Von Marcel Weiss-Kapeller, Eiken
Die Entmündigung der Bevölkerung der Sisslerfeldgemeinden Stein, Münchwilen, Sisseln und Eiken schreitet weiter munter voran. Die Testplanung mit dem Synthesebericht hat keinerlei rechtliche Verbindlichkeit. Wenn an den durchgeführten öffentlichen Foren im Saalbau Stein die Bevölkerung jeweils mit viel Schönrederei über die Planungsfortschritte informiert wird, innerhalb einer 10-minütigen Frist auf einem Klebezettel Fragen dazu formuliert werden können, die dann – wenn überhaupt – rudimentär und wenig verbindlich beantwortet werden, dann hat das wenig bis gar nichts mit einer echten Mitwirkungsmöglichkeit zu tun. Balsam sind dann jeweils der offerierte Apéro mit Häppchen zum Abschluss.
Wie durch die Projektleitung zu erfahren war, ist derzeit der regionale Sachplan Sisslerfeld in Bearbeitung, bzw. beim Kanton Aargau zur vorläufigen Beurteilung eingereicht. Für die Erarbeitung sorgte eine 15-köpfige Arbeitsgruppe, wobei den vier Trägergemeinden die Federführung zugekommen sei. Dass dabei das Ergebnis der Testplanung mit den formulierten Zielsetzungen zur Landschaft, Nutzung, Mobilität, Ver-/Entsorgung und Organisation umgesetzt werden soll, und zwar egal ob diese von der Bevölkerung mitgetragen werden, ist offenkundig. Wie wir Fricktaler unseren Lebensraum zu beplanen und zu nutzen haben, müssen uns die Planungsbüros aus Zürich und Deutschland aufzeigen. Der Segen aus Aarau ist gewiss, den die bereits aufgewendeten Planungskosten von mehreren Millionen Franken müssen ein völlig neues, vor allem akademisch formuliertes Ergebnis vorweisen, um die Bevölkerung mindestens zu beeindrucken, wenn bei den formulierten Zielen schon keine Überzeugung aufzukommen vermag.
Mit der angedachten Arealentwicklung werden uns Industrieareale mit hoher Wertschöpfung und emissionsarmer Produktion, hoher Arbeitsplatzdichte (Potential zig-tausend Arbeitsplätze), Ansiedlung neuer Unternehmen aus den Bereichen Grossproduktion, Forschung und Entwicklung sowie KMU schmackhaft gemacht.
Mobilitätsdrehscheiben sollen verschiedene Verkehrsträger vernetzen und die Versorgung mit Angeboten der Gastronomie (Restaurants) und Gütern des täglichen Bedarfs (Läden) realisiert werden. Sind das die heeren Ziele, die unser wertvolle ländliche Raum braucht? Wollen wir städtische Verhältnisse in unseren Lebensraum importieren? Die Basler Chemie hat uns ab der 60er-Jahre Arbeit, breit diversifizierte Arbeitsplätze und materiellen Wohlstand in verschiedensten Lebensbereichen gebracht.
Streben wir die in Aussicht gestellte stürmische Entwicklung mit allen Konsequenzen, die jede und jeder sich leicht ausmalen kann, an? Für uns Fricktaler lohnt es sich, beim angedachten Treiben der Städteplaner und Strippenzieher der kantonalen Raumplanung genauer und kritisch hinzuschauen. Die Haare stehen einem zu Berge, wenn man sieht, wie Regierungsrat und kantonale Verwaltung mit den Millionenkrediten für den strategischen Landerwerb umgehen. Ich fürchte, dass wenn sich Grossräte, verantwortungsbewusste Unternehmer und interessierte Bürgerinnen und Bürger generell und vermehrt dem Thema der Gebietsentwicklung im Sisslerfeld annehmen, als Endprodukt das Kind mit dem Bade ausgeschüttet wird. Vielleicht wäre das noch der kleinste materielle Schaden und ein echter Gewinn für unseren Lebensraum!