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Mit Holzverbrennung rettet man das Klima nicht – Offener Brief an die AEW

Von Jürg Keller, Rheinfelden

Sehr geehrte Redaktionsmitglieder von AEW «ON!». Viele Seiten Ihres wohl in alle AG-Haushalte verteilten «ON!» sind informativ, die Seite 7 ist aber desinformativ (Fernwärme für Rheinfelden).
Was Ihr Herr Gautschi zur Holzschnitzelverbrennung und der damit verbundenen Einsparung an CO2-Emissionen meint, ist so eindeutig falsch. Weil aber viele Förster, Ortsbürger und sogar die Abteilung Wald in Aarau an Herrn Gautschis Aussagen glauben, gehören sie unter den Titel «Denn sie wissen nicht, was sie tun» (Filmtitel und Lukas 23,34). Mit der Holzverbrennung macht die AEW nichts anderes als karbonisieren. Das Gebot der Zeit wäre aber bekanntlich die Dekarbonisierung, und dies rasch.
Hartnäckig behauptet die AEW (und die IWB) Holzverbrennung sei etwas anderes als Gasverbrennung, wobei sie die Photosynthese bemüht. Tatsache ist aber, dass mit der Gasverbrennung nur die Hälfte (Faktor 1.9) an CO2 pro Wärmeeinheit emittiert würde.
Nun zur Photosynthese: Holz ist ein idealer CO2-Speicher, wenn man es als Holz bewahrt. Als Bauholz taugen Baumstämme aber erst, wenn sie «ausgewachsen» sind, also voluminös und lang lang geworden sind. Dass die Ausbildung solcher Stämme erste Pflicht der Forstwirtschaft ist (wäre!), betonte Regierungsrat Attiger in jüngster Zeit mehrfach, auch im Fricktal. Er scheint das Problem besser als seine und Ihre Fachleute durchschaut zu haben.
Die Holzschnitzelei verhindert aber genau dieses Ziel: Statt CO2 speicherndes Bauholz anzupeilen, wird Holz verbrannt und setzt dabei das gespeicherte CO2 sofort frei, und dort wirkt es auch sofort als Klimagas.
Und hier kommt die CO2-Neutralität ins Spiel: Sie basiert auf folgendem Gedankenspiel: Wird ein Baumstamm verbrannt, «saugt» sein Nachfolger innert zum Beispiel 120 Jahren das freigesetzte CO2 wieder in sein Holz. Nach 120 Jahren wäre also der Schaden der heutigen Verbrennung kompensiert.
Dazu Folgendes: Der Klimawandel schreitet rascher voran als erwartet. Was in 120 Jahren sein wird, weiss niemand. Eine Vorhersage gleicht deshalb einem Glücksspiel im Casino, ist also reine Spekulation. Zusätzlich kommt aber noch: Wir haben keine 120 Jahre mehr Zeit, um auf eine spekulierte CO2-Neutralität zu warten, diese sollte in den nächsten 25 bis 30 Jahren erfolgt sein. Ein Jungbaum braucht aber einige Jahrzehnte, bis er namhaft in sein Stammwachstum investieren und damit CO2 speichern kann Die behauptete CO2-Neutralität käme also viel zu spät: Das in den Wärmezentralen der AEW emittierte CO2 wird in den kommenden Jahrzehnten in der Atmosphäre hängen bleiben, und es ist wie erwähnt, die zirka doppelte Menge der entsprechenden Gasverbrennung.
Kommt als Drittes: Das Wärmeschnitzelgeschäft ist für die Waldeigentümer eine bequeme und folglich begehrte Einkommensquelle. Dadurch droht dem Wald die Übernutzung. Im Kanton Zürich läuten deshalb bereits die Alarmglocken, und man muss bereits daran denken, die Holzverbrennung durch Wärmepumpen zu ersetzen.
Dass durch die Ernte von E-Holz das Ökosystem Wald zerstört wird, wodurch beispielsweise das kühlende Waldklima bereits am Verschwinden ist, sei hier nur der Vollständigkeit erwähnt, wie auch die Verwunderung, dass die Naturschutzorganisationen zum verderblichen Treiben der Forstwirtschaft beharrlich schweigen (es gibt Ausnahmen, z.B. Sulz).