(vaka) Gestern Nachmittag fand der Gesundheitspolitische Anlass 2026 im Stapferhaus Lenzburg statt. Über 100 Aargauer Politikerinnen und Politiker sowie Vertreterinnen und Vertreter des Kantons und unserer Partnerverbände nahmen teil und informierten sich über das Aargauer Gesundheitswesen «Gesundheitsversorgung unter Druck: Wenn Lücken zur Realität werden».
Die Gesundheitsversorgung im Kanton Aargau steht zunehmend unter Druck. Erste Versorgungslücken sind bereits sichtbar. Ohne innovative Versorgungsmodelle, die enge Zusammenarbeit aller Leistungserbringer sowie gezielte politische Weichenstellungen droht eine Verschlechterung der Behandlungsqualität. Das Schweizer Gesundheitssystem geniesst international hohes Ansehen. Gleichzeitig führen die stark fragmentierten Zuständigkeiten zwischen Bund, Kantonen, Gemeinden, dem Bundesamt für Gesundheit (BAG), Swissmedic und Fachgesellschaften zu langsamen Entscheidungsprozessen und wachsender Bürokratie. Besonders deutlich zeigt sich dies in den ständig steigenden administrativen Anforderungen sowie der fragmentierten Finanzierung und Steuerung.
Attraktivität der Gesundheitsberufe sinkt
Die Attraktivität der Gesundheitsberufe nimmt ab. Die Arbeitsbelastung steigt, während die Löhne unter Druck geraten. Gleichzeitig reichen die Ausbildungszahlen bei Ärztinnen und Ärzten sowie Pflegefachpersonen nicht aus, um den künftigen Bedarf zu decken.
Bis 2030 wird die Zahl der über 80-jährigen Personen im Kanton Aargau deutlich zunehmen. Damit steigt auch die Zahl der chronisch kranken Menschen und der Bedarf an medizinischen Leistungen. Leider nimmt die Hausärztedichte im Kanton Aargau laufend ab und gehört zu den Tiefsten in der ganzen Schweiz. Dadurch werden immer mehr hausärztliche Leistungen in die Spitäler verlagert.
Regionalspitäler gezielt stärken
Regionalspitäler sind zentral für die wohnortsnahe Versorgung. Gleichzeitig stehen sie unter starkem finanziellem Druck. Werden Leistungen abgebaut, verlagert sich die Versorgung in die Zentren. Das verschlechtert den Zugang und erhöht die Kosten. Es braucht eine klare Strategie für die regionale Versorgung. Ebenso notwendig ist eine aktive Unterstützung des Kantons im Strukturwandel.
Lösungsansätze für den Turnaround
Die Herausforderungen sind gross, aber lösbar. Gefordert sind: Vereinfachte gesetzliche Rahmenbedingungen und weniger Bürokratie; neue Versorgungsmodelle wie Gesundheitszentren mit und ohne OP, ambulante Versorgung und Walk-in-Strukturen; eine bedarfsgerechte Weiterentwicklung der Spitalliste; Investitionen in Digitalisierung und Interoperabilität; attraktivere Arbeitsbedingungen für Fachkräfte; kostendeckende Abgeltung von gemeinwirtschaftlichen Leistungen.
Psychiatrische Versorgung flexibel und innovativ gestalten
Psychische Erkrankungen betreffen jährlich rund ein Drittel der Bevölkerung. Gesellschaftli-che Entwicklungen wie die Digitalisierung, Leistungsdruck und globale Unsicherheiten ver-stärken den Bedarf zusätzlich. Um diesen Bedarf bewältigen zu können, ist die gute Zu-sammenarbeit von ambulanten und stationären Leistungserbringer zentral. Nach einem stationären Aufenthalt kann die Psychiatrie-Spitex die Patientinnen und Patienten ambulant weiter betreuen. Um den steigenden Bedarf zu decken, braucht es flexible und integrierte Versorgungsmodelle. Dazu gehören unter anderem Stepped-Care-Ansätze (gestufte Ver-sorgung), eine verbesserte Triagierung sowie eine engere Zusammenarbeit der Leistungs-erbringer. Ebenso zentral sind bessere Rahmenbedingungen für einen durchgängigen Da-tenaustausch und die Finanzierung von Koordinationsleistungen.
Zu wenige Pflegeheimplätze belasten die Akutversorgung und verteuern das Gesundheitswesen unnötig
Die Pflegeheime im Kanton Aargau verzeichnen trotz eines Anstiegs auf rund 7000 Plätze eine Rekordauslastung von 98 Prozent (Stand 2025). Die Zahl der schwer pflegebedürftigen Personen nimmt zu. Bis 2035 erwartet der Regierungsrat einen zusätzlichen Bedarf von 1500 Pflegeheimplätzen. Auch bis 2055 wird durch die demografische Entwicklung ein massiver Anstieg der Nachfrage nach stationärer und ambulanter Pflege prognostiziert.
Aktuell geplante Erweiterungen für 150 Pflegeheimplätze reichen nicht aus, um den Bedarf zu decken. Medizinisch nicht indizierte Spitaleintritte oder unnötig lange Spitalaufenthalte sind die Folge. Beides verteuert das Gesundheitswesen ohne Nutzen. Finanzielle Fehlanreize – Ge-meinden tragen die Kosten für den Ausbau der Pflege, während der Kanton durch Entlastung der Spitäler profitiert – erschweren die Situation zusätzlich.
Lösungsansätze für eine nachhaltige Pflegeversorgung
Um die Spitalversorgung zu entlasten und eine bedarfsgerechte Pflege zu gewährleisten, ist ein gezielter Ausbau der Pflegeversorgung notwendig. Der Kanton ist gefordert, die Ge-sundheitsversorgung entlang der gesamten Behandlungskette sicherzustellen, zu planen und zu finanzieren, wie es die einheitliche Finanzierung ambulant und stationär (EFAS) vorsieht.
Fakten zur vaka
Die vaka ist der Verband von über 154 Aargauer Spitälern, Kliniken, Pflegeinstitutionen und Spitex-Organisationen, die mit ihren gut 31 000 Mitarbeitenden tagtäglich stationäre und ambulante Leistungen erbringen und damit für eine umfassende und qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung im Kanton Aargau sorgen. Die vaka vertritt die Interessen ihrer Mitglieder gegenüber Kostenträgern, Politik und Behörden sowie der Öffentlichkeit. Damit ist die vaka der grosse Gesundheitspartner im Kanton Aargau. Die vaka ist Mitglied bei den nationalen Verbänden H+ Die Spitäler der Schweiz, Curaviva und Spitex Schweiz. Sie bringt sich dort regelmässig aktiv ein.