(wr) Der hochstehende Finalnachmittag der Festsiegerkonkurrenzen bildeten den Abschluss des 31. Aargauer Kantonalschützenfestes im Oberfreiamt. Die Hauptsiege gingen an Tobias Roth (Höri/ Standardgewehr 300 m), Chiara Leone (Frick/Gewehr 50 m), Dieter Grossen (Full/Pistole 50 m) und Alex Huber (Luzern/Pistole 25 m). Die Gesamtbeteiligung von 8246 Schützinnen und Schützen erfüllt OK-Präsident Beat Brun mit grosser Genugtuung.
Was war das für ein Finalnachmittag! Viele Medaillenanwärter scheiterten trotz guter Leistung. In vielen Kategorien versammelte sich im Final der Festsiegerkonkurrenz ein guter Teil der gesamten Schweizer Schützenelite. Herausragend waren die 50-m-Gewehrschützen. Da war sich die Fricktalerin Chiara Leone nach mehreren Medaillengewinnen vor einer Woche an den European Games in Polen nicht zu schade, am eigenen Kantonalfest im Festzentrum anzutreten. Souverän sicherte sie sich den begehrten Festsiegertitel vor Bettina Bereuter, die nach mässigem Beginn trotz Aufholjagd das hohe Niveau der Weltklasseschützin anerkennen musste. «Ein solche Fest ist immer etwas Spezielles, und ich kann überall Erfahrungen sammeln», kommentierte Leone ihre Motivation und lobte dabei die guten Bedingungen auf der temporären Anlage. «Es ging bei mir heute nicht ganz auf», liess Bereuter durchblicken, dass sie mit ihrer Leistung nicht ganz zufrieden war.
Dieter Grossen schloss Lücke
Der Fuller Pistolenschütze Dieter Grossen, eidgenössischer Schützenkönig 2021 in Luzern, hat in seiner Karriere auf nationaler Ebene schon fast alles gewonnen. Doch ein Aargauer Kantonalfestsieg fehlte ihm noch. Seine Entschlossenheit im 50-m-Stand in Benzenschwil verhalf ihm zu einem eindrücklichen Start-Ziel-Triumph, obwohl ihm die ersten zehn Schüsse nicht wünschgemäss gelungen waren. «Ich war zuerst zu wenig frech am Abzug. Aber zuletzt war das Selbstvertrauen wieder da», kommentierte der 49-jährige Routinier seinen Sieg mit 1954:1930 Punkten gegen seinen letzten Herausforderer, den Solothurner Herbert Lehmann. «Dieser fehlende Sieg war heute mein klares Ziel», bekannte der Nordostaargauer nach dem ersten Jubel.
Auf die 25-m-Distanz lieferten sich die Pistolenschützen einen Hitcockfinal. In den letzten zwei Schüssen verhinderte der Luzerner Alex Huber einen Freiämter Triumph durch Andy Vera Martin (Oberwil-Lieli). Mit 468:467 Ringen nach 50 Schüssen fiel die Entscheidung knappestmöglich.
Kein Aargauer 300-m-Gewehrsieg
Eine herbe Enttäuschung hatte der Gastgeberkanton im 300-m-Gewehrfinal der Standardschützen zu verkraften. Favorit Rafael Bereuter erwischte nach seinem Sieg im zweistelligen Meisterschaftsfinal einen schwächeren Tag und musste sich mit Rang 5 begnügen. Die Zetzwilerin Michèle Maurer landete nach fulminantem Auftakt auf Rang 6, und schliesslich schrammte auch der Hallwiler Routinier Rolf Denzler knapp an Bronze vorbei. So blieben alle drei Medaillen der Kategorie A im Kanton Zürich mit dem besten Ende für Tobias Roth.
Ebenfalls nichts zu holen gab’s für den Aargau in den beiden anderen Gewehrkategorien 300 m. Diese Siege gingen an Marina Mathis (Ennetmoos/Sturmgewehr 57/03) und an den Berner Reto Boss mit dem Sturmgewehr 90. Immerhin siegte mit demselben Sportgerät beim U21-Nachwuchs Julia Jehle vom Schiessverein Frick.
Zufriedener OK-Präsident Beat: «Gemeinsam etwas geleistet»
Parallel zu den Finals der Festsiegerkonkurrenz ging auf den zehn weiteren 300-m-Gewehrschiessplätzen das 31. Aargauer Kantonalschützenfest zu Ende. Nach zehn Schiesstagen summierten sich 8246 Gewehr- und Pistolenschützinnen. «Mein heimliches Ziel lag mit 7000 Teilnehmern noch höher als dasjenige des OK mit 6000», verriet OK-Präsident Beat Brun nach dem letzten gefallenen Schuss. «Jippie! Ich habe einfach Freude.»
Kein Blaulichteinsatz
Brun streicht heraus, dass das ganze Fest praktisch unfallfrei und ohne jeglichen Polizeieinsatz verlief. «Mich freut auch, dass wir viele junge Teilnehmer und Frauen dabei hatten. In den Finals gab’s viele Medaillengewinnerinnen. Das ist doch schön!» Dass der älteste Teilnehmer, ein 99-jähriger Basler Gewehrschütze, nach seinem Kranzresultat einen Sturz beim Verlassen des Schützenhauses hatte, geht als Randnotiz in die Geschichte des Schützenfestes ein.
Gegen 3000 Helferinnen und Helfer
OK-Präsident Beat Brun gerät beim Rückblick auf den Tag der Jugend mit dem Final des Aargauer Jugendschiessens und auch bei der Erinnerung an den gelungenen offiziellen Tag mit Fahnenübergabe beim Kloster Muri ins Schwärmen. «Wir haben die Tradition auch zelebriert. Total standen gegen 3000 Helferinnen und Helfer beim Umsetzen unseres grossen Festes im Festzentrum Benzenschwil und auf den zehn Aussenplätzen im Einsatz.» Das sei für den kleinen Bezirk Muri eine fantastische Zahl. «Wir haben gemeinsam etwas organisiert und geleistet.»