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Littering in der Schweiz nimmt kontinuierlich ab

(igsu) Seit 2015 gibt eine breit angelegte Umfrage des Schweizer Kompetenzzentrums gegen Littering IGSU Aufschluss über die Littering-Situation in der Schweiz. Die neusten Ergebnisse zeigen, dass sich die Situation weiter entspannt. Besonders positiv fällt die Befragung in der italienischen Schweiz aus.

Plakat-Kampagnen, Raumpatenschaften, Anti-Littering-Aktionen, Ausbau der Abfallinfrastruktur, Umweltunterricht an Schulen, Littering-Bussen – über die Jahre haben Gemeinden und Städte, oft in Zusammenarbeit mit dem Schweizer Kompetenzzentrum gegen Littering IGSU, ausgeklügelte Massnahmen-Mixe gegen Littering entwickelt. Nachdem sich Städte und Gemeinden um die Jahrtausendwende aufgrund von verändertem Freizeitverhalten, vermehrtem Unterwegskonsum und steigende Bevölkerungszahlen mit einer Zunahme des Litterings konfrontiert sahen, nimmt das Littering seit Längerem wieder ab. Das bestätigen auch die neusten Ergebnisse der jährlichen Umfrage der IGSU: Die Befragung wird seit 2015 durchgeführt und dokumentiert seither im Schnitt eine stetige leichte Verbesserung. «Dass die Massnahmen gegen Littering wirken, freut uns sehr», betont IGSU-Geschäftsleiterin Nora Steimer. «Politik, Wirtschaft, Verbände und nicht zuletzt die mediale Berichterstattung sorgen seit Jahren dafür, dass das Bewusstsein für die Littering-Problematik in der Schweiz zunimmt.»

Auswertung zeigt Aufwärtstrend
2024 haben die IGSU-Botschafter-Teams an 34 Orten in der ganzen Schweiz 2277 Personen zur Littering-Situation befragt. Dieses Jahr waren 8,3 Prozent der Befragten der Meinung, dass am Ort der Befragung «eher viel» oder «viel» gelittert wird. 81,4 Prozent finden hingegen, dass vor Ort «eher wenig» bis «wenig» Littering liegt; 2023 waren mit 81,2 Prozent minimal weniger Befragte dieser Meinung. Im Hinblick auf Littering in der gesamten Schweiz, hat sich die Situation über viele Jahre hinweg deutlich verbessert: Während 2015 noch 25 Prozent der Befragten der Ansicht waren, dass in der Schweiz «eher viel» oder «viel» gelittert wird, waren es 2024 nur noch 16 Prozent. Die Frage, wie stark sich die Befragten von Littering gestört fühlen, wurde vergangenes Jahr erstmals auf zwei spezifischere Fragen ausgeweitet: Die Befragten wurden neu danach gefragt, wie gestört sie sich vom Littering in der gesamten Schweiz fühlen, und wie störend sie das Littering am Ort der Befragung empfinden. Auch hier sind die Verbesserungen signifikant: Während sich 2023 noch 25 Prozent von Littering vor Ort gestört fühlen, stören sich heute nur noch 20 Prozent daran. Im Hinblick auf die gesamte Schweiz sorgt die Littering-Situation vergleichsweise für mehr Kopfschütteln, doch auch hier zeigt sich eine Verbesserung: 2023 störten sich 76 Prozent an der Littering-Situation in der Schweiz, 2024 waren es noch 65 Prozent. Dass sich die Befragten deutlich mehr an Littering in der gesamten Schweiz als an Littering am Ort der Befragung stören, ist gemäss dem Umweltpsychologen Ralph Hansmann von der ETH Zürich auf mögliche negative eigene Erfahrungen an anderen Orten und auf Medienberichte zurückzuführen, die gezielt über Problemzonen informieren.

