(pd) Pro Natura Aargau unterstützt die vom Regierungsrat vorgeschlagene Anpassung des Richtplans zu den Fruchtfolgeflächen grundsätzlich. Gleichzeitig fordert die Umweltorganisation, Boden- und Wasserpolitik zusammenzudenken. Der trockene Sommer 2026 zeigt: Ernährungssicherheit braucht nicht nur fruchtbare Böden, sondern auch genügend Wasser und eine Landschaft, in der Wasser und Gewässer wieder mehr Raum erhalten.
Über Generationen galt es als Fortschritt, Wasser möglichst rasch abzuleiten: Böden wurden drainiert, Feuchtgebiete trockengelegt, Bäche eingedolt und Flüsse begradigt. Damit wurde Land nutzbar gemacht – gleichzeitig gingen natürliche Wasserspeicher und Rückhalteräume verloren.
«Im Klimawandel müssen wir diese Logik teilweise umkehren», schreibt Pro Natura Aargau in einer Medienmitteilung. Trockene Sommer würden zur Herausforderung, gleichzeitig würden Starkregen und Hochwasser zunehmen.
«Wir brauchen gute Böden – und gleichzeitig eine Landschaft, die Wasser aufnehmen und zurückhalten kann», sagt Matthias Betsche, Geschäftsführer Pro Natura Aargau und Grossrat. «Dafür müssen wir Wasser wieder länger in unserer Landschaft halten und Feuchtgebieten, Bächen, Flüssen und Auen mehr Raum geben.»
Wasser zurückhalten und Gewässer wiederbeleben
Der Aargau hat mit der Wasserstrategie, der Revitalisierungsplanung, dem Auenschutzpark und dem Gegenvorschlag zur Gewässer-Initiative wichtige Weichen gestellt. Bis 2060 sollen 1000 Hektaren Feuchtgebiete geschaffen werden. Dass Landwirtschaft, Naturschutz, Regierung und Parlament den Ausbau der Feuchtgebiete gemeinsam beschlossen haben, ist ein grosser Erfolg.
Umso weniger verständlich sind aktuelle Forderungen, Ausdolungen von Bächen infrage zu stellen oder die Weiterentwicklung des Auenschutzparks zu stoppen.
Revitalisierte, naturnahe Bäche und Flüsse bremsen den Abfluss, schaffen Rückhalteräume, helfen bei Hochwasser und können lokal zur Grundwasserneubildung beitragen. Indem sie Wasser länger in der Landschaft halten und die Grundwasserneubildung unterstützen, stärken sie den lokalen Wasserhaushalt. Zugleich schaffen sie vielfältige Lebensräume für Tiere und Pflanzen.
«Unsere Gewässer sind die Lebensadern des Wasserkantons Aargau. Der Klimawandel kann kein Argument dafür sein, Bäche unter der Erde zu lassen», sagt Betsche. «Im Gegenteil. Wir müssen sie wieder ans Licht holen – naturnah, beschattet und mit genügend Raum. Gerade der Klimawandel ist ein Grund für Revitalisierungen und die Stärkung des Wasserhaushalts, nicht dagegen».
Pro Natura Aargau fordert deshalb auch, Flächen mit hohem Feuchtgebietspotenzial nicht für neue Fruchtfolgeflächen zu beanspruchen, sondern ihr Potenzial für die Wiederherstellung von Feuchtgebieten zu erhalten und dort zu nutzen, wo dies sinnvoll ist.
Auenschutzpark als Erfolgsgeschichte weiterentwickeln
Pro Natura Aargau begrüsst zudem ausdrücklich, dass der Regierungsrat die weitere Umsetzung des Auenschutzparks ermöglichen will. Der Auenschutzpark Aargau ist eine Erfolgsgeschichte. In den vergangenen Jahrzehnten wurden damit entlang der Aargauer Flüsse wertvolle Auenlandschaften wiederhergestellt und für Natur und Bevölkerung erlebbar gemacht.
Auen gehören zu den artenreichsten und wertvollsten Landschaften des Aargaus. Gleichzeitig leisten sie viel für uns Menschen: Sie geben Hochwasser Raum, halten Wasser länger in der Landschaft und können lokal zur Grundwasserneubildung beitragen. Damit stärken sie den lokalen Wasserhaushalt und bieten gleichzeitig attraktive Erholungsräume.
«Wir machen Auen nicht für eine Statistik», betont Betsche. «Das eine Prozent in der Kantonsverfassung ist ein Mindestziel und keine Obergrenze. In einer Zeit mit heisseren Sommern, Trockenperioden und stärkeren Extremereignissen werden lebendige Flusslandschaften noch wertvoller.»
Pro Natura fordert deshalb, das FFF-Kontingent für den Auenschutzpark beizubehalten, die bestehenden Auenpotenziale weiterzuentwickeln und weitere geeignete Gebiete in den Richtplan aufzunehmen. Der Auenschutzpark soll weiter ausgebaut werden.
Feuchtgebiete wiederherstellen, Bäche und Flüsse revitalisieren und Auen weiterentwickeln: Das sind Investitionen in einen Aargau, der auch in einem wärmeren Klima lebenswert bleibt. Boden braucht Wasser – und Wasser braucht Raum.