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Alle Wildbienen brauchen genügend Blütenangebot, um ihren Nachwuchs zu ernähren. Hier auf dem Wilden Majoran. Foto: Sarah Grossenbacher
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Die Blauschwarze Holzbiene ist Biene des Jahres 2026

(pd) Zum zweiten Mal hat BienenSchweiz zusammen mit der Schweizer Bevölkerung die Biene des Jahres gewählt. Klare Siegerin ist die Blauschwarze Holzbiene (Xylocopa violacea), eine sanftmütige Riesin mit grossen blau-violetten Flügeln. Aber wer ist sie eigentlich? Und was brauchen sie und ihre Wildbienen-Schwestern?

Mit ihren 2 bis 3 cm Grösse ist die Blauschwarze Holzbiene (Xylocopa violacea) eine der grössten Wildbienen in der Schweiz. Ihren deutschen Namen verdankt sie ihrer besonderen Nistweise: Als grosse Holzarchitektin nagt sie fingerdicke, bis zu 30 cm lange Gänge ins Holz. Das Sägemehl mischt sie dann zusammen mit Speichel, um die einzelnen «Kinderzimmer» zu trennen. In jede Brutkammer legt sie dann ein Ei und reichlich Pollenproviant. Sie ist eine der wenigen Wildbienen, die ihren Nachwuchs im Spätsommer schlüpfen sieht. Bis es so weit ist, bewacht sie aufmerksam den Eingang. Sie ist aber sehr friedfertig, auch wenn ihr lautes Brummen schon von weitem zu hören ist.

Kleine und grosse Farbtupfer
Man erkennt sie gut an ihren blau schillernden Flügeln und ihrem schwarzen Körper. Und natürlich ihrer Grösse! Die Männchen haben am oberen Ende ihrer Fühler gelb-orange Farbtupfer. In der Schweiz gibt es drei Holzbienen-Arten, sie sehen einander aber bis auf die etwas kleinere sehr ähnlich. Die Holzbiene Xylocopa iris ist seltener und tatsächlich „nur“ 14-16 mm gross. Bis vor Kurzem kam sie hierzulande nur in der wärmeren Südschweiz vor, seit ein paar Jahren sieht man sie auch weiter im Norden.

Schmetterlings- und Lippenblütler zum Auftanken
Die Holzbiene sammelt Pollen und Nektar an verschiedenen Pflanzen. Besonders gern mag sie Schmetterlingsblütler, Korbblütler und Lippenblütler. Oft trifft man sie an Platterbsen oder Staudenwicken oder auch duftenden Kräutern wie Wilden Majoran. Platterbsen sind übrigens auch bei mehreren Blattschneiderbienen beliebt. Die Platterbsen-Mörtelbiene hat ihren Namen sogar von ihren «Lieblingspflanzen».

Auf der Suche nach einem holzigen Nistplatz
Im Frühjahr sieht man die Blauschwarze Holzbiene oft, wie sie Hauswände, Bäume und dicke Äste nach einem geeigneten Nistplatz absucht. Wie die meisten Wildbienen kann auch sie mit klassischen Insektenhotels nichts anfangen. Sie braucht richtiges Holz. Je dicker, desto besser.

Totholz – von wegen tot!
Totholz ist ein wertvolles zu Hause, Versteck oder Nistplatz für viele Tiere. Als erstes denkt man vielleicht an Igel, die im Schutz des Geästs gut getarnt überwintern. Auch Eidechsen, Vögel, Haselmäuse und verschiedenste Insekten finden ihn ihnen wertvollen Schutz und Nahrung. So auch die Blauschwarze Holzbiene. Sie überwintert nicht nur oft in Totholz, sondern zieht dort auch die nächste Generation heran.

Sie ist auf sonnenbeschienene Totholzstrukturen wie abgestorbene Bäume oder dicke Äste angewiesen. Früher gab es deutlich mehr Streuobstwiesen als heute, wo viele Holznistende Wildbienen gern ihren Nistplatz einrichteten. Die grosse Holzbiene selbst bevorzugt totes, aber noch festes Laubholz, etwa von Pappel, Weide oder Apfel.

Vielfalt schützen
Nicht alle Wildbienen haben eine so «laute Stimme» wie die Holzbiene. Die meisten Wildbienenarten nisten unscheinbarer im Boden und sind stark gefährdet. Knapp die Hälfte der Wildbienenarten in der Schweiz sind bedroht. So unterschiedlich sie auch sind, sie brauchen alle ein vielfältiges Blütenangebot und naturnahe Nistplätze. Manche von ihnen sind stark spezialisiert und sammeln Pollen nur an einzelnen Pflanzengattungen oder -familien, was sie besonders verletzlich macht, wenn ihre «Lieblingspflanzen» aus Landschaften verschwinden.

Der wichtigste Wildbienenschutz bleibt, wertvolle Lebensräume wie Auengebiete oder Kiesgruben, extensiv genutzte Wiesen und Ruderalflächen zu erhalten und neue naturnahe Lebensräume mit einem riesigen Blütenbuffet zu schaffen, wo keine Insektizide angewendet werden. 

Bild: Alle Wildbienen brauchen genügend Blütenangebot, um ihren Nachwuchs zu ernähren. Hier auf dem Wilden Majoran. Foto: Sarah Grossenbacher