(pd) Am 11. März wurde ein Zwergflusspferd-Männchen im Zolli geboren. Die Freude über das Geschlecht des Jungtiers ist gross: Zuletzt kam 1997 ein Männchen im Zolli zur Welt. Die Mutter ist Ashaki (19), der Vater Napoleon (17). Voobadee, so der Name des jungen Bullen, und Ashaki sind wohlauf. Besucherinnen und Besucher können die beiden auf der Aussenanlage beobachten. Zudem ist das Nashornhaus wieder geöffnet.
Am Abend des 11. März kam das Junge gegen 23.00 Uhr im Stall zur Welt. Der Bulle wog bei der Geburt 6,9 Kilogramm – ein zufriedenstellendes Geburtsgewicht. Für Mutter Ashaki (19) und Vater Napoleon (17) ist es bereits der 6. Nachwuchs. Die fünf vorherigen Jungtiere waren allesamt Weibchen. Knapp zwei Monate lang blieb Voobadee mit seiner Mutter in der warmen Innenanlage mit beheiztem Bad, welche für das Zoo-Publikum nicht zugänglich ist. Am 4. Mai 2024 betrat das Junge erstmals kurz die Aussenanlage. Napoleon ist, von Mutter und Jungtier getrennt, auf der Bullenanlage unterwegs.
Scheue Einzelgänger im dichten Regenwald
Zwergflusspferde leben in einem kleinen Verbreitungsgebiet im sumpfigen Regenwald Westafrikas. Bei Gefahr fliehen sie. Ihr gedrungener Körperbau ist perfekt an ihre Lebensweise angepasst und hilft ihnen, sich flink im dichten Unterholz fortzubewegen. Zwergflusspferde sind nachtaktiv und ernähren sich von Wasserpflanzen, Blättern, Knollen und Früchten. Sie sind Einzelgänger und leben in Revieren. Männchen und Weibchen treffen sich nur zur Fortpflanzung. Danach zieht das Männchen weiter – weshalb Bulle Napoleon im Zolli getrennt von Weibchen Ashaki und Jungtier Voobadee lebt. Nach rund 200 Tagen Tragzeit bringt das Weibchen in der Regel ein Junges zur Welt. Sie verbringt die erste Zeit mit dem Jungtier und säugt es sechs bis acht Monate lang. Im Zolli bleibt das Zwergflusspferd-Jungtier etwa ein Jahr bei der Mutter.
Partnervermittlung
Seit 1992 wird das EAZA Ex-situ-Programm (EEP, Erhaltungszuchtprogramm der European Association of Zoos and Aquaria) für Zwergflusspferde in Basel koordiniert. Dabei handelt es sich um eine «Partnervermittlung für Zootiere», bei der die genetischen Voraussetzungen für eine mögliche Verpaarung ausschlaggebend sind. Am besten geeignet sind Partner, die nicht verwandt sind und genetisch möglichst variable Jungtiere produzieren. Ziel ist es, die europäische Population möglichst divers zu erhalten. Alle Verwandtschaftsverhältnisse der Tiere werden im Zuchtbuch genau festgehalten. In der EEP-Population für Zwergflusspferde gibt es – untypisch für solche Programme – zu wenig Männchen. Das macht die Geburt von Voobadee umso erfreulicher. Gemäss Einschätzung 2015 der IUCN (International Union for Conservation of Nature) gibt es in der Wildbahn noch 2’000 bis 2’500 erwachsene Tiere; Tendenz sinkend. Zwergflusspferde sind stark bedroht, da ihr Lebensraum zerstört und die Tiere wegen ihres Fleisches gejagt werden. Mit Naturschutzprojekten vor Ort soll das Aussterben der Tierart verhindert werden. Der Zoo Basel unterstützt mit den Einnahmen aus dem freiwilligen Naturschutzfranken zum Beispiel ein Projekt in Sierra Leone.
Sanierung Nashornhaus abgeschlossen
2023/2024 wurden diverse Sanierungsmassnahmen am Nashornhaus vorgenommen: Das Dach des Haupthauses wurde neu abgedichtet, isoliert und eine Photovoltaik-Anlage darauf installiert. Zudem wurden die Futterkrippen für die Nashörner verbreitert und eine neue Ausstellung zum Thema «Tierhaltung im Wandel der Zeit» im Erdgeschoss installiert. Im ersten Stock werden die fünf noch vorkommenden Nashornarten vorgestellt. Zu guter Letzt zeigt ein neues Terrarium künftig Braune Landschildkröten (Manouria emys).
