(vw) Eltern zu sein ist keine leichte Aufgabe. Man muss seine Jungen grossziehen, für ihre Bedürfnisse sorgen und sie vor Gefahren schützen. Eine neue Studie der Vogelwarte zeigt, dass der Rotmilan bei der Verteidigung des Nestes gegen Fressfeinde die Nahrungssituation berücksichtigt.
Die Forschenden der Vogelwarte fanden heraus, dass beim Rotmilan die Verteidigung der Nestlinge mit dem Nahrungsangebot variiert. In einem Fütterungsexperiment konnten sie zeigen, dass bei wenig Nahrung frischgeschlüpfte Nestlinge verletzlicher sind, was wiederum die Aggressivität der Eltern bei deren Verteidigung erhöht. Bei günstigen Nahrungsbedingungen wiederum verteidigen die Eltern ihre Jungen am Ende der Nestlingszeit besonders stark.
Diese Ergebnisse bestätigen zwei Hypothesen: Die nahrungsbedingte Verletzlichkeit der Jungen erhöht erstens die Fürsorge der Eltern am Anfang der Nestlingszeit. Und zweitens erhöhen gute Nahrungsbedingungen die elterlichen Investitionen am Ende der Nestlingszeit. Die neue Studie liefert spannende Einblicke in die Erforschung der Brutpflege des Rotmilans und zeigt das grosse Spektrum der Anpassungsfähigkeit dieses charismatischen Greifvogels.
Bild: Beim Rotmilan gehört es zu den elterlichen Pflichten, das Nest gegen Räuber zu verteidigen: Die Eltern versuchen, Feinde abzuwehren, indem sie diese in der Luft bedrängen, sei es durch Angriffe oder durch lautes Schreien. Foto: Adobe Stock