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Keine Chance (Leserbrief)

Von Michael Derrer, Verein Mehr Farbe, Rheinfelden

Kürzlich erzählte mir eine Person aus meinem beruflichen Umfeld, die auch in der Rheinfelder Politik aktiv ist, dass mir das Image eines ewigen Kritikers anhafte.
Es ist klar, dass wir keine Chance haben, positive Ideen beizutragen, wenn alles, was wir tun, ins Negative verzerrt wird. Dabei waren alle unsere Initiativen immer in positivem Geist geäussert und konkret.
Zum Beispiel übermittelten wir 14 Vorschläge aus der Bevölkerung in einem Brief an den Rheinfelder Stadtrat. Wir hatten sie zuvor im Dialog mit Menschen auf der Strasse gesammelt. Im Antwortbrief des Stadtrats erhielten wir 14 Ablehnungen. (Wen es interessiert, findet den Briefverkehr auf mehrfarbe.ch)
Zu den enthaltenen Punkten gehörten: − Die Aufforderung, die Variante eines einfacheren und günstigeren Rheinstegs zu prüfen. − Die Anregung, das Aushängen von Blumen vor den Fenstern in der Altstadt aktiv zu fördern. − Die Idee eines ständigen offenen Ateliers im Herzen der Stadt, in dem Kunstschaffende bei Ihrer Arbeit beobachtet werden können. − Die offene Frage, ob in Rheinfelden ein Schiff seinen Heimathafen haben sollte. − etc.
Alle diese Ideen entsprechen nicht den Vorhaben und Prioritäten des Stadtrates. Dann wird es so dargestellt, als ob diese interessanten Vorschläge aus der Bevölkerung «ständiger Kritik von uns» entsprächen. Zu behaupten, jemand kritisiere nur, ist ein wirksames Mittel, um ihn in ein schlechtes Licht zu rücken.
Zudem ziehen solche Aussagen grössere Kreise, indem sie Individuen dazu ermutigen, Aktionen durchzuführen, die über das normale Mass hinausgehen. Erwähnt seien die ständig aufgeschlitzten Pneus unserer Fahrzeuge. Oder der in der Lokalzeitung publizierte Schnitzelbank der Rathaus-Clique, den, wie mir gesagt wurde, zahlreiche Personen «trotz ihres Sinnes für Humor als äusserst grenzwertig empfanden».
Wir gehören im Gegenteil zu denjenigen, die konkret etwas unternehmen. Das zeigen wir täglich in der Arbeit unseres kleinen Restaurants. Auch viele andere Menschen unternehmen viel, um unser Städtchen noch lebenswerter zu machen – jede und jeder auf seine Weise.
Doch auch dieser Leserbrief wird nichts daran ändern, dass wir allein nicht gegen die Verzerrung der Wahrnehmung ankämpfen können. Ein weiteres Mal wird es heissen: «Der Derrer kritisiert wieder». Schade um den konstruktiven Dialog in unserem schönen Ort. Es gibt noch viele Menschen, die wunderbare Ideen haben, die man prüfen und diskutieren sollte. Gehören Sie auch zu ihnen?