Italienische Schweiz am optimistischsten
In den diesjährigen Ergebnissen fällt zudem auf, dass die italienische Schweiz sowohl das Littering vor Ort als auch das Littering in der gesamten Schweiz nun markant weniger schlimm bewertet: Auffällig ist auch, dass Personen über 65 Jahre grundsätzlich eine negative Veränderung der Littering-Situation wahrnehmen, während alle anderen Altersgruppen eine Verbesserung feststellen. «Unser Ziel ist es, das Littering weiter zu reduzieren, so dass sich jede Altersgruppe wohlfühlt», bekräftigt Nora Steimer. «Deshalb werden wir die Massnahmen gegen Littering weiter umsetzen und ausbauen.»
Um Massnahmen weiterentwickeln zu können, ist die IGSU seit vielen Jahren in der wissenschaftlichen Forschung aktiv. Aktuell untersucht sie in einer grossen Schweizer Littering-Studie, welche Massnahmen in welchen Situationen gegen Littering wirken. Die Studie ist nun so weit fortgeschritten, dass ab Frühling 2025 erste Anti-Littering-Massnahmen im Feld getestet werden können. In der ersten Testreihe wird die IGSU dabei gemeinsam mit Wissenschaftlerinnen der Hochschule für Angewandte Psychologie FHNW die Wirkung von verschiedenen Anti-Littering-Massnahmen in Picknick- und Freizeitzonen untersuchen.

Zum Schmunzeln und zum Nachdenken anregen
Die Massnahmen werden in mehreren Schweizer Städten getestet, die sich als Partner für die Studie zur Verfügung gestellt haben. Die Zusammenarbeit von Städten, Gemeinden und der IGSU ist aber auch ausserhalb der Forschung wichtig. Die Städte und Gemeinden setzen nicht nur auf Massnahmen der IGSU, wie die IGSU-Botschafter-Teams, den nationalen IGSU Clean-Up-Day oder auf Raumpatenschafts-Projekte, sie sind auch selbst aktiv und haben über viele Jahre Erfahrungen im Umgang mit Littering gesammelt. In Olten setzt man beispielsweise auf Humor, um dem Littering Herr zu werden: «Wir setzen gerne auf aussergewöhnliche Aktionen, die zum Schmunzeln, aber auch zum Nachdenken anregen, wie beispielsweise sprechende Abfalleimer, Ausmalhefte für Kinder oder die letztjährige Ausstellung, die an mehreren Orten in der Stadt aufzeigte, wie viel Littering in einer Woche anfällt», erklärt René Wernli, Leiter Werkhof Olten. Die Stadt Rapperswil spannt zudem auch Sozialhilfe-Bezüger ein, um die Stadt sauber zu halten und um zu verhindern, dass herumliegender Abfall weiteres Littering nach sich zieht. «Die Infrastruktur im öffentlichen Raum wird ständig ausgebaut und mit hochwertigen Abfallkübeln, Hundekot-Entsorgungssystemen oder Parkbänken ersetzt», ergänzt Peter Lanz, Umweltbeauftragter der Stadt Rapperswil-Jona. Auch in Bern wurde die Infrastruktur ausgebaut: Um zu verhindern, dass im Sommer an der Aare erneut viele Gummiboote und weiteres Littering-Gut liegenbleiben, hat die Stadt Entsorgungsstationen eingerichtet und 140 mobile Abfalleimer aufgestellt. Patric Schädeli, Abteilungsleiter Betrieb + Unterhalt der Stadt Bern betont zudem: «Um dem Thema mehr Gewicht zu verleihen, spannt die Stadt mit allen Aare-Gemeinden von Thun bis Bern zusammen.»

Kleine Handlungen, grosse Wirkung
Der Kanton Tessin setzt den Fokus auf die Sensibilisierung und Bewusstseinsbildung von jungen Menschen: Das Tessiner Büro für Umwelterziehung schult jedes Jahr über 2000 Schülerinnen und Schüler im Umgang mit Abfall. «Wir zeigen ihnen zudem auf, welche negativen Folgen Littering für die Umwelt hat, und fördern ihr Bewusstsein dafür, dass auch kleine Handlungen im Alltag einen Einfluss auf unseren Planeten haben können», so Giulia Curti vom Departement für Umwelt des Kantons Tessin. Und die Stadt Vevey setzt neben jährlichen Kampagnen unter anderem auf Sensibilisierungs-Kampagnen und Aufräum-Aktionen wie den «Coup de balai». Zudem hat das Büro für Nachhaltigkeit einen Lehrpfad zum Thema ‹urbane Biodiversität› mit Schwerpunkt Littering im Wald eingerichtet.