Das Nashornhaus des Zoo Basel, entworfen von Max Rasser und Tibère Vadi, wurde 1959 eröffnet. Umfassend saniert, umgebaut und erweitert wurde das heute 65-jährige Haus 2006. Das Dach des Haupthauses wurde damals nicht angefasst. Entsprechend befand es sich per 2023 in einem renovierungsbedürftigen Zustand. Bei einer Prüfung des Hausinneren tauchten zudem statische Schwachpunkte auf, die es zu beheben galt. Die Ingenieure verwiesen als Ursache auf den Ehrgeiz Rassers und Vadis in möglichst leichten Strukturen zu bauen. So hatte das Haus von Anfang an wenig statische Reserven. Da auch die Ausstellung nach 16 Jahren im Einsatz wortwörtlich «in die Jahre» gekommen war, sollten die Ausstellungselemente ebenso ersetzt werden.
Nachhaltige Baumassnahmen
Im Laufe des Jahres 2023 konnten die erwähnten Arbeiten am Nashornhaus ausgeführt und Ende Mai 2024 abgeschlossen werden. Konkret wurden folgende baulichen Massnahmen umgesetzt: Die Statik des Hauses wurde verbessert. Gleichzeitig wurde das Dach saniert, wodurch sich die Energieeffizienz des Hauses verbessert, und mit einer Photovoltaik-Anlage versehen. Mittels Solarzellen wird damit Sonnenlicht direkt in elektrische Energie umgewandelt. Die Photovoltaik-Elemente haben eine Leistung von rund 37.8 Kilowattpeak und dürften einen Jahresertrag von ca. 35’000 Kilowattstunden an den Strombedarf des Zoo Basel beisteuern. Als Grossverbraucher benötigt der Zolli jährlich eine Strommenge von 2.6 Millionen Kilowattstunden, um für Tiere, Publikum und Mitarbeiter:innen optimale Bedingungen zu gewährleisten. Mit Unterzeichnung einer Universalzielvereinbarung hat sich der Zoo Basel bereits 2018 verpflichtet, im täglichen Betrieb und bei allen Um- und Neubauten nach Optimierungspotential zu suchen und Massnahmen zur Reduktion des Wärme- und Stromverbrauchs und des CO2-Ausstosses zu ergreifen. Entsprechend begrünt der Zolli heute alle Flachdächer intensiv, zum Beispiel das Affenhausdach, oder bestückt sie mit Photovoltaik-Elementen. Nebst dem Nashornhaus ist die Schreinerei, das Elefantenhaus und das Mehrfamilienhaus an der Oberwilerstrasse mit Photovoltaik ausgerüstet.
Gebaut für Tiere…
Nebst den Massnahmen rund um Statik und Energieoptimierung wurden für die Nashörner die Futterkrippen verbreitert und es wurde im ersten Stock ein neues Terrarium für eine asiatische Riesenschildkrötenart, die Braunen Landschildkröten (Manouria emys), errichtet. Die Braunen Landschildkröten, deren Wildtierbestand laut Weltnaturschutzunion (IUCN, International Union for Conservation of Nature) vom Aussterben bedroht ist, leben im selben Habitat wie die Panzernashörner (Rhinoceros unicornis). Ihr Bestandesrückgang ist zurückzuführen auf das übermässige Sammeln für den menschlichen Verzehr und den Verlust von Lebensraum. Sie sind in feuchten, immergrünen Laubwäldern zu Hause, baden oft im flachen Wasser oder graben sich im feuchten Boden ein. Sie werden bis zu 60 cm lang und sind sehr aktiv.
… und für das Besuchererlebnis
Das Bildungskonzept des Nashornhauses beleuchtet die «Tierhaltung im Wandel der Zeit». So zeigt die Ausstellung im Erdgeschoss die Geschichte der Haltung von Panzernashörnern im Zoo Basel auf. Ebenfalls thematisiert wird die bedeutende Rolle, die dem Zolli in der Erhaltungszucht der Panzernashörner zukommt, welche Beiträge er für die bessere Haltung der Tiere in Menschenobhut geleistet hat – und immer noch leistet – und was er in situ (vor Ort) unternimmt, um die Panzernashörner zu schützen. Im ersten Stock wird das Publikum weiterhin über die fünf Nashornarten, ihren Bestand und ihre Gefährdungsklassen gemäss IUCN informiert. Auch für Kinder gibt es viel zu entdecken: Im Erdgeschoss können sie anhand verschiedener Illustrationen einen Tag im Leben des jungen Nashorns «Rudra» miterleben. Die im Gamgoas-Haus beliebte Nashorn-Skulptur steht nun im ersten Stock des Nashornhauses. Ausserdem sind alle fünf Nashornarten mit Hornabgüssen versehen, die angefasst werden dürfen.
Sämtliche Umbauarbeiten am Nashornhaus wurden begleitet von der Salathé Architekten Basel AG. Die Firma Dolder beteiligte sich anlässlich ihres 125-jährigen Jubiläums, das sie im Jahr 2023 feierte, mit einem namhaften Betrag an der Finanzierung des Umbaus. Für diese generöse Geste bedankt sich der Zoo Basel herzlich. Denn bereits 1998, zum 100-Jahr-Jubiläum, liess die Dolder AG dem Zolli eine grosszügige Zuwendung zukommen. Solche Gönner machen Unmögliches möglich!