Ein Produkt der  
Die grösste Wochenzeitung im Fricktal
fricktal info
Verlag: 
Mobus AG, 4332 Stein
  Inserate: 
Texte:
inserat@fricktal.info
redaktion@fricktal.info
Fricktalwetter
Bedeckt
11.3 °C Luftfeuchtigkeit: 66%

Dienstag
5.6 °C | 14.8 °C

Mittwoch
2.5 °C | 14.8 °C

VPOD Aargau: «Ausbildungsoffensive reicht nicht aus – es braucht auch bessere Arbeitsbedingungen»

(vpod) Der VPOD Aargau hat sich zur Umsetzung des Bundesgesetz über die Förderung der Ausbildung im Bereich der Pflege im Kanton Aargau vernehmen lassen. Die Gewerkschaft fordert die Ausweitung der Ausbildungsoffensive auf mehrere Berufsgruppen und eine schnelle Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Pflege.

Der VPOD hat die Pflegeinitiative stark unterstützt. Es wird nun eine schnelle Umsetzung der Initiative erwartet, welche vom Volk mit einer überwältigenden Mehrheit angenommen wurde. Der Pflegenotstand ist Realität und mit geeigneten Massnahmen kann und muss möglichst schnell eine Wende herbeigeführt werden. Es geht um die Versorgungssicherheit der Bevölkerung, weshalb es der VPOD begrüsst, dass der Kanton Aargau bereit ist, in die Pflege zu investieren. Die vorgesehenen Massnahmen reichen aber nicht aus. Dass sich der Regierungsrat im Rahmen des Teilprojekts 1 für die minimale Variante ausspricht und dies mit der aktuellen finanzpolitischen Lage begründet, ist für den VPOD unverständlich und wird scharf kritisiert. Für diese Entscheidung gibt es keinerlei sachliche Gründe. Faktisch hat der Kanton Aargau in den letzten sechs Jahren Schulden in der Höhe von rund 1,3 Milliarden Franken abgebaut und Reserven in der Höhe von über 800 Millionen Franken gebildet. Vor diesem Hintergrund wird klar, dass der Kanton Aargau problemlos die Beiträge im Umfang der gesamten ungedeckten Ausbildungskosten tragen kann. Die Pflegeausbildungen auf Sekundarstufe II (z.B. Assistentin/Assistent Gesundheit und Soziales AGS, Fachfrau/Fachmann Gesundheit FaGe und Fachfrau/Fachmann Betreuung Fachrichtung Betagtenbetreuung FaBe) müssen zwingend ebenfalls vom Kanton unterstützt werden, auch wenn diese nicht von der Ausbildungsoffensive des Bundes erfasst werden. Diese Berufsgruppen sind im Gesundheitswesen, sei es in den Spitälern, wie auch in
Pflegeinstitutionen, Spitex etc. immer wichtiger und mittlerweile unentbehrlich. Ohne diese Fachkräfte ist es immer schwieriger, den Betrieb aufrechtzuerhalten. Dazu gehört auch, dass Personen mit einer pflegerischen Vorbildung (bspw. FaGe), die unter 25 Jahre alt sind, in den Genuss der Förderbeiträge für die Ausbildung zur dipl. Pflegefachperson kommen sollen. Dass dies in der aktuellen Vorlage nicht vorgesehen ist, ist unverständlich und muss dringend korrigiert werden.

Zudem erwartet der VPOD von der Aargauer Regierung, dass sie sich dafür einsetzt, dass alle Forderungen der Pflegeinitiative bald angegangen und umgesetzt werden, insbesondere die Forderung nach besseren Arbeitsbedingungen. Es macht keinen Sinn, eine Ausbildungsoffensive zu starten, wenn dann die ausgebildeten Fachkräfte nach ein paar Jahren den Beruf verlassen. Dass in der Pflege die Berufsverweildauer nur ein paar Jahre beträgt, ist von vielen Studien belegt, auch, dass die schlechten Arbeitsbedingungen dafür verantwortlich sind. Die Regierung muss unbedingt auch auf dieser Ebene aktiv werden, wenn sie die Versorgungssicherheit der Bevölkerung sicherstellen möchte. Frühere Verrentungsmöglichkeiten, mehr Ferien oder die Möglichkeit von verlängerten bezahlten Sabbaticals nach einer bestimmten Anzahl Dienstjahren würden die Attraktivität des Pflegeberufes im Kanton Aargau erhöhen. Auch neue Arbeitszeitmodelle wie beispielsweise die Einführung der 38-Stunden-Woche bei 100 Prozent Lohn würde helfen, die Pflegenden im Beruf zu halten. Zudem würden solche Modelle dazu beitragen, die Krankheitstage zu verringern, wie auch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu fördern.