt mit Realbezug und künftigen Realexperimenten), die Wegleitung «Nachhaltige Veranstaltungen» – auch zu diesem Themen gewährten Christine Neff und Anna Hoyer kurze Einblicke. Schliesslich wiesen sie auch auf die «Jurapark-Charta für Gemeinden» hin, welche einer zukunftsfähigen Gemeindeentwicklung dienen soll. 27 der total 31 Gemeinden hätten ein Mittun zugesagt, freuten sich die Co-Geschäftsleiterinnen. Hierzu findet am 25. Juni in Oberhof eine Impulsveranstaltung statt. Das Thema: «Nachtdunkelheit – Lichtemissionen».
Problem 24-h-Betrieb im Wald
Bevor der Jurapark Aargau die Anwesenden zum Apéro mit Regionalprodukten einladen durfte, meldet sich unter Verschiedenes ein Versammlungsteilnehmer zu Wort. Wie er erklärte, sei der 24-Stunden-Betrieb im Wald (Wanderer, Jogger, Biker), teils mit Hightech-Lampen, ein zunehmendes Problem. Er bat darum, wenn möglich geeignete Massnahmen zu ergreifen und diesbezüglich beim Kanton zu intervenieren. Wie Christine Neff erklärte, seien dem Jurapark in diesem Bereich die Hände gebunden, liege die Hoheit Wald doch beim Kanton. Der Jurapark könne lediglich «seine guten Dienste» anbieten, beispielsweise in Zusammenhang mit einem «Runden Tisch», zu welchem die verschiedenen Interessensgruppen eingeladen würden. Doch bei Bikern stelle sich oftmals auch das Problem, dass diese nicht organisiert und als Individuen unterwegs seien.
Viele weitere Infos zum Jurapark Aargau und seinen vielfältigen Tätigkeiten auf der Internetseite unter www.jurapark-aargau.ch
Bilder