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Von links: Jürg Oehninger (Pro Velo Region Aarau), Béa Bieber (Pro Velo Aargau), Herbert Künzi (Pro Velo Aargau), Julian Baker (Referent), Köbi Knüsel (Pro Velo Aargau)
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Pro Velo Aargau: «Sichere Velowege sind kein Luxus – sie sind eine Investition in die Zukunft»

(eing.) Pro Velo Aargau hat am 3. November die Mitglieder des Grossen Rates zu einem Mittagsanlass im Ratskeller Aarau eingeladen. Im Zentrum stand die Frage, wie sichere Veloinfrastruktur gestaltet werden muss, damit sie tatsächlich genutzt wird – und welchen Nutzen der Kanton daraus zieht.

Die Botschaft: «Gute Velowege erhöhen die Sicherheit, entlasten Strassen und öffentlichen Verkehr und sind volkswirtschaftlich sinnvoll. Jetzt braucht es den politischen Willen zur konsequenten Umsetzung», schreibt Pro Velo Aargau in einer Medienmitteilung.

Pro Velo Aargau bringt Erfahrung aus den Regionen ein

Zu Beginn des Anlasses stellte Pro Velo Aargau seine kantonale und regionale Arbeit vor. Der Verband und seine Regionalorganisationen engagieren sich mit Velofahrkursen für Kinder, Sicherheitsaktionen, Velobörsen, interkulturellen Kursangeboten und konkreten Verbesserungsprojekten. Jährlich organisiert Pro Velo Aargau zum Beispiel rund 30 Velofahrkurse für Kinder der ersten bis dritten Klasse. Die regionalen Organisationen bringen zudem ihre Erfahrungen aus dem Alltag direkt in den Austausch mit Behörden und Politik ein. Das Ziel ist überall dasselbe: Velofahren soll für möglichst viele Menschen eine sichere, selbstverständliche und attraktive Mobilitätsform werden.

Sicherheit entscheidet darüber, wer aufs Velo steigt

Unter dem Titel «Sichere Veloinfrastruktur – Was wirkt wirklich? Was bringt es dem Kanton?» zeigte Julian Baker von Kontextplan AG auf, weshalb Veloinfrastruktur weit mehr leisten muss, als lediglich eine Verbindung zwischen zwei Orten herzustellen. Entscheidend sei, für wen die Wege geplant würden. Während geübte Velofahrende auch anspruchsvolle Verkehrssituationen bewältigen, stellen stark befahrene Strassen, unübersichtliche Kreuzungen und fehlende sichere Verbindungen für Kinder, ältere Menschen und weniger routinierte Velofahrende oftmals unüberwindbare Hindernisse dar. «Das grösste Potenzial für den Veloverkehr liegt nicht bei den Mutigsten, sondern bei jenen Menschen, die heute aus Sicherheitsgründen aufs Velo verzichten. Gute Veloinfrastruktur muss deshalb nicht nur objektiv sicher sein, sondern sich auch sicher anfühlen», so Julian Baker. Anhand konkreter Verkehrssituationen verdeutlichte Baker, wie unterschiedlich Menschen dieselbe Strasse wahrnehmen. Was für einen sportlichen Pendler problemlos erscheint, kann für ein elfjähriges Schulkind oder einen älteren Menschen zum Grund werden, das Velo stehen zu lassen.

Der gesetzliche Auftrag ist klar – jetzt zählt die Umsetzung

Mit dem 2018 angenommenen Bundesbeschluss Velo und dem darauf aufbauenden Veloweggesetz haben Bund und Kantone einen klaren Auftrag erhalten. Bis Ende 2027 müssen die Velowegnetze in behördenverbindlichen Plänen festgehalten und bis Ende 2042 umgesetzt werden. Dabei schreibt das Bundesrecht wesentliche Qualitätsanforderungen vor: Velowege sollen zusammenhängend, direkt, sicher, homogen und attraktiv sein. Für Hörby Künzi, Präsident von Pro Velo Aargau, ist klar, dass dieser Auftrag nicht bei der Planung stehen bleiben darf: «Wir brauchen im Aargau nicht einfach mehr Kilometer Velowege, sondern durchgehend sichere und alltagstaugliche Verbindungen. Eine Veloroute ist nur so gut wie ihre gefährlichste Kreuzung. Entscheidend ist, dass aus den gesetzlichen Vorgaben konkrete Verbesserungen auf unseren Strassen werden.»

«Wir sprechen sehr oft über zu viel Verkehr auf unseren Strassen. Mit sicheren Veloverkehrsinfrastruktur können Menschen dazu motiviert werden, das Auto stehen zu lassen und mit dem Velo unterwegs zu sein», ergänzte Béa Bieber, Grossrätin und Vorstandsmitglied von Pro Velo Aargau. «Hier sind Kanton, Verbände und Gemeinden gemeinsam gefordert».

Gute Veloinfrastruktur nützt dem ganzen Kanton

Der Fachvortrag zeigte auch die übergeordneten Vorteile einer gezielten Veloförderung auf. Sichere und attraktive Verbindungen fördern den Veloverkehr und können damit Strassen sowie den öffentlichen Verkehr entlasten. «Gleichzeitig sind Investitionen in die eloinfrastruktur wirtschaftlich sinnvoll», so Pro Velo Aargau. Als Beispiel wurde die Stadt Bern vorgestellt, wo eine politisch getragene Velo-Offensive die Entwicklung der Infrastruktur gezielt vorangetrieben hat. Eine zentrale Erkenntnis des Anlasses: Gute Veloinfrastruktur entsteht nicht von selbst. Sie braucht politische Führung, ausreichende Ressourcen, Finanzierung und fachliche Kompetenzen.

Politik müsse Verantwortung übernehmen
Der Mittagsanlass bot den Grossrätinnen und Grossräten Gelegenheit, sich mit den praktischen und politischen Herausforderungen der Veloförderung auseinanderzusetzen. Die zentrale Frage für künftige Infrastrukturprojekte lautet dabei nicht allein, ob eine Strecke mit dem Velo befahrbar ist, sondern ob sie für Velofahrer jeden Alters sicher und selbstständig genutzt werden kann. Pro Velo Aargau fordert deshalb, die Umsetzung des Veloweggesetzes politisch konsequent zu begleiten, die nötigen Mittel bereitzustellen und die Sicherheit aller Velofahrenden zum zentralen Qualitätsmassstab zu machen. Denn eine gute Veloinfrastruktur ist kein Sonderinteresse einzelner Verkehrsteilnehmender. Sie ist ein Beitrag zu einer sicheren, effizienten und zukunftsfähigen Mobilität im ganzen Kanton Aargau.

Bild: Von links: Jürg Oehninger (Pro Velo Region Aarau), Béa Bieber (Pro Velo Aargau), Herbert Künzi (Pro Velo Aargau), Julian Baker (Referent), Köbi Knüsel (Pro Velo Aargau)
Foto: zVg